Warum kann ich mir nichts merken beim Lernen

Warum kann ich mir nichts merken beim Lernen? – Lerntechnik gegen Vergessen

Communityfrage von Bettinn: „Ich lerne gerade für eine Prüfung, geht um Umweltschutz und Ökonomie, aber ich struggle total damit, mir Dinge zu merken. Ich sitz immer nur mit einem Hefter da, schau rein, leg den Hefter weg und habe alles wieder vergessen. Warum kann ich mir nichts merken beim Lernen? Hast du da einen Tipp?“

Einige von euch Künstlerleins sind noch immer in der Schule, an der Uni, an der Berufsschule oder machen eine andere Art von Weiterbildung. Prüfungen und der ganze Kram können manchmal echt stämmig sein, aber wie man dafür lernt, ist immer so eine Sache.

Ich habe früher auch so gelernt. Hefter auf, reinstarren, eine Zeile lesen, die Zeile im Kopf wiederholen, nächste Zeile lesen, im Kopf wiederholen, nächste Zeile lesen und so weiter. Am nächsten Tag war schon 20% davon vergessen. Bis zur Leistungskontrolle war dann nochmal 30% weg. Dann habe ich die LK mit Ach und Krach geschafft und danach war dann alles weg. Blöd nur, dass ich den gleichen Kram zur nächsten Klassenarbeit nochmal lernen musste.

Warum kann ich mir nichts merken beim Lernen?

Uns wird ja nicht beigebracht zu lernen. Uns wird immer nur gesagt „lernt das“, aber wie genau man das macht, weiß keiner von uns, außer lesen und wiederholen, lesen und wiederholen, lesen und wiederholen.

Heute mache ich viele Weiterbildungen. Zeichentechnik, Storytelling, Vertrieb und Organisationsmanagement upgraden sich nicht von allein. Auch diese Weiterbildungen haben teilweise Prüfungen am Ende, für die ich lernen muss. Aber heute schaue vor den Prüfungen nicht mal mehr in die Hefter rein. Wie kriege ich das hin?

Es gibt eine Vielzahl von Lerntechniken. Eine wertvoller als die andere und keine einzige davon lernt man in der Schule (VON AUSGEBILDETEN PÄDAGOGEN!!! ….. entschuldigt, beim Thema Schule geht es immer ein wenig mit mir durch). Es gibt aber eine Technik, die funktioniert – meiner Meinung nach – am aller besten, verbraucht am wenigsten Zeit und das Wissen, das man sich durch sie aneignet, bleibt am längsten haften.

Die Technik ist ganz simpel: Erkläre, was du gerade gelernt hast.

Wenn ich ein Lehrbuch lese, dann lese ich einen Abschnitt durch, leg dann das Buch weg und erkläre noch einmal mit eigenen Worten, was ich gerade gelesen habe.

Manchmal stolpere ich dabei über Dinge, die ich noch nicht verstanden habe oder manchmal entfallen mir Fachbegriffe. Dann lese ich den Abschnitt noch einmal, lege das Buch wieder weg und erkläre es erneut. Ich mache das so lange, bis ich wirklich verstanden habe, was da vor sich geht. Manchmal entfallen mir Fachbegriffe immer noch, aber ich kann zumindest erklären, was ich meine.

Warum ist diese Methode besser, als „lesen, wiederholen, lesen, wiederholen, lesen, wiederholen“? Weil man deutlich mehr Hirnbereiche anspricht. Wenn man nur liest, dann sind nur die Augen und der Leseskill beschäftigt. Wenn man nur Wiederholt, dann ist nur der Erinnerungsbereich beschäftigt. Wenn man aber erklärt, dann braucht man die Augen, das Lesen, das Wiederholen, die Erinnerung und zusätzlich

  • den Mund, denn man muss sprechen

  • das Verstehen, denn man muss mit eigenen Worten wiedergeben können, was man gerade gelesen hat, ohne es stumpf zu wiederholen

  • das Abstrahieren, denn man muss das Gelesene in seine Einzelteile im Kopf zerlegen und es dann wieder im eigenen Verständnis zusammensetzen

  • das Hören, denn man hört ja, was man selbst sagt

  • die Körpersprache, denn meistens sitzt man beim Erklären nicht da, wie ein Stock, der sitzen kann

  • das Selbsteinschätzungsvermögen, weil man ständig bewerten muss, ob man etwas wirklich verstanden hat oder gerade nur versucht, sich an den Text zu erinnern

Es gibt noch eine Reihe anderer Hirnbereiche, die mit dieser Methode trainiert werden, aber fest steht, wenn ich so lerne, muss ich vor den Prüfungen nicht mal mehr in die Hefter reinschauen. Ich weiß, worum es geht und ich kann es mit meinen eigenen Worten erklären. Manchmal vergesse ich auch Fachbegriffe oder kleinere Sachen, aber das große Ganze steht wie ein Fels in der Brandung.

 



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