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Dinge, die mir am P&P von RBTV gefallen:

Hinweis: Das hier ist selbstverständlich nur meine Meinung und muss von niemandem geteilt werden.

1.) Spielzeit von 5 Stunden oder länger
Eine lange Spielzeit ist sehr angenehm. Einerseits macht sie es dem Zuschauer leicht, Zeit genug zu haben, von der Geschichte abgeholt zu werden und sich darin fallen zu lassen. Es gibt kaum Leute, die ein Videospiel ein oder zwei Stunden spielen und dann Zähne putzen und ins Bett gehen. Ein Spiel zockt man Stunden lang und ist total drin. Eine Spielzeit von zwei Stunden oder weniger hat eher einen Film- oder Serien-Charakter, keinen Spiel-Charakter. Andererseits fühlt sich das P&P dadurch eher wie ein wertvolles Event an, als wie ein weiteres Format. Warum ist dieser Unterschied wichtig? Ein Event nimmt man als etwas sehr besonderes wahr, auf das viel Augenmerk gelegt wird und auf das man sich daher sehr freut. Ein Format kehrt immer wieder und fühlt sich austauschbar an, sodass man weniger das Bestreben hat, unbedingt live dabei sein zu wollen.

2.) Die Staffeln mehr als zwei Teile lang
Je länger eine Staffel läuft und vorallem je länger die Charaktere da sind, die funktionieren, die man lieb gewonnen hat und mit denen man sich identifiziert, um so besser. Nachdem T.E.A.R.S. vorbei war, war es schon irgendwie traurig, die vier Charas gehen lassen zu müssen und zu wissen, dass sie nie wieder kommen und man nie wieder etwas von ihnen hört. Die Idee, B.E.A.R.D.S. und T.E.A.R.S. im selben Universum spielen zu lassen war genial, weil man so das Gefühl hatte, dass die T.E.A.R.S.-Charas doch noch irgendwie da sind und noch irgendwie relevant sind! Und ich fand es schön, dass es von Morriton Mannor mit Funnerals eine Fortsetzung gab. Klingt vielleicht doof, aber beim Zuschauer liegt die größere Bindung bei den Charakteren, nicht bei der Story.

3.) Bauchbinden mit dummen Sprüchen aus der Regie, dem Chat oder Twitter
Erstens es lockert die Stimmung auf und man behält die Augen auch gern auf dem Bildschirm. Es überbrückt manchmal auch etwas träge Durststrecken. Zweitens ist es eines der größten Achievements, die man als Chat-Schreiber oder Tweeter erhalten kann, seinen Text über den Live-Bildschirm laufen zu sehen. Ich weiß nicht, ob euch das bewusst ist, aber das ist einfach das Größte für Schreiberlinge und motiviert dazu, aktiver, intelligenter und kreativer im Chat und auf Twitter zu posten. Drittens entstehen auch durch solche Einbindungen Legenden wie Pavian Doehla.

4.) Einblendungen oder Erwähnungen von Fan-Stuff
Ist eine der wunderbarsten Wertschätzungen an die Fans, die sich die Mühe machen, Zeug zu basteln, zu schreiben, zu zeichnen etc. Und es erhöht die Motivation selbst auch was zu machen und hinzuschicken, sich allgemein am Projekt zu beteiligen. Den eignen Namen in der Show erwähnt zu hören, ist wirklich super toll für einen Zuschauer.

5.) Einblenden von Charakterbögen, Attributen, Werten, Würfelwürfen
Ist einfach besser für die Nachvollziehbarkeit. Ich glaube, ein P&P ist weit besser und angenehmer zu verfolgen, wenn man das Regelwerk dahinter zumindest ansatzweise kennt. Ihr habt immer wieder versucht, das System so ein bisschen zu erklären, aber es macht mehr Sinn, wenn man vorher schon die Charakterbögen einsehen kann und dann genau weiß, was mit Attributen und Skills gemeint ist. Man kriegt das im Kopf dann besser sortiert. Wenn man das nämlich vorher nicht weiß, stolpert man irgendwie nur so durchs Abenteuer und kann nicht richtig nachvollziehen, warum ein Wurf jetzt auf einmal so wichtig ist. Anstatt das Regelwerk leichter zu machen, solltet ihr vielleicht versuchen, es durch Charakterbögen nachvollziehbarer zu machen. Ich hab immer so im Gefühl, wenn man als Zuschauer ein P&P schaut, will man auch ein P&P sehen, also vier Spieler, die ein Spiel spielen, wie ein Let’s Play. Die Geschichte, das Abenteuer, der Verlauf, die Szenerien sind fast zweitrangig. Das wirkt nur unterstützend zum Let’sPlay-Erlebnis dazu. Was ist das wichtigste bei einem Let’s Play? Der Moderator. Ihr habt fähige Moderator, die interessante Charaktere spielen. Stellt mehr heraus, wie sie spielen, nicht was sie spielen. Method Acting ist lustig und toll, aber wenn man das übertreibt und nur noch auf Schauspiel, Drama und Szenerie setzt, dann ist das ein Theaterstück, kein P&P, also kein Spiel. Ich bin vor kurzem auf das P&P von KerkerKram gestoßen und die sind sehr back to the roots. Die machen auch viel Acting, was sehr süß und sehr lustig ist, aber vorallem spielen sie ein Spiel so gut sie können nach den Regeln das Spiels. Das Regelwerk ist bekannt und als erfahrener P&P-Spieler-Zuschauer kann man super leicht eintauchen und es genießen. Ich hab das Gefühl, das ist bei RBTV ein bisschen verloren gegangen und es wird immer mehr Fokus auf das Schauspiel gelegt, als auf das Spielspiel. Es wird immer mehr zur Theatershow und immer weniger ein P&P. Ich bezieh mich dabei nicht nur auf S.P.A.C.E., auch Morriton Mannor war teils sehr theaterhaft und ich hab das Gefühl, ihr verfolgt diesen Trend immer weiter. T.E.A.R.S. war noch sehr P&P-haft. Ich geb zu, die vier Spieler haben wie absolute Noobs gespielt, haben diskutiert an Stellen, an denen es völlig unrealistisch war, haben das Regelwerk nicht verstanden, konnten mit Vokabeln wie Attribut und 2W6 nichts anfangen und haben nie klare Ansagen gemacht, welche Aktion sie gerade starten, aber sie haben dennoch tapfer gespielt. Wenn ich ganz am Anfang noch Charakterbögen und eine kleine Übersicht über das Regelwerk gehabt hätte oder es mal in einer Stunde genau erklärt werden würde, wäre es perfekt gewesen.

6.) Pre-show
Ein sehr angenehmer Ankerpunkt, um mehr über die Charaktere zu erfahren, eine Zusammenfassung der Storie zu haben, alles nochmal Revue passieren zu lassen und schon da ein bisschen in das P&P Feeling einzutauchen, bevor es richtig losgeht. Man wird schon vor dem Start ein klein wenig abgeholt und es wird Vorfreude auf das Ereignis aufgebaut. Außerdem gibt es dem P&P auch wieder mehr den Event-Charakter. Es ist so wichtig, dass es vor der eigentlichen Show noch eine Pre-Show geben muss. Normale Formate haben sowas nicht. Es verstärkt mehr das wichtige Event-Gefühl.

7.) Schnelles Rollenspiel und gute Reaktion auf den Spielmeister und die Situation
Das ist natürlich auch wieder ein sehr subjektiver Eindruck, aber am angenehmsten wurde das Spiel, wenn die Spieler direkt und konsequent reagiert haben. Ich kann mich erinnern, es gab in Tears eine Szene, da kam ein Zombie auf die Spieler zu und sie haben erstmal drüber diskutiert, welche Waffe sie nehmen oder ob sie wegrennen oder ob sie lieber was werfen und irgendwann driftete die Diskussion in eine völlig andere Richtung, dann ging’s plötzlich drum, wer eigentlich was besitzt und dass die Besitztümer unfair aufgeteilt sind. Sowas ist eher unangenehm und zieht die eigentlich spannende Situation wie Kaugummi in die Länge. Diskussionen sind lustig, wenn sie methodisch in die Szene passen, wie bei Morriton Mannor, wo die vier im Herren Zimmer waren und auf Earl rumgehackt haben. Oskar Pannier hat für sowas eine ziemlich gute Regel aufgestellt: “Gesagt, getan”. Wenn jemand etwas sagt, selbst wenn er es nur als gemeinten Vorschlag in die Runde wirft oder gar nur als Halbsatz sagt, ohne es vorher genau zu durchdenken, dann tut er es auch. Das hält die Dynamik im Spiel aufrecht und unterbindet sinnlose Diskussionen um den besten Zug. Wenn mich in Tomb Raider aus dem Hinterhalt ein Tiger anfällt, denk ich auch nicht erstmal fünf Minuten drüber nach, ob ich jetzt die Schroti nehme oder die Deagle. Ich erschrecke mich und schieße wie so’n Noob. So sollte es im P&P auch sein. Zombie kommt auf mich zu, soll ich meine Schrotflinte ziehen? – Die ziehst deine Schrotflinte! Diskussion Ende und es wird gewürfelt.

8.) Epische Musikuntermalung
Das ist vielleicht ein bisschen kitschig, aber es funktioniert. Je epischer die Musik und je besser sie zur Szene passt, um so emotionaler geht man in der Szene auf. Musik kann wirklich sehr viel ausmachen und sollte nie unterschätzt werden.

9.) Was wäre wen
Das Was wäre wenn ist quasi die umgedrehte Pre-Show. Ich meine also hier das allgemeine Gefühl nach einem P&P, wenn man es denn wie eine Art Event sieht, nicht wie ein Format. Ein Event ist immer sehr emotional, aufreibend und kräftezehrend. Man lässt sich fallen, wird abgeholt, geht darin auf, genießt es. Dann kommt das Ende und alles ist vorbei. Das Was wäre wenn holt den Zuschauer ein bisschen aus diesem kalten grausigen Loch des Endes wieder heraus, begleitet ihn sanft in den Feierabend, wenn man so will. Es lässt das Event ruhig ausklingen und man hat nicht das gefühl, so krass allein gelassen zu werden. Es macht so ein Gefühl wie nach dem Event nochmal mit den Kumpels auf ein Bierchen in die Kneipe zu gehen und alles schön ausklingen zu lassen. Was halt cool wäre, wenn man das sogar noch ausbauen könnte, nicht in 20 minuten alles abhandeln, sondern mit den spielern zusammen noch so eine Stunde, anderthalb Stunden sitzen bleiben und drüber reden, was passiert ist, alles nochmal reflektieren, was war gut, was war weniger gut, wer hat welchen super coolen Move gemacht und auf Zuschauerfragen eingehen, was passiert wäre, wenn die Jungs dieses und jenes getan hätten. Ich mein, klar, lohnen sich anderthalb Stunden After-Show nicht, wenn das P&P nur zwei Stunden dauert, aber wie gesagt, ich mag am P&P mehr den stundenlangen LetsPlay-Charakter als den kurzweiligen TVShow-Charakter.

10.) Runtergeschraubte Professionalisierung / Back to the Roots
Ok, das wird jetzt vielleicht ein bisschen kompliziert zu erklären. Meine Lieblingsformate auf RBTV sind meist auch die einfachsten Formate, bzw die, die eher nach Hauen und Pappe aussehen, als nach aufwendiger Professionalität (ich betone hier deutlich “aussehen”. Nur weil eine Show nach Hauen und Pappe aussieht, heißt das nicht, dass da nicht sehr viel Aufwand reingeflossen ist). Das sind so Almost Daily und Almost Plaily, die Hängi-Palavers oder -Let’sPlays, das Sommerfest, Beans vs., P&P natürlich, etc. Andere Formate, in denen rbtv wirklich versucht, sehr professionell rüber zu kommen und die Kulisse auf Hochglanz zu polieren, wie das Nerd-Quiz, Kino+ und so weiter sprechen mich gar nicht so sehr an. Das Chat-Duell guck ich tatsächlich auch nur, wenn interessante Gäste dabei sind. Das Nerd-Quiz von Game One, als es noch aus einem kaputten Sessel und einem wackeligen Tisch bestand, liebe ich ohne Ende. Und wo wir grad bei Game One sind, ich hab tatsächlich an den Making Ofs mehr Gefallen gefunden als an der Show selbst. Diese Hochglanz-Professionalisierung ist tatsächlich gar nicht so meins und ich hab mich lange gefragt, warum das so ist. Ich glaube – das ist aber nur meine Meinung – weniger professionell wirkt näher am Menschen dran. Man entfremdet sich weniger von dem, was man sieht. Es wirkt wie ein Abend mit guten Freunden und einem Bierchen, nicht wie Wetten Dass. Ein Sommerfest mit einer Blechdosen-Pyramide, einer Tischtennisplatte und einem Grill kann jeder bei sich im Garten auch bauen und kennt das Gefühl, mit seinen Freunden solche Spiele zu spielen. Ein Hochglanz-Setup mit einem langen, beleuchteten Tisch, Standbannern im Hintergrund und gepolsterten Profi-Gaming-Stühlen ist schon wieder sehr weit weg vom heimischen Wohnzimmer. Ich meine, wo streamen die großen Twitch-Streamer? Nicht in einem Studio. Die streamen bei sich im Schlafzimmer. Das heimische Etwas, das jeder quasi auch haben kann, gefällt mir besser, als etwas, das sehr professionell aufgezogen ist. Professinalität bzw eine glänzede Verpackung weckt beim Zuschauer immer sehr hohe Erwartungen. Wenn die nicht erfüllt werden können, ist die Enttäuschung um so größer. Bei einem Abend mit Freunden und Kollegen hat man gar keine Erwartungen und freut sich einfach nur auf die Geselligkeit, auf die Leute, auf die Runde, auf einfach zusammen abhängen. Es ist schwierig zu erklären. S.P.A.C.E. war unterhaltsam als TVShow oder Impro-Theater, aber es war so weit weg von der eigenen Kneipe und dem Bierchen, dass es schon fast Fremdkörperhaft gewirkt hat. Es sollte professionell sein, aber durch die holprige Umsetzung wurde es nur cringy. T.E.A.R.S. hingegen war das Gegenteil. 5 Dudes sitzen zusammen, spielen ein Spiel und man selbst sitzt als sechster Typ irgendwie mit am Tisch mit einer Flasche Bier in der Hand und schüttelt permanent den Kopf darüber, was die vier Deppen da nur wieder treiben. Aber genau das macht es familiär, greifbar und unterhaltsam und gibt so ein schön kuschliges Gefühl.

Ich hoffe, das war irgendwie gut erklärt XnX

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