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Warum Telefonieren für mich der blanke Horror ist

Das Thema kam für mich wieder auf, als ich aus Scheiß und Langeweile eine Instagram Story verfasst habe und die Analogie zwischen Jerrys panisch verängstigtem Gesicht und meiner Reaktion auf ein klingelndes Telefon hergestellt habe. Oder anders ausgedrückt: Telefonieren ist für mich der blanke Horror. Als ich auf die Story auf Instagram und Twitter die ersten Reaktion erhalten habe, die alle ihrer gnadenlosen Zustimmung freien Lauf ließen, wurde ich nachdenklich.

Man sieht es immer gern in den Medien, Fernsehen, Filmen Zeitschriften, wie jugendliche KIDZ (mit Z) wahnsinig gern an der Strippe hängen – naja, heute ist die Stripper wohl eher Schnee von gestern – und stundenlang telefonieren. Ok, das WiFi-Zeitalter hat Dank Whatsapp & co. die Telefonfunktion des Handys ein wenig sinnlos werden lassen, aber der allgemeine Tonus geht immer noch dahin, dass es nichts tollerererers auf der ganzen Welt gibt, als von der Schule nach Hause zu kommen und am Telefon mit seinen Freunden zu quatschen. Auch in der Erwachsenenwelt wird das gern zelebriert, wenn das private Telefonieren am Arbeitsplatz immer als schlimmes Negativbeispiel für leicht ablenkbare Mitarbeiter hingestellt wird.

Scheinbar ist Telefonieren in der Welt da draußen etwas wirklich fantastisches und jeder, der das nicht gern macht, ist abnormal.

Den Bogen zu meiner Instagram Story spannend, dachte ich nach, ob ich Leute in meinem Freundeskreis hatte, von denen ich wusste, dass sie gern telefonieren. Mir fiel keiner ein. Nicht ein einziger. Ich dachte weiter nach, ob ich irgendwelche Bekannte hatte, auf die das zutreffen könnte. Mir fiel keiner ein. Hatte ich vielleicht Leser oder Kunden, die mal durchblicken ließen… nein… Aber die großen Medienmenschen, große Persönlichkeiten, die ich mag und schätze, ein Gronkh, ein LeFloid, eine Honeyball, ein RBTV Simon Krätschmer… … …

Ich wurde wieder sehr nachdenklich. Selbst die großen Persönlichkeiten, zu denen ich aufsehe und gerade die ich für so „normal“ halte, haben alle irgendwann mal erwähnt, dass sie es hassen zu telefonieren. Floid sagte selbst, dass er niemals ans Handy geht, wenn es klingelt und er die Nummer nicht kennt. Immer wieder berichten Leute davon, dass sie lieber Laufwege, Busstrecken und Tickets in Kauf nehmen, nur um persönlich mit jemandem in einer Filiale zu sprechen, als dort anzurufen.

Wie „abnormal“ ist es eigentlich, diese Art von sozialem Kontakt und Kommunikation zu hassen oder gar zu fürchten?

Ich fürchte mich ebenfalls vorm Telefonieren. Dabei ist es egal, ob ich anrufen muss, oder angerufen werde. Ob ich den Gesprächspartner kenne oder nicht. Ob es eine echte Person ist, mit der ich rede oder eine Bandansage. Lediglich die Intensität der Furcht ist unterschiedlich. Einfach ist es für mich, wenn mich eine bekannte Person von sich aus anruft, meine Mama zum Beispiel. Schwieriger wird es, wenn ich die Person nicht kenne und eine fremde Nummer oder gar keine Nummer auf dem Display erscheint. Noch schrecklicher wird es, wenn ich von mir aus jemanden anrufen muss, den ich nicht kenne, einen Kundenservice, ein Amt oder einen Arzt. Ich kriege die typischen Panikreaktionen: Schweißnasse Hände, Zittern, Stottern, Frieren, erhöhter Puls, trockener Mund, Kloß im Hals, Konzentrationsschwierigkeiten und so weiter. Mit jemandem zu telefonieren ist für mich, wie einem ausgehungerten Löwen gegenüber zu stehen. Oder einer mündlichen Matheprüfung beim strengsten Lehrer. Aber nicht nur Telefonieren mit einem Menschen ist schrecklich. Bandansagen sind ebenfalls furchtbar, weil ich mir unglaublich dumm dabei vorkomme, in den Hörer „BERATUNG“ zu schreien, aber die elektronische Stimme immer noch meint, mich nicht zu verstehen. Und ich hasse die Leute, die die Warteschleife erfunden haben. Es ist ohnehin schon schrecklich genug, sich auf ein Telefonat mental vorzubereiten, aber wenn man in eine Warteschleife gesteckt wird, steht man unter dauerhaftem Strom, weil man nie weiß, wann das Bandgedudel abbricht und man mit einem Menschen sprechen muss. Folter oberster Güte. Am aller schrecklichsten sind Anrufe von mir an offizielle Stelle mit einer Intentionen, die einen ungewissen Ausgang hat. Einen Vertrag per Telefon zu kündigen ist nicht ganz so brutal, wie am Telefon jemanden überzeugen zu müssen, die Kündigung eines Vertrages zu akzeptieren, ohne vorher zu wissen, ob das klappt oder nicht.

Jeder schlaue Psychologe hätte sicher eine Erklärung dafür, warum es manchen Menschen so viel Angst einjagt, telefonieren zu müssen. Ich will hier auch keine fachpsychologischen Zoten quackern. Mir ist eben nur aufgefallen, dass es zumindest in meinem Wirkungskreis gar nicht so „abnormal“ ist, das Telefon zu fürchten. Es ist normaler, als es zu lieben.

Wie geht es euch damit? Seid ihr auch Telefon-Angsthasen so wie ich? Wie geht es euch in so einer Situation? Oder liebt ihr Telefonieren und könntet das den ganzen Tag tun? Oder ist es euch so egal, dass ihr nie einen Gedanken daran verschwendet habt.

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Lasst euch nicht verarschen

()_()
(oo )N
HasiAnn

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Kommentare (2)

  • Avatar

    Muffina

    |

    Hab mich ja auf Instagram schon geäußert. Aber ich habe Ticks beim Telefonieren entwickelt. Zum Beispiel Lauf ich bei einem Telefonat mit Fremden immer Kreise. Telefonier ich mit mir bekannten Leuten, so Lauf ich im Rechteck. Voll merkwürdig.

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      HasiAnn

      |

      Solange es hilft und funktioniert, ist doch prima 😀

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