logo

RPG – Mein Besitz Noel

Akt 1 – Mein Besitz Noel

Ein Schloss in Transilvanien, auf einer Klippe über einem See. Mai, Ende 19. Jahrhundert.

Noel, ein etwa 17-jähriger Junge, mit kurzen, glatten Haaren, in einem schwarzen Anzug und weißem Hemd, arbeitet in der Waschküche, wäscht einen ganzen Stapel Klamotten, der mehr zerfetzt ist, als dreckig. Er hört Leon im oberen Stockwerk im Musikzimmer Geige spielen. Er hat die Tür nur angelehnt. Leon, ein großgewachsener junger Mann, mit langen schwarzen, zu einem lockeren Zopf geflochtenen Haaren, in legerem Outfit, gehört das Schloss.

Noel ist damit beschäftigt, neben seiner Tätigkeit lauthals zu nörgeln. Der Türklopfer am Haupteingang wird betätigt. Sein Klopfen hallt durchs ganze Schloss. Da es zu Noels Aufgaben gehört, öffnet er die Tür und steht mit geweiteten Augen einem kopflosen Boten gegenüber. Der Bote gibt dem Jungen einen mit rotem Wachs versiegelten Brief und verlässt wortlos das Anwesen. Verwirrt aber keines wegs ängstlich nimmt Noel den Brief entgegen, schließt die Tür, geht die Stufen in den nächsten Stock nach oben und klopft an die Tür vom Musikzimmer.
Noel: Le-Leon…?
Leon: Was gibt es?
Noel: Gerade ist das hier angekommen.

Leon öffnet, nimmt den Brief entgegen, löst das Wachssiegel und seine bisher ernste Mine heitert sich sichtlich auf.
Leon: Ah…
Noel: Hm? Was?
Leon: Eine Einladung zum Ball der Walpurgisnacht.
Noel: Was ist das?
Leon: Der Höhepunkt des Okkultismus in diesem Land.
Noel: Aha?
Leon: Der wichtigste Ball des Jahres für Wesen wie mich.
Noel: F-für Dämonen? Hatte deswegen der Bote keinen Kopf?!
Leon: Habt ihr Lust mich zu begleiten, Jeune Comte?
Noel: Lust? Steht doch im Arbeitsvertrag. Ich bin verpflichtet, dich auf Veranstaltungen zu begleiten.

Es ist kurz still zwischen beiden. Verhaltene, teils getroffene Blicke werden ausgetauscht und ein leichtes, unnahbares Räuspern ist zu hören.
Leon: …Nun gut. Dann bist du für den Rest des Tages von deinen Arbeitspflichten befreit. Bitte kümmer dich um Festtagskleidung.

Noel geht in sein eigenes kleines Zimmer, nicht weit vom Musikzimmer entfernt, öffnet den Schrank und nimmt ein langes, dunkelblaues Ballkleid heraus. Er zieht es sich an, merkt aber schnell, dass er es nicht allein schafft, die Schnürung am Rücken zuzuschnüren. Er flucht einen Moment über den Schneider dieses Kleides, geht dann zurück zum Musikzimmer. Leon öffnet. Obwohl er nicht in seinem privaten Zimmer war, hat er neue Sachen an. Er trägt einen blutroten, eng geschnittenen Frack, darunter ein enges schwarzes Hemd. Noel bestaunt einige Momente diesen Anblick, bevor er sich wieder fängt, da er merkt, dass Leon noch immer wütend auf ihn zu sein scheint.
Noel: Ka-kannst du mir bitte helfen und das Kleid hinten zuschnüren?
Leon: Dreh dich bitte um.

Noel dreht sich um. Leon schnürt das Kleid viel zu eng, sodass Noel kaum atmen kann.
Noel: Nhhh *nicht so fest*
Leon: Habt ihr euch schon Gedanken über den Schmuck gemacht, Jeune Comte?
Noel: N-nein… Ich hab‘ für sowas kein echtes Gespür. Ich dachte, so wäre es ok

Wortlos legt Leon Noel ein Kropfband mit einem eingefassten Rubin um den Hals, kniet sich noch einmal vor den Jungen und richtet das Kleid an einigen Stellen.
Leon: Tragt ihr auch Schuhe die zum Tanzen geeignet sind?
Noel: Ich weiß nicht.

Noel hebt das Kleid und zeigt seine schwarzen, leicht hochhackigen Stiefel seiner Arbeitsuniform, die weder zum Kleid passen, noch zum Tanzen geeignet sind.
Leon: Könnt ihr darin denn tanzen?
Noel: *ich kann auch ohne Schuhe nicht tanzen* Ja.

Leon steckt Noel noch einen kleinen, zum Kleid passenden Zylinder ins Haar, an dem zwei Rabenfedern befestigt sind.
Noel: Rabenfedern? *die piecksen*
Leon: Ja… das zeigt dass ihr zu mir gehört. Herrenlose Dismentis sind auf dem Ball wie Snacks auf einem All-you-can-eat-Buffet.

Noel nickt stumm.
Leon: Da das Kleid schulterlos ist, schlage ich lange Handschuhe vor.
Noel: Gut…

Leon zieht Noel lange Handschuhe an. Beide verlassen das Schloss und gehen auf eine reiterlose Kutsche zu.
Noel: Leon… warte…
Leon: Was ist?
Noel: Ähm…. Gefall ich dir…?
Leon: Natürlich, Jeune Comte.

Ein kleines Lächeln wird zwischen beiden ausgetauscht, was als stilles Friedensangebot wahrgenommen wird. Leon hilft Noel in die Kutsche. Sie fahren recht lang und halten vor einem großen Anwesen neben einem Friedhof, das alt und verlassen wirkt. Keine Menschenseele ist zu sehen. Noel knibbelt nervös an seinen Handschuhen.
Noel: *Friedhof… passt ja…* Bist du sicher, dass wir hier richtig sind?
Leon: Sicherlich.

Als Noel aus der Kutsche steigt, verheddert er sich in seinem Kleid. Leon kann ihn gerade so noch halten und hilft ihm schmunzelnd wieder auf die Füße.
Noel: Herr Gott, nochmal!
Leon: Nicht fluchen.
Noel: Von Sanierung haben die hier aber auch noch nie was gehört…

Sie laufen über einen halb verwilderten kleinen Pfad und treten in das Anwesen ein, als sich die morsche Tür von selbst öffnet. Einen kurzen Gang entfernt, hinter einer kaputten, alten Flügeltür liegt ein prächtiger und dennoch dunkler Saal mit tausend brennenden Kerzen in den Krohnleuchtern. Jede Menge zwielichtige Gestalten füllen den Saal, reden, essen oder starren. Es spielt klassische Musik von einem nicht sichtbaren Orchester.
Noel: Hier isses ja saukalt drin…
Leon: Kein Wunder… Wenn ihr wollt können wir tanzen… das wärmt euch sicher auf…
Noel: Wie du meinst.

Mit einem umwerfenden Lächeln zieht Leon Noel zu sich. Sie fangen an zu tanzen. Noel versucht vergebens ein Lächeln und seine geröteten Wangen zu unterdrücken. Es ist nicht geschickt, so offen Gefühle gegenüber seinem Meister zu zeigen, schon gar nicht, nach seinem Streit. Doch sein Blick schweift auch im Saal herum. Zwischen den Gestalten entdeckt er immer wieder kleine Kinder, meist jünger als er selbst. Sie wirken nicht sehr lebendig, eher paralysiert, aphatisch. Dezenter Gebruch von Blut ist wahrnehmbar. Leon bemerkt den eingeschüchterten Blick Noels.
Noel: Warum sind hier so viele Kinder?
Leon: Hm… wahrscheinlich Dismentis.
Noel: …
Leon: Keine Angst… Euch wird das nie wiederfahren…

Leon dreht Noels Gesicht sanft zu ihm, gibt ihm einen leichten Kuss. Noel lehnt sich an sein Gegenüber, drückt sich an ihn. Leon versteht sofort, aber hält den jüngeren lächelnd zurück.
Leon: Oya. Aber doch nicht hier. Obwohl es hier sicherlich nicht auffallen würde, es ist einfach nicht meine Art.
Noel: Bist doch ein Gentelman.
Leon: Ich weiß…
Gabriel: MICHAEEEEEEEELLLLLLLLLLLLLL!

Gabriel, ein junger Mann, mit langen schwarzen, glatten Haaren und Leons Gesichtszügen kommt durch den Saal gestürzt und springt direkt auf Leon zu, schubbst Noel bei Seite, wobei dieser umfällt, reißt Leon zu Boden und drückt seine Lippen überglücklich auf Leons. In einem leidenschaftlichen Kuss drängt Gabriel seine Zunge sofort in den Mund seines Gegenübers und umarmt ihn so fest, dass dieser sich kaum bewegen kann. Noel steht der Mund offen.
Noel: wa-…. was zum-…….
Leon: G-Gabriel.
Gabriel: Michael!! Ich dachte, du würdest nie mehr zurückkommen! Och Mann!!! Wie viele Jahre ist das schon her?
Leon: 46 um genau zu sein.
Gabriel: Das ist egal!

Gabriel küsst Leon wieder, drückt seinen Kopf fest an den eigenen, doch Leon drückt ihn mit sanfter Gewalt von sich und steht wieder auf, hilft auch Noel auf die Beine.
Gabriel: Ich bin so froooooooooooohhhhhhhhhh!
Leon: Gabriel, bitte. Ich bin in Begleitung hier.
Gabriel: Hm? Wer ist das?
Noel: Wer ist das?
Leon: Sein Name ist Noel Pierrot L´âme.
Gabriel: Ah, verstehe. Dein Dismentis. Sie ist hübsch.
Noel: Sie? Dismentis?
Leon: Jeune Comte. Darf ich vorstellen. Das ist mein Zwillungsbruder, Gabriel.

Noels Augen werden riesige und seine Kinnlade fliegt auf den polierten Boden, untermalt von Gabriels breitem Grinsen.
Noel: Bruder? Zwillingsbruder?
Gabriel: Der ältere, um genau zu sein. Ich wurde zwei Sekunden vor Michael geboren.
Leon: Das heißt nicht dass er automatisch der Stärkere ist.

Gabriel zieht einen Flunsch.
Gabriel: Ja… Leider war der große Michael immer der Stärkere. Aber…

Gabriel grinst wieder breit und spielt an Michaels Hose herum.
Gabriel: Ich hab‘ genug von dir nachgeliefert bekommen.

Noels Eifersucht wurde von Leons resigniertem Seufzen begleitet.
Noel: WIE BITTE?
Leon: Gabriel, bitte!
Gabriel: Was denn?
Leon: Jeune Comte, bitte! Benehmt euch. Beide.
Gabriel: Können wir das nicht wiederholen? Ich bin besser im Bett geworden. Komm schon… Wir hatten schon so lange keinen Sex mehr.
Leon: Auf keinen Fall, Gabriel. Ich habe mich verändert.
Noel: LEON!! Was geht hier eigentlich vor?!
Leon: Verzeiht, mein Bruder ist ein wenig… eigensinnig.
Gabriel: Wieso nennt er dich Leon?
Leon: Ich hatte einen Teufelspackt mit ihm und er hat mir den Namen Leon gegeben.
Gabriel: Und wieso erhebt er seine Stimme in Gegenwart seines Meisters?

Es ist einen Augenblick still zwischen den Dreien. Gabriels finsterer und verständnisloser Blick ist gegen Noel gerichtet.
Gabriel: Du scheinst dein Dismentis nicht gut erzogen zu haben, wie mir scheint. Meins ist da viel gehorsamer.
Leon: Du hast ein Dismentis…?
Gabriel: Ja, etwa so groß, mit hellen Haaren.
Leon: Meinst du das dort?

In der Dunkelheit das Saales sitzt reglos ein Junge mit hellen Haaren, mit dem Rücken zur Wand gelehnt. Direkt über seinem Kopf eine Spur aus Blut. Gabriel verzieht das Gesicht.
Gabriel: Verdammt… Er war gut. Aber ich sollte mir merken, Dismentis nicht mehr gegen Wände zu dreschen… Jetzt brauch ich einen neuen…

Gabriel sieht Leon mit großen Augen an.
Gabriel: Krieg ich deinen?
Leon: Keinesfalls.

Gabriel zieht Noel demonstrativ am Arm zu sich.
Gabriel: Och komm schon. Sei nich so. Ich mach sie auch nicht kaputt. Sie ist doch so hübsch.

Leon wird sichtlich wütend. Seine Augen fangen an zu leuchten und seine dunkle Aura wird sichtbar.
Leon: Gabriel. Lass ihn los!

Als Gabriel sich nicht rührt, stattdessen unter Noels Kleid an dessen Oberschenkel fasst, packt Leon seinen Bruder an der Schulter und zieht ihn in einem Ruck von dem zitternden Noel weg.
Leon: Ich sag es nicht noch einmal.
Gabriel: Au! Hey, warum denn so patzig!
Leon: Weil er mir gehört.
Noel: Leon….

Gabriel sieht Leon mit überraschten Augen an. Leon hebt den verstörten Noel auf seine Arme. Als Gabriel die tiefere Bindung zwischen den beiden bewusst wird, wird sein Blick verständnislos.
Gabriel: Du wolltest schon früher nie teilen.
Leon: Fass ihn nicht nochmal an.
Gabriel: Jaja, hab‘ schon verstanden. Sag mal, wohnst du hier in der Nähe?
Leon: W-…wozu willst du das wissen?
Gabriel: Ich wollte dich mal besuchen kommen. Zuhause lässt du dich ja gar nicht mehr blicken.
Leon: Ich wohne ganz weit weg…
Gabriel: Nur auf ein kleines Nümmerchen. Oder ein großes. Ich weiß doch, was für ein Durchhaltevermögen du hast.
Leon: Du bist nach wie vor so geschmacklos, Bruderherz.
Gabriel: Ich wundere mich, dass du es nicht mehr bist, Bruderherz. Du hast sowas doch früher genossen. Du hast jede Nacht, die wir verbracht haben, laut geschrien.
Leon: Wie ich bereits sagte, ich habe mich geändert.
Gabriel: Wiesooooooo? Du warst mal sooooooo cool!

Leon streichelt leicht über Noels Wange, der immer angespannter und nervöser wurde.
Leon: Wegen ihm. Und das war gut so.
Gabriel: Wie bitte?! Wegen einem Dismentis?!
Leon: Es gab Zeiten, da war er mein Meister.
Gabriel: Das sieht dir gar nicht ähnlich. Seit wann unterwirfst du dich?
Leon: Weißt du noch warum ich Gehenna verlassen habe?
Noel: Woher soll ich das wissen? Du bist nach Vaters Tod ohne ein Wort gegangen. Ich hab‘ deinen verdammten Penis vermisst!
Leon: …wie schade für dich.

Da Noel sich nicht zu beruhigen scheint, entscheidet Leon, dass es Zeit ist, aufzubrechen, was Gabriel sichtlich wütend werden lässt.
Leon: Nun. War schön dich mal wieder zu sehen, Gabriel.
Gabriel: Hey!!! Du kannst doch nich schon wieder abhaun!
Leon: Warum nicht?
Gabriel: Mann! Ich dachte wir machen was schönes zusammen. Nur du und ich. Vielleicht auch mit deinem Dismentis. Wir können ihn ja zusammen haben.

Leon antwortet zuerst mit Schweigen und einer hochgezogenen Augenbraue.
Leon: N
Leon: I
Leon: E
Leon: M
Leon: A
Leon: L
Leon: S

Noel zuckt fast unmerklich zusammen. Was aber zu merken ist, er kühlt deutlich aus und seine Stimme ist nur noch ein eingeschüchtertes Wimmern.
Noel: Ich will weg von hier….
Leon: Ich werde jetzt gehen, Gabriel.

Noel nicht von seinen Armen lassend, geht Leon zum Ausgang des Saals, lässt Gabriel verdutzt allein stehen. Doch dieser, noch einige Augenblicke der Realisations brauchend, nimmt diese Abfuhr nicht hin.
Gabriel: Michael! Komm schon! IS‘ DIR DIESES DISMENTIS WICHTIGER ALS DEIN EIGENER BRUDER?

Gabriels Worte hallen durch den Saal. Leon bleibt stehen. Schweigt einen Moment. Dreht sich dann zu Gabriel um, lächelt kurz und verlässt den Saal. Gabriels Gesicht verzieht sich in Zorn. Die schweren Samtvorhänge vor den Fenstern gehen in Flammen auf, was aber niemanden im Saal zu stören scheint.

Noel sitzt zitternd in der Kutsche, schweigt und ist den Tränen nah. Leon bemerkt dies und streichelt Noel leicht, immer mit gebührendem Abstand, über den Kopf.
Leon: Verzeihung…
Noel: Bin… Bin ich dein Dismentis?…
Leon: Nein.

Er nimmt Noels Gesicht liebevoll in die Hände.
Leon: Nein… Ich liebe euch…
Noel: Warum hat er mich dann die ganze Zeit so genannt?
Leon: Weil ihr in seinen Augen nur ein Dismentis seid. Ich sagte es gestern. Ihr genießt bei mir Privilegien die kein anderer in so einer Situation hätte. Jedes schwache Wesen an der Seite eines Dämons wird in erster Linie als Dismentis wahrgenommen.
Noel: Dann-…. Wenn… Wenn ich wirklich dein Dismentis wäre… würdest du mich auch austauschen… wie ich die Katze austauschen wollte?
Leon: Das würden die meisten Dämonen tun. Aber ihr seid nicht mein Dismentis. Ihr werdet es nie sein. Das wisst ihr doch…

Noel setzt sich auf die Bank, auf der auch Leon sitzt und drückt sich leicht an ihn, welcher wiederum seinen Arm um den Jungen legt.
Noel: Danke… Hat dieser Typ… dich schon mal angefasst?

Leon seufzt tief und resigniert.
Leon: Ja.
Noel: Wie?
Leon: Auf jede Art die ihr euch vorstellen könnt.
Noel: Hat er dir weh getan?
Leon: Nein.
Noel: Hatte er Spaß mit dir?
Leon: Ja.
Noel: Lagst…. ähm… lagst du… oben… oder er?
Leon: Das war unterschiedlich.

Es ist einen Augenblick still zwischen beiden.
Leon: Aber das ist schon lange her.
Noel: Liebst du ihn?
Leon: Nein. Nicht im Geringsten.
Noel: Aber es hat den Anschein gemacht, als liebte er dich… Zumindest wollte er mit dir… also…
Leon: Das ist nicht selten unter Dämonengeschwistern, Jeune Comte. Eigentlich ist es Gang und Gäbe.
Noel: Er hat diesen kleinen Jungen einfach–…
Leon: Leider hat Gabriel noch nicht so viel Verstand, um zu wissen, dass das Leben nicht nur aus Macht und Unterdrückung besteht.
Noel: Ja… das hat er definitiv nicht… Ich mag Gabriel nicht.

Leon schmunzelt ein wenig.
Leon: Ich auch nicht sonderlich.
Noel: Er ist dein Bruder.
Leon: Ja. Aber Mittlerweile habe ich mich weiter entwickelt. Und ich sehe, was für eine grenzenlose Dummheit er an den Tag legt.

Noel nickt erschöpft.
Noel: Ich will ins Bett…

Leon gibt Noel einen liebevollen Kuss, lächelt dennoch zweideutig, woraufhin Noel große Augen macht.
Leon: Oui, Mon Maître.
Noel: Le-…
Leon: Nein?
Noel: Es ist ewig her, dass du das zu mir gesagt hast.
Leon: Lasst es mich ab und zu tun…
Noel: Selbst in diesem Kleid?!

Leon grinst breit.
Leon: Oui, Mon Maîtresse…
Noel: Gaaaarrrggg! Geht’s eigentlich noch, verd—
Leon: Nicht fluchen, Jeune Comtesse.

Noel holt aus und patscht mit seiner zierlichen Hand an Leons Jackett herum, in der Hoffnung, ihm damit irgendwie weh zu tun. Leon lacht nur amüsiert, über die emsigen Bemühungen. Als die Kutsche hält, hebt Leon Noel hinaus und trägt ihn ins Schloss, den noch immer zeternden Jungen küssend. Er öffnet die Tür und sowohl seine als auch Noels Kinnladen gehen gegen Boden.
Gabriel: Hallo Michael.

Gabriel steht überglücklich lächelnd im Eingangssaal, hinter ihm eine Blutspur, die an einem, in der Dunkelheit sitzenden Etwas endet.
Leon: Wa-
Noel: Wa-
Leon: Gabriel!! Was machst du hier?!
Gabriel: Ich besuch dich, kleiner Bruder.

Das Etwas in der Dunkelheit wird langsam erkennbar als kleiner Junge, mit weißen, unfassbar lockigen Haaren und zerrissener, schmutziger Kleidung, der zitternd auf dem Marmorboden hockt. Leon seufzt und verkneift es sich, seine Schläfen zu reiben. Gabriel hingegen sieht seinen Bruder weiterhin glücklich und erwartungsvoll an.
Leon: Warte im Salon auf mich.
Gabriel: Begrüßt man so seinen Besuch?
Leon: Warte im Salon!
Gabriel: Jaja. Wo ist der?
Leon: Die Treppe hoch, die Tür gleich daneben.

Gabriel zieht den weißhaarigen Jungen auf die Beine und die Treppen nach oben. Leon setzt den völlig erschrockenen und leicht zitternden Noel ab.
Noel: Was war das?! Wieso ist der hier?!
Leon: Das meinte ich mit grenzenloser Dummheit. Jeune Comte. Er hat keinen Respekt vorm Leben. Ihr müsst euch… so hässlich wie möglich in seiner Gegenwart herrichten.
Noel: Hässlich?
Leon: Ihr müsst dafür sorgen, dass er euch nicht hübsch findet. Dann verliert er das Interesse. Eine Maske oder sowas–

Noel zuckt merklich zusammen und sein erschrockener Gesichtsausdruck ändert sich binnen Sekunden zu einem panischen. Leon bemerkt sofort, was er unbeabsichtig ausgesprochen hatte und streichelt beruhigend Noels Hinterkopf, nimmt ihn schließlich ganz in den Arm.
Leon: Nein- Nicht so eine- Keine Maske…
Noel: Ich will nicht…
Leon: Shh… Jeune Comte…
Leon: Dann werde ich euch beschützen…

Leon hebt das Gesicht Noels leicht an, sieht ihm in die Augen und spricht sehr leise.
Leon: Geht in die Bibliothek. Nehmt das Buch „Prometheus Jars“ aus dem dritten Regal von links. Schlagt Seite 207 auf. Nehmt euch Kreide aus dem Arbeitszimmer, ihr wisst, wo sie steht. Geht in mein Schlafzimmer und zeichnet das Symbol von Seite 207 vor die Tür und das Fenster auf den Boden. Dann kann niemand das Zimmer ohne eure Erlaubnis betreten und ihr könnt in Ruhe schlafen.
Noel: …
Leon: Ich will nur sicher gehen, dass er euch nichts antun kann.
Noel: Gut…

Noel geht zur Treppe, dreht sich noch einmal nach Leon um, als ob er Gewissheit wollte, dass er noch da ist. Leon versucht beruhigend zu lächeln, trotz dem dass ihm selbst nicht klar ist, wie die weitere Nacht verlaufen wird. Noel rennt in die Bibliothek und tut, was ihm gesagt wurde. Leon hingegen geht die Treppe in die andere Richtung hinauf und betritt den Salon. Gabriel sitzt dort ausgebreitet auf einem Sofa. Der weißhaarige Junge sitzt so weit in der Sofaecke, dass man ihn mit einem Kissen hätte verwechseln können, würden sich unter ihm nicht kleine Blutflecken verteilen. Der Junge zittert und versucht dabei, kein Geräusch von sich zu geben. Leon setzt sich auf einen Sessel, der neben dem Sofa steht. Er schweigt erst einige Augenblick und sieht Gabriel finster an.
Leon: Könntest du das in meinem Haus bitte unterlassen?
Gabriel: So lässt du deine Gäste also warten.
Leon: Und du hast keine Ahnung, wie man sich gegenüber dem Gastgeber benimmt.
Gabriel: Na und wenn schon.
Leon: Und du wunderst dich, warum deine Dismentis so schnell kaputt gehen.
Gabriel: Ich weiß halt, was ich will. Verschleiß ist vorprogrammiert.
Leon: Hm.
Gabriel: Scheint bei deinem Dismentis ja nich‘ so zu sein.

Leon sieht zu dem Jungen und reibt sich lächelnd ein wenig das Kinn.
Leon: Wenn er eh nicht lange hält… Darf ich ihn mir heute Nacht ausleihen?
Gabriel: Najaaaaaaaaaaaa… Du wolltest auch nich teilen. Ich tausche höchstens.
Leon: Tauschst du auch gegen einen Kuss?

Gabriels Augen werden groß, aber gleichzeitig vermutet er doch einen Schmu.
Gabriel: Ich kenne dich. Was für ein Kuss? Und red dich ja nicht raus.
Leon: Mit allem drum und dran.

Gabriel überlegt und sieht kritisch zu dem Jungen.
Gabriel: Hm… Ich weiß nich… Kuro ist ziemlich gut, musst du wissen. Ich weiß nicht, ob ein Kuss dagegen eine gute Bezahlung ist.
Leon: Nur eine Nacht. Acht Stunden.
Gabriel: Hn… Na gut… Einverstanden.
Leon: Ich werde… dafür auch bei dir übernachten. Morgen.
Gabriel: Jaaaaaaa! Ich schwör dir, das bereust du nicht!
Leon: Schon gut. Und jetzt gib ihn mir.

Gabriel packt Kuro am Hals, zieht ihn nah zu sich und sieht ihm direkt in seine schwarzbraunen, tränenreichen Augen. Kuro zittert und unterdrückt ein Wimmern.
Gabriel: Das ist Michael. Er ist für die nächsten acht Stunden dein Besitzer. Verstanden?!

Kuro nickt schnell. Gabriel schubbst ihn Leon in die Arme.
Gabriel: Viel Spaß damit. Mach ihn nach Möglichkeit nicht zu kaputt.
Leon: Danke. Gute Nacht, Gabriel. Ein Gästezimmer für dich ist im zweiten Stock.
Gabriel: Hey, warte mal!
Leon: Hm?
Gabriel: Wo bleibt mein Kuss?
Leon: Ach ja.

01

Leon setzt sich auf Gabriels Schoß, küsst ihn sehr langsam, dafür sehr lange. Was Leon nicht sieht, ist, dass Noel in diesem Moment an der offenen Tür vorbei läuft, sich darüber beschwerend, dass die Kreide nicht wie gewohnt in Leons Arbeitszimmer ist. Nun sieht er den Kuss zwischen Gabriel und Leon. Mit gesenktem Blick und blasser Mine entfernt er sich von der Tür. Minutenlang dauert der Kuss, bis Leon ihn beendet.
Gabriel: Wow. Michael! Du meine Güte.
Leon: Hm?
Gabriel: So warst du doch damals nich‘ drauf. Du hast noch nie mit so viel Leidenschaft geküsst. Das Dismentis scheint dir wirklich gut getan zu haben.
Leon: Siehst du. Man muss nicht nur alles zerrammeln. Mit ein wenig Geduld wird vieles schöner,
Gabriel: Und du bist dir sicher, dass ich mir den Kleinen nicht mal ausleihen darf?
Leon: Keine Chance.
Gabriel: Na schön. Ganz wie du meinst.
Leon: Also dann… gute Nacht, Bruderherz.
Gabriel: Ich erwarte dich morgen.
Leon: Mgh…ja.

patreon_logo[Kleines Dankeschön für meine Supporter <3]

Gabriel steht zufrieden und vergnügt auf und geht in den zweiten Stock. Leon hebt Kuro auf seine Arme, der gar keine Kraft mehr hat, sich zu wehren und zu verstecken, wie panisch seine Angst mittlerweile geworden ist. Leon bringt ihn zu seinem Schlafzimmer und klopft an die Tür.
Leon: Jeune Comte?
Noel: Ja?
Leon: Darf ich reinkommen?
Noel: Ja…

Noel klingt auffällig schwach, als er dies sagt. Leon öffnet die Tür, tritt ein und legt Kuro in sein Bett. Noel sitzt in der Ecke und umklammert das Buch „Prometheus Jars“. Leon geht zu ihm hinüber und kniet sich auf den Teppich. Noel vermeidet jeden Blickkontakt.
Leon: Wollt ihr nicht schlafen?
Noel: …
Leon: Warum?
Noel: …
Leon: Stört es euch, wenn Kuro heute mit hier schläft?

Noel schüttelt den Kopf.
Leon: Danke.
Noel: Aber mich stört es, wenn du heute hier schläfst!
Leon: …was?
Noel: Du hast schon richtig gehört.
Leon: Weshalb?
Noel: Oder willst du dich vorher an dem Jungen noch vergehen?
Leon: Wie bitte??
Noel: Dir ist es offensichtlich egal, an wen du dich ranmachst.

Leon wird sichtbar wütend. Noel sieht ihn weiterhin nicht an und spricht nur leise.
Leon: Was?!
Noel: Hau ab.
Leon: Ich kann hier tun und lassen was ich will, Jeune Comte.
Noel: Das merke ich.
Leon: Warum seid ihr so undankbar?
Noel: Warum sollte ich dankbar für etwas sein… was sowieso nicht nur mir vorbehalten ist?
Leon: …oh ja. Vielleicht wäre es euch lieber, ich würde euch so behandeln wie Gabriel es mit seinen Besitztümern tut.

Noel zuckt zusammen und vergräbt seinen Kopf in seinen Armen. Die Ansage kam deutlich an.
Noel: Du hast ihn geküsst.
Leon: Das war, weil ich den Junge in Sicherheit bringen wollte.
Noel: Fällt dir keine bessere Ausrede ein? Ihr Dämonen seid alle gleich.
Leon: Es ist die Wahrheit.
Noel: Ich wollte der Einzige für dich sein.
Leon: Ihr seid der Einzige.
Noel: So, wie du deinen Bruder geküsst hast… Es tut weh…
Leon: Das hatte nichts zu bedeuten.

Leon hebt Noel hoch, trägt ihn durchs Zimmer und setzt ihn auf dem Bett ab.
Noel: Oui, Mon Maître….

Leon kniet sich vor das Bett, um Noel in die Augen sehen zu können.
Leon: Ich bin nicht dein Meister. Ich bin Leon…
Noel: …
Leon: Jeune Comte…

Noel sieht nur schweigend auf seine Knie. Es ist still im Zimmer. Leon will Noels Gesicht in die Hände nehmen, doch dieser zuckt sofort zurück, weniger aus Abscheu, als viel mehr aus Angst. Leon steht auf und geht zur Tür.
Leon: Bitte gebt dem Jungen etwas zum Anziehen.
Noel: …
Leon: Gute Nacht…
Noel: …

Leon verlässt das Zimmer und schließt hinter sich die Tür, die Noel nun traurig ansieht.
Noel: Oui, Mon Maître….

04kmw

 

Noel sieht zu Kuro, der weinend und zitternd in Leons Bett liegt. Er steht auf, geht zum großen Rosenholzschrank, holt eines von Leons weißen Hemden heraus und will es Kuro anziehen. Der kleine Junge schreit schwach auf, bewegt sich leicht, wodurch seine Blutergüsse sichtbar werden. Noel sieht nur das Häufchen Ehlend vor sich liegen und schaut ein wenig hilflos drein, zieht ihm dann unbeholfen die schmutzige, zerrissene Kleidung aus, das frische Hemd über und eine kurze Hose an, traut sich aber nicht, den kleinen Jungen dabei gänzlich anzuschauen. Er legt Kuro wieder zurück in die Kissen und setzt sich neben ihn, sieht ihn unschlüssig an. Es vergehen einige Minuten, in denen Noel mit seinem Mitgefühl hadert. Er legt zögerlich seine Hand auf Kuros Kopf, streichelt leicht durch die filzigen weißen Haare. Kuro zuckt erst einmal zurück, wimmert leise auf.
Noel: Was hat er mit dir nur gemacht…?

Kuro fängt bitterlich an zu weinen, wimmert und zittert. Ohne zu denken nimmt Noel ihn in den Arm.
Noel: Sshhh….
Kuro: …n…
Noel: Schon gut. Ich tu dir nichts. Mein Name ist Noel.

Nach ein paar Momenten klammert sich Kuro an den Älteren, welcher die Decke um Kuros Schultern legt und ihn leicht in den Armen wiegt.
Kuro: …Er…
Noel: Er…?
Kuro: …D…dieser…Mann… …der…vorhin…h-hier war…
Noel: Leon? Was ist mit ihm?
Kuro: …Er… h-hat… …mir…das Leben… gerettet…
Noel: Was…?
Kuro: …Ich…hatte…Angst vor ihm… anfangs…
Noel: Was hat er denn gemacht?
Kuro: …Er…hat…mit dem anderen darüber geredet…ob… er mich…für diese Nacht… „ausleihen“ kann…
Noel: Ausleihen????

Noel denkt in diesem Moment an etwas völlig anderes, als Kuro meint und wird ärgerlich. Doch das erneute Weinen des Jungen in seinem Armen reißt ihn aus seinen Gedanken.
Kuro: …Ich hatte Angst… dass…er mit mir auch so schreckliche… Dinge macht… …aber er hat mich nur… hierher gebracht… damit ich in Sicherheit bin…!
Noel: Das war also alles nur Show… …und ich hab‘ ihn angeschrien…

Noel seufzte, glaubte dem Jungen und wurde sich seiner Schuld erst jetzt bewusst.
Noel: Hast du Schmerzen?
Kuro: J-ja…
Noel: Wo?

Kuro deutet auf seinen Rücken.
Kuro: …H-hier…ist es am schlimmsten…
Noel: Ich kenn das. Warte…

Noel legt den Jungen zurück aufs Bett, öffnet die Schublade einer Komode und kramt ein kleines Döschen hervor, geht dann zurück zu Kuro.
Kuro: …M…macht… er das auch mit d-dir…? Besitzt… er dich?
Noel: Ähm… Mich? Ja, an sich schon. Aber er tut mir nicht weh.

Kuro schweigt. Er scheint verwirrt und nachdenklich, fast schon abgelenkt von seinen Schmerzen.
Noel: Leon hat mir erklärt, was du bist.
Kuro: …Was…bin ich denn…?

Noel schlägt die Decke zurück und will Kuros Hemd hochziehen. Kuro zuckt sofort zusammen.
Kuro: Was- N-nein!

Erschrocken nimmt Noel sofort die Hand zurück, als er merkt, dass Kuro das falsch verstehen könnte.
Noel: Tut mir leid!!!!

Eingeschüchtert zieht Kuro die Beine an und igelt sich in die Decke.
Noel: Es… ich mach nichts Schlimmes… Ich versprech’s dir. Ich will dir nur helfen.

Kuro sieht Noel in seine blauen Augen und vertraut ihm, trotzallem, was passiert war.
Kuro: …o… …okay…
Noel: Ich hab‘ hier was, womit die Schmerzen aufhören. Ich werd‘ jetzt dein Hemd ausziehen, ok?
Kuro: …o-okay…
Noel: Nur ganz kurz. Ist gleich vorbei.

Kuro nickt noch etwas unsicher. Noel legt seine Hand wieder an das weiße Hemd und zieht es vorsichtig nach oben, wobei tiefe, blutige Kratzspuren auf Kuros Rücken zu Tage gefördert werden. An eigene grausige Ereignisse erinnert, schluckt Noel seine eigene Angst herunter, schraubt das Döschen auf und schmiert sich ein wenig der nach Aloe riechenden Salbe an die Finger.
Noel: Ich glaube, das könnte jetzt im ersten Moment etwas weh tun, aber es wird danach wirklich besser sein.

Kuro kneift die Augen zu und nickt in der Hoffnung, dass alles schnell vorbei ist. Schon die erste Berührung von Noels Finger an Kuros Rücken lässt den Jüngeren zusammenfahren.
Kuro: Nhhh- au…!
Noel: Sshh…. Tut mir leid…

Noel wartet einen Augenblick, streichelt fast unbewusst ein wenig über Kuros Schultern. Erst als Kuro sich zumindest ein wenig entspannt, verteilt Noel langsam und vorsichtig die Salbe auf Kuros Rücken, immer wieder begleitet von kurzem Zucken und leisem Wimmern. Nach einigen Minuten schließt Noel das Döschen, zieht Kuro das Hemd vernünftig an und legt ihn zurück ins Bett.
Noel: Wird es besser?
Kuro: …e-ein wenig… Dan… …danke…
Noel: Schon ok… Ich hatte einen guten Lehrmeister…

Noel legt sich zu Kuro, zieht die schwere Daunendecke über sich und ihn. Es wird still im Zimmer. Es ist deutlich zu sehen, wie erschöpft Kuro ist. Er schließt müde die Augen, ein kleines Tränchen noch verdrückend.
Noel: Hier passiert dir nichts…
Kuro: …heute Nacht nicht…

Kuro fängt wieder an zu zittern.
Kuro: …Er wird mich töten…
Noel: Ich werde dafür sorgen, dass dich Gabriel nicht mehr in die Finger bekommt. Ich lass es nicht zu. Er hat keinen Respekt vorm Leben.
Kuro: …I…ist das…überhaupt ein Mensch…?

Noel sieht verwundert auf den Jungen, der mit großen schwarzbraunen Augen zurückschaut und die Frage völlig ernst meint.
Noel: Du-…. du glaubst, er ist ein Mensch?
Kuro: …Ich weiß es nicht…
Noel: Er ist ein Monster…
Kuro: …Monster…?
Noel: Wer so mit Menschen umgeht, kann nur ein Monster sein. Dafür verdient er den Tod.

Noel ist gar nicht klar, dass Kuro diesen eher metaphorischen Vergleich genauso ernst nimmt. Der Kleine rutsch zu Noel, sucht Schutz in seinen Armen, was den Älteren erstmal ein wenig überrascht, gab es doch sonst nie jemanden in seinem Leben, der ihm vertraute, schon gar nicht in den ersten Minuten des Kennenlernens. Seine Wangen röten sich ein wenig, doch im nächsten Augenblick fängt Kuro wieder an zu weinen, weshalb Noel ihn in die Arme schließt.
Kuro: …Mach, dass er weggeht, Njelnitschka…
Noel: Öh… …das werd‘ ich…

Es vergehen einige Minuten, in denen Noel Kuro streichelt und ein wenig überfordert von so viel Liebe und Vertrauen ist.
Noel: Wie heißt du überhaupt? Heißt du wirklich Kuro?
Kuro: N-nein… er… dieses Monster… sagt nur Kuro…zu mir… aber ich heiße Abel…
Noel: Abel…

Unbewusst schmiegt Abel seinen Kopf an Noels Brust, beruhigt sich ein wenig. Noel gewöhnt sich langsam an den Gedanken, dass er den kleinen Jungen auf eine süße, brüderliche Art zu mögen beginnt. Ein flüchtiger Kuss findet seinen Weg in Abels Haare.
Abel: Wie alt bist du, Njelnitschka?
Noel: Ich bin vor Kurzem 17 geworden.
Noel: Wie alt bis du?
Abel: Zwölf… glaub‘ ich…

Auf Noels Stirn tritt eine Ader hervor, als ihm klar wird, wie niedrig Gabriels Hemmschwelle sein muss, wenn er selbst vor einem so jungen Alter keinen Halt macht. Doch seine Wut wird von Abel unterbrochen, der sich wieder an Noel kuschelt.
Abel: Ich bin müde, Njelnitschka…
Noel: O-ok…
Abel: Aber ich hab‘ Angst, dass er mich holen kommt…
Noel: Du kannst ruhig schlafen. Ich bleib bei dir solange, bis du wieder aufwachst. Er kann hier nicht rein. Ich habe was auf den Boden gemalt, dass ihn-…
Abel: Danke…

patreon_logo[Kleines Dankeschön für meine Supporter <3 Danke, ihr lieben!]

Der halb geflüsterte Dank lässt Noels Gesicht erneut rot werden.
Noel: Äh… gar nichts für…

Es dauert keine paar Minuten da ist Abel in Noels Armen eingeschlafen. Der Ältere sieht ihn noch lange an, kann nicht ganz aufhören, ihn zu streicheln und im Arm zu halten. Irgendetwas ist an diesem kleinen Jungen, das Noel dazu bringt, sein bisher eher egozentrisches Wesen zumindest für den Moment über Bord zu werfen.

Irgendwann ist auch Noel eingeschlafen. Leon klopft am nächsten Tag an die Tür, wovon Noel wach wird. Er hält Abel noch immer im Arm.
Leon: Jeune Comte…? Ich habe Frühstück für euch beide…

Noch etwas verwirrt sieht Noel zur Tür. Abel hingegen wacht ebenfalls auf, als Leon ein zweites Mal klopft. Noel bittet Leon herein, welcher das Zimmer betritt. Er stellt ein Tablett mit Frühstück auf seinen Nachttisch. Noel bemerkt, dass nun auch Abel wach ist und streichelt ihm leicht lächelnd über die Wange, worauf hin ein niedliches aber immer noch müdes Lächeln zurückbekommt.
Noel: Guten morgen… Hast du gut geschlafen?
Abel: Mhm.
Leon: Wie geht es euch? Und…ihm?
Noel: Also… Mir geht es gut… Ich mach mir Sorgen um ihn. Sein Name ist übrigens Abel. Er ist zwölf Jahre alt. Er hatte starke Schmerzen.

Leon stutzt auch ein wenig, als er das Alter hört. Abel sieht den großen Mann mit den schwarzen Haaren an und bemerkt, wie anders als Gabriel er ist. Sieht dann auf das Essen, dann wieder zu Leon, dann wieder aufs Essen, dass wieder zu Leon mit einem fragenden Blick.
Noel: Ich habe versucht, ihm die Schmerzen ein wenig zu nehmen, aber ich glaube, dass er noch andere Verletzungen hat.
Leon: Ich kann versuchen, Gabriel abzulenken… Dann… könnte sich Abel auskurieren. Ich kann euch Verbandszeug bringen.
Noel: Mit… „ablenken“ meinst du…
Leon: …ja. Leider.

Noel seufzt und sieht zu Abel, dem Leon eine Waffel reicht und der nun fröhlich und überglücklich darauf herumkaut.
Noel: Für ihn… …Leon…?
Leon: Ja?
Noel: Das von gestern…. ähm… Ich hätte nicht so schreien dürfen und ich hätte das nicht zu dir sagen dürfen…

Leon lächelt, streichelt Noel über die Wange und küsst ihn liebevoll.
Leon: Ich hoffe ihr könnt mir verzeihen, was ich getan habe.
Noel: Solange die Liebe zu mir aufrichtig ist kannst du tun und lassen, was du willst.
Leon: Ich liebe euch… über alles. Das wisst ihr doch.

Beide tauschen wieder Zärtlichkeiten aus, was Abel mit großen Augen verfolgt.
Leon: Irgendwann wird er das Interesse an Abel verlieren.
Noel: Wann? Wenn er ein neues Dismentis hat?
Leon: Ich weiß es nicht… ja, wahrscheinlich.

Noel neigt überlegend den Kopf und sieht auf Abel. Leon bemerkt die Idee, die in Noel heranreift.
Leon: Jeune Comte? Woran denkt ihr?
Noel: Naja, er hat ja schon Interesse an mir bekundet.
Leon: Nein… dann… wird er solange hierbleiben bis ihr ihm gehört.
Noel: Nur solange, bis Abel in Sicherheit ist. Ich hab‘ ja immer noch meinen eigenen Kopf. Außerdem bin ich dein Eigentum. Du hast mich wieder zum Leben erweckt.
Leon: Tut das nicht… bitte.

Es gibt seltene Momente, in denen Noel Angst in Leons Augen entdecken kann. Dies war soeiner und er lässt Noel sofort zurückrudern.
Noel: Behalten wir es doch wenigstens als letzten Ausweg im Hinterkopf.
Leon: Ja…
Noel: Gut… Geh, bevor Gabriel ungeduldig wird.

Leon nickt, erinnert Noel noch einmal an den Essensvorrat in der untersten Schublade der Komode, küsst ihn liebevoll und verlässt das Zimmer. Noel sieht kurz auf Abel, der viel zu beschäftigt und glücklich mit essen ist, als irgendetwas davon mitzubekommen. Ein Waffelhapps nach dem anderen landet in seinem kleinen Mund.

Noch bevor Leon richtig an die Gästezimmertür klopfen kann, wird sie von Gabriel aufgerissen und Leon wird überschwänglich ins Zimmer gezerrt.
Gabriel: Hey, kleiner Bruder. Was hat dich so lange aufgehalten?
Leon: Ich habe mich noch mit deinem Dismentis vergnügt?
Gabriel: Und? Wie gefällt dir Kuro? Isser nich absolut geil?
Leon: Er ist mir kaputt gegangen.

Gabriels Lächeln erstirbt und die Farbe weicht aus dem ohnehin schon blassen Gesicht.

Gabriel: Was?!! Michael!! Warum machst du meine Sachen immer kaputt???

Leon tänzelte beschwichtigend ums Bett und legte sich zu Gabriel.
Leon: Aber hey. Ich mach’s wieder gut.
Gabriel: Wie kaputt ist er denn? Ist er gar nicht mehr zu gebrauchen?
Leon: Ich glaube nicht.
Gabriel: Ach menno…
Leon: Ich weiß nicht, was du so toll an ihm findest. Er ist mir buchstäblich schon beim ersten Mal zersprungen.
Gabriel: Er ist halt klein. Du hättest besser aufpassen müssen.
Leon: Ich bin nunmal besser bestückt als du.
Gabriel: Naja… Ich hab‘ schon mit kaputten Dismentis gespielt.
Leon: Achso?
Gabriel: Das hat auch seinen Reiz.
Leon: Willst du nicht lieber mich? Du kannst mich haben.
Gabriel: Ja, natürlich will ich dich. Aber das war nur die Entschädigung dafür, dass ich dir Kuro für acht stunden gegeben habe. Du hast ihn kaputt gemacht. Ich will mehr.
Leon: Ich geb‘ dir so viel du willst…
Gabriel: Ich will dein Dismentis.
Leon: Mein- Was?!
Gabriel: Ja. Und ich will es kaputt machen. Recht muss Recht bleiben.
Leon: …nein.
Gabriel: Doch! Ich werd‘ es mir früher oder später holen. Du kannst nicht immer aufpassen.
Leon: Du ziehst einen kleinen Junge MIR vor? Du weißt echt nicht mehr, was es heißt, gut zu genießen.

Leon grinst breit, weil er weiß, wie er Gabriel provozieren und manipulieren konnte. Gabriel zieht eine Schnute.
Gabriel: Nhhhhhhh. Ach, Mann! Bist du ein harter Verhandlungspartner.
Leon: Ich geh nicht so schnell kaputt.
Gabriel: Na gut, fangen wir mit dir an. Mal gucken, wie viel Spaß ich habe.

Leon zieht sofort sein Hemd aus. Gabriels Mine hellt sich sichtlich auf, sofort vergisst er, dass er eigentlich gerade sauer war.
Leon: Hm… wie willst du es denn, Bruderherz?
Gabriel: Du! Unten!
Leon: …was?
Gabriel: Ich hab‘ viel gelernt in den letzten Jahren.
Leon: …Gabriel.
Leon: Du weißt doch, dass ich es hasse unten zu liegen.

patreon_logo[Kleines Dankeschön für meine Supporter <3]

Die Sonne hat bereits ihren Zenit überschritten, als Leon Schweiß gebadet und mit blutig zerkratzter Brust in die Kissen sinkt.
Gabriel: Geht doch.
Leon: Au, verdammt.
Gabriel: Warum nicht gleich so?
Leon: Du hast aber auch nicht mehr so viel Ausdauer wie früher, hm? Dass du schon kommst, nur weil jemand schreit.

Leon leg eine Hand an seine Brust, nimmt sich den Schmerz und heilt die Wunden ein wenig an. Noel in Leons Zimmer schreckt aus heiterem Himmel hoch. Angespannt sieht er zur Tür und lässt Abel, den er bisher in den Armen gehalten hat los.
Noel: Leon….

Er streichelt Abel über die Wange, der ihn verwundert ansieht.
Noel: Ich geh nur kurz gucken. Bin gleich wieder da.

Abel nickt. Gabriel lehnt sich ans Kopfende und sieht nachdenklich ins Leere.
Gabriel: Ich glaube, meine ganzen Dismentis haben das aus mir gemacht. Ich mag es, wenn sie schreien.
Leon: Ein echter Dämon unserer Generation, was? Dir fehlt jegliche Leidenschaft.
Gabriel: Ich mache meinem Clan Ehre, schätze ich. Was ist mit dir?
Leon: Wenn du Leute zum Schreien bringst, beweißt das nur wie schlecht du im Bett bist.

Gabriel setzt sich ruckartig auf und sieht seinen Brüder wütend an.
Gabriel: Wie bitte?!
Leon: Du kommst nach Vater. Sonst hätte ihn Mutter bestimmt öfter rangelassen, meinst du nicht auch?
Gabriel: Tse… Und du? Kommst du etwa nach Mutter?
Leon: Dann hätte ich jetzt vielleicht Geschwister, die etwas leidenschaftlicher sind.
Gabriel: …sie war schwach.
Leon: Nein. Sie hatte Prinzipien.
Gabriel: Sie war dumm. Sie hätte sich nehmen sollen, was sie brauchte. Dabei hat sie nur auf Gefühle von anderen Rücksicht genommen.
Leon: Ja. Und sie lebt heute noch. Im Gegensatz zu Vater.
Gabriel: Sie hätte dich nicht vor ihm beschützen sollen. Eigentlich warst du es nicht wert.
Leon: Aw… spricht da der kleine, verletzliche Junge aus dir?
Gabriel: Halts Maul!
Leon: Daddy hat dich richtig hart rangenommen was?
Gabriel: Ich sagte, du sollst dein Maul halten!!! Mutter hat dich geliebt und Vater hat nur versucht, mich so stark zu machen, wie dich!
Leon: Du hast damals auch geschrien… Weißt du noch?
Gabriel: Du hast deine Stärke und Vaters Erbe zu unrecht bekommen! Es stand eigentlich mir zu. Ich bin der Ältere.
Leon: Du wirst nie diese Art von Aufmerksamkeit bekommen, Gabriel, weil alle vor dir wegrennen. Alle hassen dich.
Gabriel: Du kannst mich…
Leon: Ich habe zehn Minuten gebraucht und Kuro hat mir vertraut.
Gabriel: Was?! Vertraut? Er hat dir vertraut???
Leon: Er hat vor Lust geschrien, Gabriel.
Gabriel: Ich muss meine Dismentis zu gar nichts bringen. ICH will Befriedigung. ICH WILL DIE AUFMERKSAMKEIT DIE MIR ZUSTEHT!!!
Leon: Gib es zu, du selbst hast es nie geschafft, weil es langweilig wird, die Leute immer nur schreien zu hören. Nicht wahr?
Gabriel: HALT DEN MUND!!

Gabriels Fangzähne werden sichtbar. Er fährt lange Krallen aus und stürzt sich regelrecht auf Leon, der ihn nur sanft ansieht.
Leon: Gabriel.
Gabriel: Wa-…
Leon: Du bist genau so schwach, wie die Menschen, wenn du von dem, was du mit Vater erlebt hast, selbst zum Täter wirst.

Gabriel hält in seiner Bewegung inne, als Leon seine Arme um ihn legt und an sich drückt.
Leon: Sogar mein Dismentis ist stärker als du, was das angeht.
Gabriel: Dein Dismentis? Noel…
Leon: Er war mal so ähnlich wie du.

Noel sitzt die ganze Zeit vor der Tür und hört das Gespräch mit an.
Leon: Als ich einen Teufelspackt mit ihm hatte, hat er mich verprügelt.

Gabriel guckt nur und hört aufmerksam zu.
Leon: Er dachte, er kann mir seine Macht beweisen indem er das tut. Aber er hat mir und allen anderen durch seine Gewalt gezeigt, wie schwach er ist.

Er drück Gabriel einen Kuss auf die Stirn, küsst ihn nocheinmal richtig und sieht ihm dann in die Augen.
Leon: Gabriel. Bevor Vater dir das angetan hat warst du anders. Weißt du noch?

Gabriel dachte nach, kann sich aber nur schwer an Dinge von damals erinnern.
Leon: Wir haben die Nächte durch gespielt und die Menschen beobachtet, anstatt uns gegenseitig in die Bewusstlosigkeit zu vögeln.

Gabriel hat viel verdrängt, aber langsam kommen die Erinnerungen an seinen Bruder von damals zurück. Es war nicht alles schlecht, was sie erlebt hatten.
Leon: Ich weiß noch, wie du mal gesagt hast, du willst mich heiraten. Als wir 19 waren.
Gabriel: Ja…

Leon kuschelt sich langsam an seinen Bruder, streichelt ihn ein wenig.
Gabriel: Michael…
Leon: Ja?
Gabriel: Was-… Was tust du da?
Leon: Hm?
Gabriel: So benimmt sich kein Dämon.
Leon: Ich weiß.
Gabriel: So benimmt sich… ein Mensch.
Leon: Magst du mich nicht mehr?
Gabriel: Ich hab‘ nie aufgehört, dich zu lieben, Bruder.
Leon: Ach Gabriel. Aber du weißt doch, lieben können nur Wesen mit menschlichen Zügen.
Leon: Und ich kann das… aber du nicht…

Gabriel zuckt leicht zusammen. Leon streichelt ihm über die Wange.
Leon: Oder?
Gabriel: Aber jetzt… gerade… Ich liebe dich doch, Michael.

Gabriel lehnt sich nach vorn, um Leon zu küssen, doch dieser hält ihn sanft auf.
Leon: Gabriel… Warte…
Gabriel: Hm? Liebst du mich denn nicht?

Noel greift sich vor der Tür unbewusst an die Brust.
Leon: Doch, natürlich. Du bist mein Bruder. Aber es gibt da jemanden, der mir mindestens… genau so wichtig ist. In der Zeit, wo du weg warst, hat sich viel verändert.
Gabriel: Wer?
Leon: Hör mir erst zu.

Leon setzt sich auf, um sich zu erklären, bemerkt aber durchaus Gabriel finster werdenden Blick.
Gabriel: Wer ist es? Welcher Dämon hat sich deine Liebe erschlichen? Ich bring ihn um!
Leon: Gabriel. Hör mir zu.
Gabriel: Was?
Leon: Dämonen können sich nicht lieben. Wir können uns attraktiv finden. Wir können Sex miteinander haben. Wir können uns dadurch sogar vermehren. Aber eins können wir nicht. Wir können uns nicht lieben. Wir können nur Menschen lieben, weil wir nur durch Menschen überhaupt erst gelernt haben was Liebe ist.

Gabriel sieht seinen Bruder verwirrt an. Wieso kann er ihn nicht lieben? Das hat er doch schon immer. Oder war es eine andere Art Liebe, die Leon meinte?
Gabriel: Dann ist es ein Mensch, den du liebst?
Leon: Ja. Menschen sind keine Dismentis, Gabriel.
Gabriel: Wer ist es?
Leon: Es ist Noel.
Gabriel: Dein Dismentis von dem Ball?
Leon: Er ist kein Dismentis. Begreif das doch.

Gabriel seufzt. Das alles ist verwirrend und enttäuschend zugleich. Darf er seinen Bruder jetzt nicht mehr lieben?
Leon: Jeune Comte. Kommt ruhig rein, es ist alles in Ordnung.

Noel zuckt vor der Tür zusammen. Er hat wieder vergessen, dass Leon immer spürt, wo sein Packtpartner sich aufhält. Zaghaft steht er auf und öffnet die Tür, sieht verschüchtert zu den beiden Dämonen.
Leon: Versprich mir dass du ihm nicht wehtust, Gabriel.
Gabriel: Nhhhh ja, meinet wegen.
Leon: Danke…

Leon nimmt Noels Hand, führt ihn langsam zu Gabriel. Noel erinnert sich in dem Moment wieder an Abel und die Wut über Gabriel wird größer als seine Angst vor der Situation. Leon bemerkt Noels Gemütszustand und dreht ihn gleich von Gabriel weg.
Nein. Jeune Comte. Er ist kurz davor sich zu ändern.
Neol: Aber-… aber er
Leon: Bitte…
Noel: Für Abel?
Leon: Ja…
Noel: Gut…
Leon: U-und bitte vertraut mir jetzt.
Noel: Ich vertraue dir.
Gabriel: Hey, was tuschelt ihr da?

Leon hebt Noel auf das Bett zwischen sich und Gabriel, zieht ihm sein Schlafhemd aus. Gabriel macht große Augen.
Leon: Pass auf. Also.
Gabriel: Was wird das, Michael?
Leon: Ich will, dass du siehst, dass er kein Dismentis ist und dass das schönste sicherlich NICHT ist, ihn zum Schreien zu bringen.

Leon nimmt Gabriels Hände. Legt eine an Noels Brust, die andere an seine eigene Brust. Gabriel guckt verdattert. Er fühlt etwas, das er noch nie in seinem Leben gefühlt hat.
Gabriel: Was ist das? Da bewegt sich was unter deiner Haut…
Leon: Das ist ein schlagendes Herz.

Gabriel befühlt ganz fasziniert Leons und Noels Brust.
Leon: Gabriel. Das Herz sorgt nicht nur dafür, dass der Körper der Menschen funktioniert… Sie können ihr Herz auch… jemandem schenken. Dann lieben sie ihn. Dann musst du sie nicht mehr anschreien und sie nicht mehr schlagen oder sie zwingen damit sie bei dir bleiben. Sie machen das dann freiwillig.
Gabriel: Und das soll funktionieren?!
Leon: Ja, das funktioniert. Nun gut, sicher nicht so, wie du dir das vorstellst. Das Herz bleibt dabei im Körper. Aber einem Dämon weckt es das Herz.
Gabriel: Hm?
Leon: Wenn ein Mensch einem Dämon sein Herz schenkt und der Dämon in der Lage ist, den Menschen ehrlich zurückzulieben, wird das Herz des Dämons geweckt und fängt an zu schlagen.

Gabriel schweigt eine Weile. Er hört Dinge, von denen er vorher nicht wusste.
Gabriel: Michael… Du hast doch vorhin danach gefragt… Um die wahrheit zu sagen… ich hab bisher keines meiner Dismentis je dazu gebracht… mir zu vertrauen…
Leon: Das ist schlecht, Gabriel. Auch… wenn es so für dich schneller geht… und du sie schreien hören willst. Das ist nicht gut so. Du solltest dir die Zeit nehmen. Dann… gehen sie auch nie wieder kaputt, wenn du alles richtig machst.
Gabriel: Es sind doch nur… Menschen…
Leon: Gabriel…

Leon seufzte und nimmt Gabriels Hände in seine. Was seinem Sichtfeld entläuft ist Noel, der bei Gabriels Worten leicht zusammenzuckt und sich an seine eigenen Worte erinnert fühlt. „Es ist doch nur eine Katze“, sagte er zu Leon, als er dessen Katze aus dem Haus werfen wollte.
Leon: Wir haben auch ein Herz. Es funktioniert nur nicht so, wie das eines Menschen. Aber wir sind genau wie sie. Nur weil wir stärker, schlauer oder mächtiger sind, heißt das nicht, dass wir Macht über sie ausüben dürfen oder in irgendeiner Weise wichtiger sind. Vater hat das nie verstanden… aber Mutter hat es verstanden…
Gabriel: Mutter hat nur dich geliebt…
Leon: Nein… Das stimmt nicht…. Vater hat dir weh getan… Aber wie ich schon sagte… das zeigt nur wie schwach Vater war… Du weißt, er hat es bei mir auch versucht.
Gabriel: Du konntest dich wehren.
Leon: Ja. Aber ich habe dich nicht beschützt… weil ich Angst vor ihm hatte… Das, was ich am Ende getan hatte, war auch eher aus Angst und Wut. Ich hatte Angst, dich zu verlieren.

Leon schaut seinem Bruder tief in die Augen. Der traurig zurückblickt.
Leon: Deswegen muss ich dich um Verzeihung bitten… aber auch… dazu sind nur Wesen mit menschlichen Gefühlen fähig. Denkst du, du kannst mir verzeihen, Bruder?
Gabriel: Natürlich kann ich das!

Gabriel umarmt Leon, dieser lächelt. Noel sieht noch etwas unschlüssig zwischen beiden hin und her, ist sich nicht ganz sicher, ob das jetzt gerade gut ist, was zwischen den beiden passiert ist.
Gabriel: Michael…?
Leon: Mh?
Gabriel: Wie… ist das… wenn ein Mensch einem vertraut?
Leon: Hm. Gute Frage. Jeune Comte~? Wie ist das so?
Noel: Hm??! Äh… Ähm… Mhä… Schön?
Leon: Soll ich vielleicht rausgehen? Damit ihr frei darüber reden könnt?
Noel: Leon…
Leon: Verzeihung.
Noel: Wäre es nicht besser… er erfährt es aus erster Hand?
Leon: J- … Was??
Noel: War nur eine Idee.
Leon: N-naja… also… es wäre natürlich schlau ihn das selbst ausprobieren zu lassen, aber wer sollte sich schon dafür zur Verfü-

Noel lächelt lieb, was so viel heißen soll, wie „ich“. Leons ernster Lehrerblick wird stufenweise zu einem „Das kann nicht euer Ernst sein“-Blick. Aber Noel lächelt immer noch.
Leon: …N-nein, oder?
Noel: Wenn du es erlaubst…
Gabriel: Wovon redet ihr bitte?!
Leon: …mhh… Du… machst Noel nicht mehr kaputt, ja?
Gabriel: Wie merk ich, wann die Grenze erreicht ist?
Leon: Spätestens dann, wenn er schreit, blutet oder weint.
Gabriel: Ok, das kann ich mir merken.

Leon setzt sich aufs Bett und zieht Noel zwischen seine Beine. Obwohl es Noels Idee war, ist er nun doch etwas nervös.
Leon: Die wichtigste Regel ist, dass du vorsichtig sein musst…

0006kmw

Es vergeht eine halbe Stunde, in der Gabriel lernt, wie man einen Menschen dazu bringt, ihm auf rein körperlicher Ebene zu vertrauen, was darin endet, dass Noel mit geröteten Wangen und etwas außer Atem in Leons Arme gekuschelt sich erholt.

Gabriel: Das war schön.
Leon: Und merkst du was?
Gabriel: Was?
Leon: Es geht ihm noch gut… Er weint nicht. Er schreit nicht. Er hat keine Schmerzen… Nur sein Herz schlägt schnell. Du hast alles richtig gemacht…

Gabriel kratzt sich verlegen am Kopf.
Gabriel: Najaa… es… ist viel schöner… als wenn sie schreien…

Leon lächelt, streichelt Noel noch einmal über die Wange und sieht seinem Bruder in die Augen.
Leon: Gabriel… ich hab dich angelogen.
Gabriel: Hm?
Leon: Kuro ist nicht tot. Ich habe auch nicht mit ihm geschlafen.
Gabriel: Was?!
Leon: Aber jetzt tu mir den Gefallen und behandle ihn gut.
Gabriel: Gut? Wie meinst du das?
Leon: Schlag ihn nicht… Zwing ihn zu nichts. Warte bis er älter wird, bevor du nochmal versuchst, dich ihm körperlich zu nähern. Und wenn es soweit ist, lass ihm Zeit. Schrei ihn nicht an. Sperr ihn nicht ein… Wenn du… willst dass er dir vertraut oder dich sogar liebt, dann darfst du ihm nicht wehtun.

Gabriel nickt langsam. So ganz verstanden hat er das Konzept von Vertrauen und Liebe noch nicht, aber zumindest an den Ansätzen hat er Gefallen gefunden. Noel, der auch zugehört hat, öffnet die Augen und richtet sich auf.
Leon: Aber das kostet sehr viel Zeit, das sag ich dir glei-
Noel: Gabriel! Ich war die ganze Nacht bei ihm. Sein körper ist zerstört. Seine Seele ruiniert. Er hat Angst vor dir.

Gabriel schaut etwas getroffen auf den Boden. Noel steht auf, zieht sich seine Hose und sein Hemd wieder an, nimmt dann Gabriels Hand und führt ihn in Leons Schlafzimmer. Abel liegt dort im Bett, ist wieder eingeschlafen, weil so lange nichts passiert ist.
Noel: Siehst du das? Sein Name ist Abel. Er ist zwölf junge Jahre alt. Er ist nicht dein Dismentis. Er ist ein Mensch.

patreon_logo[Kleines Dankeschön für meine Supporter. Vielen vielen Dank für Eure Unterstützung! <3]

Gabriel tappst langsam zum Bett, sieht den kleinen Abel darin schlafen, steht nur stumm davon. Abel hat sich wie eine Katze auf dem halben Kissen zusammengerollt und döst vor sich hin, die Haut noch übersäht mit leichten Kratzspuren und blauen Flecken. Gabriel blickt schweigend auf das kleine Bündel Mensch, das vor ihm liegt. Er sieht Abel in einem völlig neuen Licht. Und es tut ihm leid.
Noel: Leon?
Leon: Ja?
Noel: Ähm, können wir die beide hierbehalten? Nur eine Weile. Ich will Abel im Auge behalten und warten, bis er wieder gesund ist und Gabriel traue ich nicht über den Weg.
Leon: Wie ihr wünscht, Jeune Comte. Aber Gabriel wird wohl noch viel an euch rumexperimentieren wollen. Wenigstens könnt ihr dann sicher sein, dass er es richtig lernt und Abel später nicht wehtut.
Noel: Das ist mir immer noch lieber, als mich von ihm vergewaltigen oder töten lassen zu müssen, um Abel zu beschützen
Leon: Ich weiß nur zu gut was ihr meint.
Noel: Hm? Kann dir nicht folgen.
Leon: Nichts, nichts.
Noel: Lassen wir die zwei allein?
Leon: Niemals. Wenn Abel aufwacht und als erstes seinen Peiniger sieht, wird er einen Herzinfarkt und ein zweites Trauma erleiden.
Noel: Dann bleib ich bei ihm. Irgendwann muss er aufwachen. Er hat keine Familie… Er ist ein Waisenkind. Seine Eltern haben ihn sicher ausgesetzt und im Waisenhaus wurde er nur geschlagen. Gabriel hat ihn auf der Straße aufgelesen. …Übrigens an der selben Stelle, wo ich deine Katze her hatte… Fast ironisch…
Leon: Ich warte mit Gabriel im Musikzimmer. Ihr könnt Abel alles erklären und mit ihm nachkommen, wenn ihr wollt.
Noel: Gut. Ich wecke Abel.
Leon: Sobald Abel aufwacht, klärt ihn über die Situation auf.
Noel: Mach ich.
Leon: Wir müssen die zwei langsam aneinander gewöhnen.

Leon richtet sich auf und wendet sich an Gabriel.
Leon: Bruderherz, komm kurz mit.
Gabriel: Was? Aber der Kleine!
Leon: Ja… deswegen, komm mit.
Gabriel: Na gut…

Leon verlässt das Zimmer, Gabriel trottet ihm hinterher. Die Tür fällt ins Schloss. Noel legt sich zu Abel ins Bett, streichelt ihm sanft über die strubbeliggen Locken. Abel blinzelt müde. Lächelnd erblickt er Noel, der ihm gerade einen leichten Kuss auf die Stirn drückt.
Abel: Njelnitschka… Ich hab‘ geträumt, dass wir Geschwister sind.

Noel lächelt ebenfalls. Abel kuschelt sich in Noels Klamotten.
Noel: Im Grunde sind wir sowas wie Geschwister.

Abel bekommt riesige Augen.
Abel: Ja?
Noel: Ja. Es ist etwas kompliziert, es jetzt zu erklären–

Bevor Noel die Möglichkeit hat, seine Gedanken zu äußern, wird er von Abel stürmisch umarmt. Noel, erst noch etwas überrascht, nimmt seinen neuen Bruder inspe in den Arm.
Noel: Moi Petit Frère…
Abel: Ich hab‘ dich so lieb, Njelnitschka! Ich will nicht mehr von dir weg.
Noel: Ich hab‘ eine kleine Überraschung für dich.
Abel: Hn? Überraschung? Noch mehr von diesen Waffeln?
Noel: Ich hab‘ dir doch gesagt, dass der Mann, mit dem du hergekommen bist, ein Monster ist.
Abel: Ein böses Monster…
Noel: Nun, stell dir vor. Ich und Leon, wir haben das Monster getötet. Der Mann ist jetzt friedlich.

Abels Augen werden wieder riesig wie Teller.
Abel: Heeeeh?
Noel: Er wird dir nie wieder etwas tun.
Abel: Also war er nur besessen???
Noel: …könnte man so sagen.
Abel: Und ihr seid richtige Helden??

Noel kratzt sich etwas verlegen am Kinn. Mit so viel Bewunderung hat er gar nicht gerechnet. Ihm ist sowieso schleierhaft, wie er es schafft, mit einem Kind umzugehen, wo er doch selbst den Kontakt mit anderen Kindern immer gern vermieden hat.
Noel: Najaaaaaaaaaaaaaa…
Abel: Woooooow!

Noch immer überfordert von so viel Bewunderung, kuschelt sich Abel an ihn.
Abel: Mein großer Bruder ist der beste der Welt~!

Noel unterbricht Abels Freudentaumel, um ihn langsam wieder zum Thema Gabriel zurückzuführen.
Noel: Willst du zu ihm?
Abel: Hn? … nhh… ich… …
Noel: Ich komm auch mit.
Abel: Ich trau mich nicht…
Noel: Keine Angst.
Abel: …o…okay.
Noel: Und wenn er doch wieder böse wird *was ich ihm nicht raten würde, weil ich ihn sonst filitiere* dann bin ich da und beschütz dich. Ich versprech’s.
Abel: Okay!

Abel, der bis eben noch verschüchtert und zusammengekauert da hockte, strahlt nun wieder und flufft sich an Noel. Noel drückt den Kleinen noch einmal an sich und krabbelt mit ihm vom Bett. Sie gehen beide den langen Gang bis zum Musikzimmer hinunter. Noel öffnte die Tür. Abel versteckt sich gleich hinter seinem neuen großen Bruder, versucht dennoch genauso mutig auszusehen, wie Noel ihm scheint. Gabriel steht erst nur am Fenster, dreht sich um. Als er Abel sieht, kniet er sich langsam hin. Seine Kleidung ist anders, er trägt nicht mehr den Anzug vom Dämonenball, sondern ein Shirt mit schlapprigen Ärmeln, darüber ein helles Sporthemd. Leon hält sich im Hintergrund. Abel sieht mit großen Augen zu Gabriel, dann schaut er fragend zu Noel hoch.
Abel: …ist er das?
Noel: Ja.

Noel ist erst verwundert, dass Abel das fragt, bis ihm einfällt, dass es möglich ist, dass Abel Gabriel noch nie richtig ins Gesicht gesehen hat. Um so finsterer sieht er jetzt zu Gabriel, was dem Dämon andeuten soll, mache er nur eine falsche Bewegung, fliegt er durch die geschlossene Fensterscheibe. Abel geht ein paar Schritte ins Zimmer, noch ganz mutig, dann aber doch eher schüchtern. Gabriel guckt nur. Leon hatte ihm gesagt, er solle ruhig bleiben und warten, bis Abel etwas tut. Gabriel versucht zu lächeln, was Abel eher verwirrt. Fragend sieht er zu seinem Bruder.
Abel: Duuu… meint der mich?
Noel: Ja, er meint dich. Geh ruhig hin. Ich bleib auch hier.
Abel: …und er haut mich nicht?
Noel: Er wird dich nicht hauen.

Wieder etwas mutiger tappst Abel weiter auf Gabriel zu, sieht ihn erstmal nur an. Gabriel schaut zurück.
Gabriel: Ku-…. ich meine… Abel…
Abel: Mein großer Bruder hat gesagt, er hat dich von ’nem Monster befreit.

Gabriel sieht verwirrt zu Noel. Dieser guckt ihn weiterhin finster an und nickt langsam. Gabriel – leicht paralysiert – nickt ebenfalls.
Abel: Und jetzt bist du viel lieber als vorher!!
Gabriel: Äh… ja, das is richtig. Ich denke schon.

Nunmehr strahlt Abel wieder übers ganze Gesicht und beguckt Gabriel interessiert.
Abel: Du siehst aus wie dieser Leon… Bist du… sein Bruder?
Gabriel: Hm, du bist ja richtig aufmerksam… ja, Leon ist mein Zwillingsbruder.
Abel: Du hast ’nen tollen Bruder.
Gabriel: Ja… ich weiß… den besten…
Abel: Aber meiner ist viiiiel tollererer.
Gabriel: Nein, meiner is toller!

Abel zieht eine Schnute. Gabriel zieht die gleiche Schnute.
Abel: Nein gar nicht!
Gabriel: Wohl!
Abel: Gaar nicht!
Gabriel: Wohohl!!

Noel steht verdatter daneben.
Noel: Was zum… streiten die sich?!?…
Abel: Meiner hat ein Monster platt gemacht!
Gabriel: Meiner hat mein Herz gerettet.
Abel: Und meiner-… So?
Gabriel: Ja…
Abel: Wow… Dein Bruder ist wirklich toll.

Abel lächelt glücklich und anerkennend. Gabriel ist völlig überwältigt von so viel Freundlichkeit und diesem niedlichen Lächeln. Gabriel sieht rüber zu Noel.
Gabriel: Dein Bruder ist auch toll… irgendwie…
Abel: Hey!

Abel legt seine kleine Hand an Gabriels Wange und dreht sein Gesicht zurück in seine Richtung.
Abel: Hat dir deine Mama nicht beigebracht, dass man Leuten ins Gesicht guckt, wenn man mit ihnen redet?

Für einen Moment wird Gabriel ganz still. An seine Familie erinnert zu werden ist für ihn nie leicht. Er legt seine Hand an die von Abel, lächelt leicht, woraufhin Abel auch wieder lächelt.
Gabriel: Verzeihung… Das war unhöflich. Es wird nicht mehr vorkommen.
Abel: Ist nicht schlimm. Ich… …meine Mama hat mir das auch nicht beigebracht. Ich hatte gar keine Mama.
Gabriel: Das ist schade.
Abel: Hattest du eine?
Gabriel: Ja… Sie war sehr nett zu mir…
Abel: Du hast es gut.
Gabriel: Mach dir nichts draus, dass du keine Mama hattest. Du hast ja jetzt mich.

Abels Augen werden wieder riesig, seine blassen Wangen werden leicht rosig und sein Lächeln wird breiter.
Gabriel: …darf…
Abel: Hn?
Gabriel: Darf ich dich umarmen?

Abel guckt verwirrt. Noels Blick wird gleich noch finsterer.
Abel: Njelnitschkaaaaa~?? Darf ich das?
Noel: Nh… naja… Willst du es denn mal versuchen?
Abel: Ich glaub‘ schon.

Abel dreht sich lächelnd wieder zu Gabriel.
Gabriel: Gut… Bist du bereit?
Abel: Ich bin bereit!

Noch etwas überfordert mit der Aufgabe, wohin mit so wenig Mensch, denkt Gabriel nach, was Leon ihm gesagt hat. Erst Hände dran legen, warten, Vertrauen gewinnen. So legt Gabriel langsam seine Hand an Abels Wange. Abel blinzelt kurz, als er das sanfte Streicheln bemerkt. Gabriel ist immer noch fasziniert, wie weich Abels Haut ist. Das ist ihm vorher gar nicht so aufgefallen. Langsam beugt er sich Abel entgegen, versucht dabei nicht allzugroß zu wirken. Schließlich legt er seine Arme um Abel.

0008_kmw

Als Gabriel Abels Rücken etwas zu lange streichelt, räuspert sich Noel auffällig laut. Abel löst sich etwas von Gabriel und sieht zu seinem Bruder.
Abel: Hast du Husten, Njelnitschka?
Noel: Nein… schon gut, Petit Frère.

Den Wink mit dem Zaunpfahl nicht verstehend lächelt Abel nur und sieht wieder zu Gabriel.
Abel: Duuuu… ich weiß noch gar nicht wie du heißt.
Gabriel: Ich…

Gabriel unterbricht sich selbst im Satz, weiß einen Moment nicht, ob er einem Menschen seinen richtigen Namen sagen sollte. Kein Mensch sollte den echten Namen eines Dämons wissen. Den einzigen Kontakt, den ein Dämon zu einem Menschen hat, ist ein Teufelspakt. So eine annähernde Beziehung zwischen Mensch und Dämon… wie soll man sich da verhalten?
Gabriel: Ich heiße…

Er überlegt. Hilfesuchend sieht er zu Leon, doch dann kommt ihm selbst die Idee.
Gabriel: Wie möchtest du mich denn gerne nennen?

Noel begreift die Bedeutung dieser Frage sofort und möchte schon dazwischen grätschen, wird aber von Leon aufgehalten. Abel guckt nur verwirrt und interessiert.
Abel: H-hast du keinen Namen?
Gabriel: Nein… an sich nicht…
Abel: Hmmm… dann… Vincent…
Gabriel: Gut… ich heiße Vincent.
Abel: Das klingt soooo schön wenn du das sagst.

Beide lächeln sich niedlich an.
Abel: Und du haust mich auch nicht mehr?
Gabriel: Nie wieder.

Freudig fällt Abel Gabriel um den Hals. Skeptisch stellt sich Noel ein wenig hinter die Tür, um mit Leon reden zu können.
Noel: Leon…?
Leon: Ja?
Noel: Du hast es mitgekriegt, oder?
Leon: Der Teufelspakt? Ja.
Noel: Soll ich Gabriel umbringen?
Leon: Nein… warum?
Noel: Er will Abels Seele. Soll ich das etwa gut heißen?
Leon: Nein… Er will nicht seine Seele.
Noel: Aha??
Leon: Alles was er will ist seine Nähe. Er hat Abel mit dem Pakt an sich gebunden. Es gibt keine andere Art der Beziehung zwischen Dämon und Mensch. Wenn sie zusammen sein wollen, ist das die einzige Möglichkeit.

Noel seufzt resigniert.
Noel: Na schön… Ich behalte ihn trotzdem im Auge. Sobald er aufmuckt, bin ich sofort da mit Le Vorschlaghammer.
Leon: Natürlich…

Leon lächelt wieder so undurchschaubar, wie immer. Er sieht zu seinem Bruder und seine Gesichtszüge werden weich.
Leon: Aber so glücklich habe ich meinen Bruder schon lange nicht mehr gesehen.
Noel: Vielleicht ist er wirklich geleutert.
Leon: Das wird die Zeit zeigen.
Noel: Ja…

Leicht in romantischen Gefühlen schwelgend zieht Noel an Leons Jacke, der versteht sofort und gibt ihm einen Kuss.
Leon: Gabriel ist ganz schön mutig. Aber er scheint diesen Jungen wirklich zu wollen.
Noel: hm… Damals wolltest du aber nur meine Seele. Die Dinge standen damals anders. Und… es sind die Entscheidungen, die einen Menschen zu dem machen, was er ist.
Leon: Wie recht ihr doch habt. Werdet ihr erwachsen?

Grinsend zieht Leon an Noels Wange. Dieser beschwert sich lauthals und fuchtelt Leons Hand weg.
Noel: Aaahhhuuuu! Lass das!!

~*~

Am selben Abend kommt Gabriel etwas unschlüssig zu Leon und Noel ins Schlafzimmer. Noel hat es sich gerade auf Leons Schoß bequem gemacht. Leon lächelt sein übliches höfliches Lächeln, aus dem man nie so ganz schließen kann, was er wirklich denkt. Noel zeigt offen, dass er Gabriels Eindringen weniger begrüßt.
Gabriel: Ähm… entschuldigt bitte…
Leon: Hm? Oh, Gabriel.
Gabriel: Abel ist grad auf der Couch eingeschlafen und ich weiß nicht, wo ich ihn hinbringen soll.
Noel: Zu mir! Er wird bei uns schlafen.

Leon lächelt weiter höflich, doch dem Verzerrungsgrad seiner Mundwinkel zu folge ist er wenig begeistert davon.
Leon: S-such dir ein freies Gästezimmer, dass dir gefällt, für ihn aus.
Gabriel: …. ich… ich dachte da … an mein Zimmer.

Noel springt auf, tritt Leon dabei beinahe seine edelsten Teile weg.
Noel: NIEMALS!!

Leon: Jeune Comte…
Noel: Du lässt deine Finger von ihm!! Wehe, du rührst ihn an!! Nur über meine Leiche!!

Noel ist zwar nur ein Mensch, doch Gabriel wirkt sichtlich eingeschüchtert von dem zeternden Zwerg.
Leon: Jeune Comte.
Noel: Was?!
Leon: Seid nicht zu streng zu ihm. Er hat sich an Abel gebunden.
Noel: Ach ja!! Das is auch noch so eine Sache, über die wir reden müssen, Mister!!

Noel stemmt seine Hände in die Hüfte und beugt sich zu Gabriel, der glatt drei Köpfe größer ist. Leon, nun etwas unruhiger, nimmt Noel an der Schulter.
Leon: Jeune Comte… Lassen wir’s für heute gut sein.
Noel: Aber ich-..!!
Leon: Beruhigt euch. Er wird Abel nicht wehtun.
Gabriel: Danke, Michael.
Leon: Kein Sex heute Nacht mit dem Jungen, okay?
Gabriel: Natürlich.
Leon: Seht ihr?

Leons Beschwichtigungsversuch stößt bei Noel auf taube Ohren. Der Kleine kocht vor Wut. Gabriel nimmt sich schnell Michaels Seegen und sucht das Weite. Er geht den Gang zurück zum Musikzimmer, wo er Abel gelassen hat. Das kleine Kerlchen kommt ihm schon müde und verschlafen entgegen getappst. Gabriel kniet sich gleich zu ihm hinunter.
Abel: Vinceeent…
Gabriel: Hey, Kleiner. Ich dachte du schläfst
Abel: Ich bin aufgewacht…als du weg warst…
Gabriel: Ich bring dich besser ins Bett.

Gabriel nimmt Abel auf den Arm und sucht für ihn nach einem freien Schlafzimmer.

patreon_logo[Kleines Dankeschön für meine Supporter]

Er öffnet die Tür entflammt innen die Kerzen in den Halterungen, ohne diese zu berühren. Abel bekommt wieder riesige Augen.
Abel: Wie hast du DAS gemacht??
Gabriel: Nur ein kleiner Zaubertrick. Ich kann noch mehr.
Abel: Wooow. Ich will das auch können!
Gabriel: Ich bring’s dir bei, wenn du älter bist. Für kleine Kinder ist das noch nichts.
Abel: …
Abel: I-ich bin nicht klein!

Sagte der kleine Knirps mit dem weißen Wuschelkopf. Gabriel schmunzelt, hebt Abel auf das Bett und streichelt ihm über die Wange.
Abel: Ich bin nur noch nicht alt!
Gabriel: Ok, du bist nicht klein.

Er geht zum Schrank, sucht darin nach einem kleinen, weißen Schlafhemd, mit dem er zu Abel zurückgeht.
Gabriel: Darf ich dir das hier anziehen?

Abel schaut erst, nickt dann fröhlich. Gabriel knöpft Abels Hemd, das er noch von Noel bekommt hatte, auf, zieht es ihm von den Schultern, betrachtet einige Momente Abels blasse Haut. Sie ist wirklich fast schneeweiß. Vorsichtig und leicht paralysiert streichelt er darüber. Abel fängt plötzlich an zu kichern.
Abel: Das kitzelt…

Gabriel glotzt erst blöd aus der Wäsche. Sowas hat er noch nie gehört. Dann erinnert er sich an Leons Worte „Lachen gleich gut.“ So pieckst er Abel leicht in die Seite, dieser quiekt und kichert gleich wieder. Der Dämon ist nundoch hellauf begeistert von diesem Lachen und kitzelt Abel weiter, der einen regelrechten Lachanfall davon bekommt, welcher wiederrum Gabriel zum Lachen bringt. Er kann sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal so gelacht hat. Und ob überhaupt. Nach einer Weile ist Abel erschöpft. Gabriel hört auf und betrachtet das durchgeschüttelte Bündel mit geröteten Wangen, das sich an ihn kuschelt.
Gabriel: Alles ok?
Abel: Jah~ Aber Kitzeln ist unfair, Vincent…
Gabriel: Du bist ein wirklich wunderschöner Mensch…

Verträumt streichelt Gabriel Abel eine Locke aus dem Gesicht. Abel schaut erst wieder mit großen Augen, lächelt dann vergnügt.
Abel: Du auch.

Gabriel wird blass und schluckt. Abel weiß gar nicht, was er ist? Soll er es ihm sagen? Weiß Abel überhaupt, was Dämonen sind? Soll er es ihm erklären? Würde das etwas ändern? Würde das alles ändern? Unsicher nimmt er Abel in den Arm. Die Wahrheit sollte das beste sein.
Gabriel: Abel…
Abel: Hn?
Gabriel: Es gibt etwas, das du über mich wissen solltest.

Abel guckt für einen Moment ganz erschrocken, fast panisch.
Abel: Aber… a-aber… Du gehst nicht wieder weg, oder…?
Gabriel: Nein.

Etwas beruhigter lässt sich Abel in Gabriels Arme sinken, schließt die Augen und lächelt.
Gabriel: Ich geh nicht mehr weg.
Abel: Das ist gut…
Gabriel: Die Sache ist die… Ich… bin kein Mensch…

Abels fragender Blick ist gerechtfertigt. Er überlegt einige Augenblicke.
Abel: Oh! Oh, ich weiß! Du bist ein Engel, oder??
Gabriel: Ein En-….??

Das ist ja NOCH schlimmer, als wenn Abel ihn für einen Menschen hält.
Abel: Engel. Kennst du nicht? Die haben Flügel und sind totaaaaaaaal schön!
Gabriel: Doch…
Abel: Aber du bist keiner?
Gabriel: Mh-mh…
Abel: Was denn dann?
Gabriel: Ich bin… das Gegenteil… Ich bin ein Dämon…

Abel schaut Gabriel an, aber nicht ängstlich, wie Gabriel angenommen hat, sondern eher verwirrt.
Abel: Hääää… Aber du bist doch gar nicht böse!
Gabriel: Doch… im gewissen Sinne schon.
Abel: Aber du tust mir nicht weh.
Gabriel: Ja und das werd ich auch nie… aber… ich bin dennoch ein Dämon. Ich ernähre mich von menschlichen Seelen. Dafür muss ich Menschen töten…

Abel zeigt immer noch keine Anzeichen von Angst. Er sieht konzentriert in Gabriel Gesicht, mustert seinen tieftraurigen Blick und scheint zu spüren, dass er sich gerade für sich selbst schämt.
Abel: Nicht… …nicht weinen, Vincent.

Er legt seine kleinen Ärmchen um ihn.
Abel: Ich hab‘ dich trotzdem sehr lieb…

Völlig überrascht glotzt Gabriel mit großen Augen den Jüngeren an.
Gabriel: Wa-… Aber… Wieso…?
Abel: Geh nich‘ wieder weg… Alle sind von mir weggegangen, Vincent. Keiner hatte mich lieb…

Gabriel begreift langsam, dass in diesem Jungen genauso viel Schmerz und Einsamkeit angesammelt ist, wie in ihm selbst. Er schließt Abel fest in seine Arme.
Gabriel: Ich geh nie wieder weg. Und ich hab‘ dich lieb, Abel. Sehr.
Abel: Dankeschön…
Gabriel: Außerdem… hab‘ ich schon etwas getan, was uns unzertrennlich macht.
Abel: Ja?

Gabriel dreht sich um, hebt die Haare an seinem Nacken ein wenig hoch, unter den langen schwarzen Haaren ist eine einzelne kleine weiße Locke.
Abel: Das… das ist eine von mir…
Gabriel: Ja… Und du hast eine von mir. Das ist ein Paktzeichen. Man tauscht etwas vom Körper aus und gehört so für immer zusammen.
Abel: Wah, echt?
Gabriel: Als du mir den Namen gegeben hast, haben wir uns aneinander gebunden. Nur so können Mensch und Dämon zusammenbleiben.
Abel: Das ist ja toll!
Gabriel: Du findest das toll??
Abel: Ja!! Das ist wie ein Versprechen, dass du nie, nie, nie wieder weggehst!!

Abel strahlt für das ganze Gesicht, umarmt Gabriel überschwänglich, was beide in die Kissen wirft.
Abel: Danke, danke, danke!!
Gabriel: Ich hab‘ zu danken…

Gabriel streichelt Abel noch eine ganze Weile, bis der Kleine eingeschlafen ist. Er ist so fasziniert von ihm, dass er ihn die ganze Nacht hindurch streichelt und ihn beim Atmen zusieht.

~*~

Der nächste Morgen.

Noel tritt mit dem Fuß die Tür zum Gästezimmer ein und stellt sich breitbeinig in den Rahmen. Eine Adern an seiner Stirn tritt hervor, als er Gabriel und Abel zusammengekuschelt im Bett liegen sieht.
Noel: QU’EEEEEEEEEEST-CEEEEEEEEEEEEE?? WAS HAST DU MIT IHM GEMACHT??

Abel blinzelt müde.
Abel: Nnnhh.. Njelnitschka…?

Noel zerrt Abel von Gabriel weg und hebt ihn aus dem Bett. Das kleine Kerlchen fängt sofort vor Kälte an zu zittern.
Noel: Hat er dir was getan.
Abel: K-kalt!!
Noel: Hat er dich angefasst?
Abel: Nein!!
Noel: Hat er dir weh getan?
Abel: NEIN! Njelnitschka… mir ist kalt…

Noel sieht zornig zu Gabriel, den er verdächtig, etwas mit Abel angestellt zu haben, dass dem Kleinen jetzt so kalt ist.
Noel: Duuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu!
Abel: …lass mich zurück zu Vincent ins Bett.
Noel: Was? Wieso??
Abel: Bei ihm war es ganz warm und weich und kuschlig.
Noel: Grrrrr…

Leon kommt ein wenig ins Zimmer gehastet und hebt Noel hoch.
Leon: Ah~ Jeune Comte.
Noel: Höi!!!
Leon: Jeune Comte, ihr wisst doch, wir haben noch NÄCHTLICH VERPASSTE ARBEIT nachzuholen. *weil ihr ja die ganze Nacht nur Wache halten musstet*

Während Leon den zeternden Noel aus dem Zimmer trägt, setzt sich Gabriel auf und hebt den zitternden Abel zurück ins Bett, kuschelt die noch warme Decke um ihn.
Gabriel: He, Kleiner… Geht’s dir gut?

Abel, der sich wieder beruhigt, drück sich an Gabriel und nickt lächelnd.
Abel: Njelnitschka benimmt sich komisch… Ich glaub‘, er hat mich nicht mehr lieb.
Gabriel: Doch, er hat dich lieb. Deswegen benimmt er sich ja so komisch.
Abel: Aber er schreit ganz viel.
Gabriel: Er sorgt sich nur ein wenig um dich.
Abel: Warum? Hab‘ ich was schlimmes gemacht?
Gabriel: Nein. Er hat Angst, dass das Monster noch in mir sein könnte und dass ich dir wieder weh tue.
Abel: Aber er hat es doch selbst besiegt!
Gabriel: Er hat es nur verjagt. Ich muss selbst dafür sorgen, dass es nicht wiederkommt.
Abel: Schaffst du das?
Gabriel: WIR schaffen das.

Gabriel küsst Abel liebevoll auf die Stirn. Abels Augen werden wieder groß. Er genießt diese Aufmerksamkeit ungemein.
Abel: Mhm!

0010bkmw


Es dauert nicht lange, da ist der kleine Abel wieder eingeschlafen, obwohl schon fast Mittag ist und er kaum etwas gegessen hat. Gabriel legt langsam die Decke über ihn. Abel hat ein wenig das Laken und die Decke schmutzig gemacht. Gabriel beschließt, ihn später zu waschen.

Leon ist in der Küche zugegen, macht einen großen Bottich voll Schlagsoße, als Gabriel zu ihm stößt. Man merkt schnell an Leons grumpeliger Aura, dass er frustriert ist aus diversen Gründen.
Gabriel: Hey, Bruderhe-….
Leon: ………ngh.
Gabriel: Was wird das?
Leon: Ich. Mache. Den. Mitternachtsimbiss.
Gabriel: Um halb zwölf mittags? Du siehst ’n bisschen gestresst aus. Soll ich spöter wiederkommen?
Leon: WER IST HIER GESTRESST?! ICH BIN ÜBERHAUPT NICHT GESTRESST!!

Eine weiße, kleine, sehr haarige Katze schmiegt sich an Leons Bein. Er hebt sie hoch und kuschelt sie an sein Gesicht.
Leon: Jah, wenigstens du liebst mich noch…

Das Kätzchen maunzt leise.
Gabriel: So unausgelastet?
Leon: Er erzählt die ganze Nacht nur davon, dass er Wache halten muss und ich ihn ja nicht ablenken soll.
Gabriel: Wache?!
Leon: Er behauptet nach wie vor du vergreifst dich an Abel.
Gabriel: Nh… Naja… So unrecht hat er damit nicht.
Leon: D-du hast mit ihm-
Gabriel: Nicht ganz wirklich.
Leon: Was dann?
Gabriel: Ich wollte nur seine Wunde heilen. Und hab‘ ihn dabei angefasst. Als er keine Schmerzen mehr hatte… naja… Er ist so süß und flauschig und er riecht nach Tautropfen. Was soll ich denn machen? Er hat gelächelt und sich an mich gekuschelt.

Leon lächelt, während Gabriel voll Freudentaumel auf einen Stuhl sinkt.
Leon: Das freut mich zu hören… Und?… Meinst du, er hat dir vertraut?
Gabriel: Ich denke schon.
Leon: Wow. Du hast sehr viel gelernt von ihm…
Gabriel: Nunja… Ich will mehr. Aber er ist so klein und du kennst mich.
Leon: Hmmm… das stimmt.
Gabriel: Ich weiß nicht, wie weit ich gehen kann. Ich hab‘ das Gefühl, jede Sekunde zerbricht er mir in den Händen.
Leon: Deswegen habe ich bei Noel gewartet bis er älter war.
Gabriel: Ich kann nicht warten.
Leon: Das ist der Punkt. Es kann sein, dass es sehr lange dauert, bis er sich überhaupt daran gewöhnt, sich körperlich so weit zu nähern. Lass ihm Zeit. Irgendwann zeigt er dir, wenn er soweit ist.
Gabriel: Und wenn ich es dann falsch mache?
Leon: Inwiefern?
Gabriel: Ich hab‘ sowas noch nie gemacht und ich will es an Abel nicht ausprobieren.

Leon versteht den Wink mit dem Zaupfahl, versucht ihn aber zu ignorieren und sucht nach etwas, um das Thema zu wechseln. Doch Gabriels Hundeblick macht ihm das nicht gerade leicht.
Leon: I-ich kann dich doch nicht an Noel ranlassen, wenn er nichtmal MICH ranlässt…
Gabriel: Bitteeeeeeeeeee!
Leon: Nggggh… Nicht der Hundeblick…

Gabriel hört nicht auf, seine Augen noch größer und nass-glänzender werden zu lassen. Hinzu kommt noch ein leises Winseln und Leons Wille ward gebrochen.
Leon: I-ist ja gut!! I-ich frag ihn… …er wird dir den Kopf abreißen, wenn du ihm keinen guten Grund nennst… Wie willst du ihm eigentlich erklären, dass du plötzlich so viel mehr wissen willst? Meinst du nicht er wird Lunte riechen?
Gabriel: Ähm… Ich hatte gehofft, dass du ihn überredest.
Leon: Ich… soll ihn dazu überreden, dir Sex mit Abel zu erlauben?
Gabriel: Naaaaaaaain. Du sollst ihn überredet, mir Sex mit ihm zu erlauben.

Leon hört auf, in der Schüssel zu rühren und glotzt seinen Bruder an. Es vergehen Minuten des Schweigens.
Leon: Bruder…!! Siehst du nicht wie frustriert ich bin…??!!

Der jüngere deutet in sein gestresstes Gesicht. Es ist schwer für einen Dämon, einen Menschen zu lieben, ihm aber nicht nah sein zu können, weil dieser es vorzieht, seinen kleinen Bruder vor einem anderen Dämon zu beschützen und die ganze Nacht vor einer Schlafzimmertür Wache zu schieben. Situation frei erfunden. Doch Gabriel lässt sich in einen Stuhl fallen und seufzt resigniert.
Gabriel: Michael… es klingt vielleicht dumm… aber…

Abel bedeutet mir etwas… Als ich ihn heute morgen berühren durfte… seine Geräusche, seine Stimme, sein Anblick… Es war alles viel intensiver, als ich es je bei einem Dismentis erlebt hatte. Es war anders…
Leon: Das klingt nicht dumm… Ich kann nachvollziehen was du meinst… Du bist verliebt.

patreon_logo[Kleines Dankeschön für meine Supporter]

Gabriel guckt überrascht aus der Wäsche.
Gabriel: Ich bin was?!
Leon: Verliebt. Du hast doch gewusst, worauf du dich einlässt, als du mit ihm diesen Teufelspakt abgeschlossen hast.
Gabriel: Äh, nein, eigentlich nicht. Es doch natürlich für einen Dämon, Menschen zu töten. Daher dachte ich, wenn mich der Teufelspakt an ihn bindet, besteht keinen Grund mehr ihn zu töten. Dass es auf so viel… äh… Liebe… hinausläuft, davon war ich nicht ausgegangen.
Leon: Aber es ist doch nicht schlimm, oder?

Gabriel: Ich weiß nicht. Der Punkt ist… ich will Abel nicht weh tun. Aber wenn ich über ihn herfallen sollte, will ich in der Lage sein, die Anzeichen zu erkennen. Ich will es richtig machen.
Leon: Dann musst du dich gedulden, Gabriel. Er ist noch ein Kind, das musst du bedenken. Menschen werden nicht mit einem sofortigen Bewusstsein und vollkommenem Körpergefühl geboren, wie Dämonen. Sie müssen das erst lernen und hineinwachsen.
Gabriel: Heute früh haben wir lange gekuschelt… wirklich lange…
Leon: Du hast ja auch nichts falsches gemacht. Es ist sehr gut und schön wenn ihr euch so schnell aneinander gewöhnt. Aber Gabriel, schau dir Abel an. Er ist zwölf. Vergleich ihn mal mit Noel. Noel ist bereits 17, fast 18. So viele Jahre sind meist auch nötig, damit ein Mensch seinen eigenen Körper kennenlernt. Abel kennt seinen eigenen Körper noch nicht einmal gut, geschweige denn kann er seine Grenzen einschätzen. Du wirst dich gedulden müssen, wenn du nicht willst dass er kaputt geht.
Gabriel: Aber wenn es soweit ist, will ich vorbereitet sein. Ich will wissen, wie es geht.

Leon hatte gehofft, durch das Gespräch hätte Gabriel vergessen, worauf er ursprünglich hinaus wollte.
Leon: …Mjah. Aber… egal wie oft du an Noel übst, er wird nie so sein wie Abel. *FASS MEINEN BESITZ NICHT AN*
Gabriel: Ich will wissen, wie man es anstellt, dass sich der Junge gut dabei fühlt.
Leon: Das ist auch durchaus wichtig…
Gabriel: Überlässt du mir Noel dafür?
Leon: …wenn er zustimmt.
Gabriel: ICH soll ihn fragen?! Ich dachte, du machst das.
Leon: Du hast Angst vor ihm, oder?

Gabriel nickt.
Leon: Na gut. *wenn er ja sagt werde ich mehr als nur eifersüchtig sein*

Leon erhebt sich. Das Gespräch ist nicht so verlaufen, wie gehofft. Er konnte Gabriel zwar davon abbringen, sich auf Abel zu stürzen, aber jetzt war Noel in seinen Fokus gerückt. Noel hält viel aus, aber Leon missfiel der Gedanke, dass Gabriel sich an seinem Besitz vergreifen konnte, wo er selbst doch nicht mal durfte.

Noel sitzt mit Abel im Musikzimmer. Abel sitzt zwischen seinen Beinen und klimpert fröhlich auf dem Flügel herum. Leon stellt sich in den Türrahmen, beobachtet die beiden erst eine Weile. Es ist schon irgendwie ein schönes Gefühl, für ein kleines Kind etwas gutes zu tun. Noch vor ein paar Jahren wäre Abel sicher auch in Leons Beuteschema gefallen. Aber es hatte sich ja alles geändert, seit er Noel kennt. Leon klopft leise an den Türrahmen.
Leon: Entschuldigt die Störung ihr zwei…
Noel: Leon. Was ist?
Leon: …Jeune Comte, ich muss euch eine wichtige Frage stellen. Es geht um Ga- Vincent.

Noel hat eine gewisse Allergie gegen Gabriel aka Vincent entwickelt. Wann immer er seinen Namen hört, wird sein Gesicht finster. Doch bevor Leon fragen kann, was er fragen möchte, quietscht Abel ihm dazwischen.
Noel: Wenn es nicht darum geht, ihn rauszusch-…
Abel: Njelnitschka!! Da fällt mir ein, ich muss dir noch sagen was Vincent heute früh schönes mit mir gema-

Leon hechtet zu dem Klavierhocker und hält Abel schnell den Mund zu, schon kommen sehend, was passiert, wenn Noel die Lunte riecht. Doch Noel versteht zu schnell.
Noel: Wie bitte?!

Abel nickt nur fröhlich, plappert unter Leons Hand weiter und die Wortfetzen, die Noel aufschnappt, werden immer eindeutiger.
Noel: WIE BITTE?! Er hat was getan?!
Leon: Er hat nur geträumt, der Kleine. Vincent würde doch nie-
Abel: Ich hab nicht geträumt!!

Noel kocht bereits wieder vor Wut. Leon versucht die Situation zu entschärfen und deutet Noel an, mit in den Gang zu kommen.
Leon: …kommt bitte erst einmal mit raus, Jeune Comte.
Noel: …wartest du hier auf mich, Abel? Bin gleich zurück.

Obwohl Noel gegenüber Leon keine Probleme hat, seiner Wut freien Lauf zu lassen, ist er Abel gegenüber immer ruhig und beherrscht, streichelt dem kleinen noch lächelnd über die Wange, der brav nickt. Dann folgt er Leon nach draußen und schaltet den Rage-Modus erneut an.
Noel: Was?!!

Leon seufzt. Was jetzt kommt, wird nicht einfach.
Leon: …schlagt mich nicht deswegen.
Noel: Weswegen?
Leon: Ach, ähm… wegen NICHTS. Schon komisches Zeug was der Kleine träumt.
Noel: Leonnn. Siehst du die Ungeduld in meinem Gesicht?
Leon: Ich mach’s kurz. Gabriel fragt, ob er das von neulich wiederholen darf. Und ob er diesmal weiter gehen darf. Er will lernen, damit er Abel IRGENDWANN SPÄTER nicht wehtut.

Leon geht unbewusst einen halben Schritt zurück, um sich notfalls vor dem Noel-Vulkanausbruch in Sicherheit zu bringen.
Noel: Warum fragst du? Natürlich mach ich das.

Das war Noels trockene und sachliche Antwort, die ohne langes Zögern kam. Leon glotzt wie erschossen. Er hat damit gerechnet, dass Noel Gabriel das Fell über die Ohren zieht. Stattdessen hat Gabriel jetzt freie Bahn. Und Leon nicht. Doch Noel führt seine Entscheidung weiter aus.
Noel: Es geht hierbei um Abel. Ich mache es für ihn. Auf die Art kann ich Gabriel auch besser im Auge behalten und ihm notfalls mit dem Hammer auf die Finger dreschen. So erzieht man einen Dämon.
Leon: Wann wäre es euch denn recht?
Noel: Sofort.

~*~

Nachdem Abel mit einem Teller Waffeln und einen leichten Puzzelspiel beschäftigt wurde, versammeln sich die übrigen drei in Michaels Schlafzimmer. Die Stimmung ist – nett ausgedrückt – frostig. Leon ist neidisch und eifersüchtig zugleich, Noel macht den Eindruck, als wolle er Gabriel jeder Zeit den Kopf abreißen und Gabriel hat so viel Angst vor dem Häufchen Cholerik, dass er sich nicht traut, irgendetwas zu tun.
Leon: Na los, Gabriel. Zeig, was du schon weißt.
Gabriel: Äh….?! Ich glaube, er beißt.
Noel: Worauf du einen lassen kannst.
Gabriel: Wäh, erklär dich nich bereit, wenn du’s nicht machen willst.
Leon: Gut, dann so wie letztes Mal.
Noel: Selber wäh!!! Geh doch Dismentis kaputt machen.
Leon: RUHE!
Gabriel: Selber selber wäh!!!! Geh doch heulen.
Leon: Das ist ja nicht zum aushalten!!
Noel: Ich hol gleich einen Vorschlaghammer. Dann werden wir sehen, wer zuerst heult!
Leon: NOCH SO EIN SATZ UND ICH LASS EUCH MIT EUREN SEX-PROBLEMEN ALLEIN!!

~*~

Es vergehen einige Stunden, in denen Leon irgendwie versucht Gabriel zu erklären, dass man mit einem Menschen nicht alles machen kann, was man will. Er lässt es ihn an Noel probieren, zum Leidwesen Noels, der unter Gabriels groben Gewohnheiten zu leiden hat. Tatsächlich bricht Noel irgendwann ab, erschöpft und genervt von Gabriels Trampelattitüde. Er verbringt mit Leon noch einige schöne Momente allein und ungestört. Am Ende kuscheln beide, erschöpft aber zufrieden.
Leon: Verzeihung…
Noel: Warum entschuldigst du dich?
Leon: …weil…es sich nicht gehört… einfach in jemand anderes Mund…
Noel: Ich hatte dich gebeten, mich nicht aufzuhalten.
Leon: Ja.

Noel lehnt seine Stirn an Leons Brust. Leon schaut zu seinem Partner herunter und lächelt ein wenig, befühlt die Stelle, an Noels Schulter, in die er gebissen hat.
Leon: Blutet es noch?
Noel: Lass es bluten…
Leon: Wie ihr wollt…
Noel: Leon… das, was du Gabriel erzählt hast…
Leon: Hm? Was meint ihr?
Noel: Es läuft alles auf eine Sache hinaus… Vertrauen… und ich vertraue dir… daher liebe ich alles, was du mit mir machst… Auch wenn du mich beißt oder wenn du in meinen Mund kommst.
Leon: Ich liebe euch.

Leon lächelt und küsst Noel. Für beide ist nicht einsichtig, dass Gabriel die ganze Zeit vor der Tür saß, durchs Schlüsselloch gesehen hat und sich Notizen gemacht hat.
Gabriel: Wenn man lieb zu dem Menschen ist, kommt er von selbst zu einem zurück, auch wenn er erschöpft ist und Dinge tun muss, die er nicht mag. Aha aha aha.

Abel kommt aus dem Musikzimmer getappst und läuft Gabriel direkt in die Arme.
Abel: Vinceeeent…
Gabriel: Abel… Was ist denn?
Abel: Hast du Njelnitschka gesehen? Er wollte zurückkommen und mit mir spielen, aber er ist weg..
Gabriel: Er ist gerade sehr beschäftigt. Mach dir keine Sorgen um deinen Bruder, er hilft nur gerade Michael bei einer wichtigen Sache.
Abel: Wer ist Michael?
Gabriel: Na… mein Bruder.
Abel: Der heißt Leon, sagt Njelnitschka.
Gabriel: Ich nenn ihn Michael.
Abel: Ach so.

Gabriel glotzt immer etwas überfordert, wenn das kleine Bündel Mensch etwas von ihm will. Abel nickt nur.
Gabriel: Ich kann doch mit dir spielen.

Abel strahlt sofort wieder übers ganze Gesicht.
Abel: Ja??
Gabriel: Ja, selbstverständlich. Dafür bin ich doch da.

Gabriel deutet auf die mit Abel ausgetausche Haarlocke an seinem Hinterkopf.
Gabriel: Du weißt doch noch. Das verbindet uns. Für immer.
Abel: Ja! Lass uns Verstecken spielen!!
Gabriel: Gut, wie du meinst.
Abel: Ich zähle!!

Abel dreht sich begeistert zur Wand und fängt gleich an laut zu zählen.
Abel: Bis… zwölfunddreißig!!
Gabriel: Zwölfunddreißig?
Abel: Eins!!! Sennss!!! Vivv!! Dreißig!!! Elfdreißig!!! Vif-
Gabriel: Hey, warte mal.

Gabriel dreht Abel wieder zu sich und nimmt sanft seine Hände von den Augen.
Gabriel: Hast… hast du nie zählen gelernt?

Abel wird ganz stumm. Diese Frage scheint ihn zu treffen, hatte er sich Versteckspielen doch irgendwie anders vorgestellt. Langsam schüttelt er den Kopf und schämt sich dafür. Gabriel ist mit seinen Gedanken schon an einem Plan, was man tun könnte und bemerkt gar nicht, wie Abel immer trauriger wird.
Abel: …Ich bin nicht dumm…! …Die Erwachsenen hatten nur keine Zeit uns allen das beizubringen…!!

Wiedereins überfordert entwickelt Gabriel doch schnell Mitgefühl für den mittlerweile leise schluchzenden Abel und nimmt ihn in den Arm.
Gabriel: Nein! Du bist nicht dumm. Nur weil man eine Sache nicht weiß, ist man noch lange nicht dumm. Ich kann dir die Zahlen beibringen. Ich kenne ’ne Menge Zahlen.

Sofort lächelt Abel wieder.
Abel: Ja??
Gabriel: Komm mit.

Gabriel nimmt Abel auf den Arm und reißt die Tür zu Leons Schlafzimmer auf, in dessen Bett Leon über Noel gebeugt ist.
Gabriel: Eh, Michael, ich hab‘ ’ne Frage. Gibt es hier irgendwo eine Tafel und Kreide?

Leon ist im ersten Moment zu überrascht über dieses unkorrekte Eindringen. Noel sieht so aus, als könne er Gabriel wiedereins den Kopf abreißen. Abel hingegen reißt die Augen weit auf, als er denkt, dass Leon Noel gerade erdrückt. Er springt von Gabriels Arm und klopft auf Leons Schulter herum.
Abel: KYAAAAH!! W-was… WAS MACHST DU MIT NJELNITSCHKA??! Du machst ihn ganz platt!! Geh runter!!
Leon: Gabriel… Nicht nur, dass man sowas mit kleinen Kindern nicht machen sollte, kleine Kinder sollte bei sowas auch nicht zusehen.
Gabriel: Oh… OH!!!!

Sofort krallt Gabriel nach Abel, zieht ihn von Leon weg und hält ihm die Augen zu.
Gabriel: Dassssss notier ich mir dann später auch.

~*~

Nachdem Abel erklärt wurde, dass Leon und Noel nur gekuschelt haben, kommen Gabriel und er doch noch zu ihrem Versteckspiel, bei dem sich Abel unterm Bett versteckt und völlig staubig wieder herauskommt. Ein warmes Bad – Abels erstes warmes Bad, soweit er denken kann – und die Erfahrung, dass Badeöl nicht schmeckt, später – wobei Gabriels Kopf unfreiwillig Bekanntschaft mit dem Badewannenrand gemacht hat – wickelt Gabriel Abel in ein Handtuch, das so groß ist, dass Abel fast vollständig in ihm verschwindet.

00077kmw

Gabriel: Ich mag deine hellen Haare.
Abel: …Ich nicht…
Gabriel: Nicht? Wieso?
Abel: …Die… …die Erwachsenen haben mich gehauen …und die Kinder… wollten nie mit mir spielen… Sie sagten, ich komme vom Teufel.
Gabriel: Das sind Idioten.

Abel gibt Gabriel einen Klapps auf den Mund.
Gabriel: Ah—
Abel: So ein böses Wort nimmt man nicht in den Mund!
Gabriel: Was?? So, jetzt hör mal zu, du Winzling, ich lass mich nich von dir beleidigen!
Abel: Das hab‘ ich gar nicht gemacht!

Abel verschränkt die Arme und zieht eine Schnute.
Gabriel: Hör mal, du hast mich gehaun!
Abel: Weil du böse warst! …Es… …darf nur geflucht werden… …wenn… … …wenn jemand böse ist…
Gabriel: Na und??!!! Wer dich wegen deiner Haare nicht mag, der ist böse! … Ich mag… deine Haare… Ich finde sie wunderschön.
Abel: Manchmal… bist… du komisch… Vincent…
Gabriel: Findest du…?
Abel: Aber ich mag dich!!
Gabriel: Ich mag dich auch…

Er rubbelt Abel ein wenig trocken, fährt dabei mit der Hand über Abels Brust, spürt sein kleines Herz darunter schlagen und verliert sich wieder etwas in dem Gefühl.
Gabriel: Ein menschliches Herz…

Es ist einen Augenblick still zwischen beiden, in dem nur zu hören ist, wie das Badewasser langsam im Abfluss versinkt. Plötzlich kommt Abel ein Gedanke und er reißt die Augen auf.
Abel: VINCENT!! H-HAST DU SOWAS AUCH???

Gabriel verwirrt diese Frage und er sieht Abel überrascht an. Bevor ihm eine passende Antwort darauf einfällt, legt Abel sein Ohr an Gabriels Brust und lauscht.
Gabriel: …Ich bin ein Dä-…

Abel schließt die Augen und konzentriert sich. Er hört nichts. Kurz denkt er, dass er an der falschen Seite horcht und rutscht mit seinem Ohr auf die andere Seite. Gabriel sinkt ein wenig in sich zusammen.
Gabriel: Dämonen… haben kein menschliches Herz…
Abel: A-aber… du…hast mich trotzdem lieb…?

Abel stellt sich auf und küsst Gabriel. Dieser glotzt erst wieder dumm, schließt Abel dann sofort in die Arme.
Gabriel: Und wie ich dich lieb habe.
Abel: Dann… hast du bestimmt ein Herz. Es schläft bestimmt nur!

Gabriel erinnert sich an die Worte seines Bruders, dass der Mensch es ist, der das Herz eines Dämons zum Schlagen bringen kann. Gabriel ist überrascht, wie nah Abel mit seinem Märchen an der Wahrheit ist. Oder ist ihm das gar bewusst?
Gabriel: A-abel…
Abel: Ah! Ich weiß! Das Monster!!
Gabriel: Das Monster?!
Abel: Das Monster hat dein Herz eingeschläfert!! Und deswegen bist du so traurig!! Warte… ich…
Gabriel: Hm?
Abel: Ich kann das!
Gabriel: Du kannst was?!

Abel hebt die Hände und batscht sie an Gabriels Brust. Er schließt die Augen und murmelt leise etwas.
Gabriel: He, was wird d-?
Abel: Psht! Ich wecke dein Herz!

Gabriel schweigt. Der Kleine wird schon wissen, was er tut. Still wartet Gabriel ab, bis Abel fertig ist mit seiner Herzweckerei. Er versucht zu verstehen, was Abel da murmelt bis ihm schließlich auffällt, dass Abel betet. Er sieht den Kleinen ganz entgeistert an.
Abel: …der Vincent braucht sein Herz ganz dringend zurück… …Lieber Gott, du siehst doch wie traurig er ist… …Das Monster ist weg, aber es hat das Herz nicht aufwachen lassen… …Mach doch, dass das Herz zurückkommt und aufwacht… …Vincent ist bestimmt noch viiiiel lieber mit Herz…

00078kmw

Traurig legt Gabriel seine Hand auf Abels Kopf und unterbricht ihn. Abel sieht zu Gabriel hoch.
Gabriel: Abel… warum bittest du Gott darum? Gott interessiert sich nicht für Wesen wie mich…

Abel: Gott hat dich lieb! Gott hat alle lieb!
Gabriel: Es gibt nur einen, der die Macht hat, mein Herz zu wecken.
Abel: Wer denn? Sag doch bitte wer… Ich such ihn für dich!!
Gabriel: Warum willst du das alles für mich tun, Abel?
Abel: Ich hab‘ dich lieb…!
Gabriel: Du kennst mich erst seit so kurzer Zeit. Du weißt gar nichts über mich.
Abel: J-ja… aber—
Gabriel: Du weißt nur, dass als das Monster noch in mir war, ich dir weh getan habe.
Abel: …nhh…aber-
Gabriel: Wie kannst du nur so zu mir sein…?

Abel schluchzt leise.
Gabriel: Wie kannst du mich so gern haben?
Abel: …weil du mich nicht alleine lässt…!!

Als Abel in Tränen ausbricht legt Gabriel zwei Finger an seine Stirn und der Junge schläft augenblicklich ein. Er trägt ihn in das Gästezimmer, legt ihn dort ins Bett, deckt ihn zu und bläst die Kerzen aus.
Gabriel: Michael…? Ich weiß, du kannst mich hören. Ich muss mit dir reden.

In der nächsten Sekunde steht Leon in der Tür, sieht Gabriel ernst an.
Leon: Was gibt es?
Gabriel: Ich hab‘ mal eine wirklich dumme Frage.
Leon: Immer her damit, das bin ich doch von dir sowieso gewohnt.
Gabriel: Hattest du schon mal das Gefühl in dir, weinen zu müssen…? Versteh mich nicht falsch, Dämonen können nicht weinen, das ist mir klar und wir können auch sowas wie Trauer oder Bedauern nicht empfinden… aber…

Gabriel sieht zum Boden. Zu vollgestopft ist sein Kopf mit Zweifel und Fragen, als dass er auch nur irgendeinen Gedanken vernünftig formulieren könnte. Doch Leon versteht seinen Bruder auch ohne Erklärungen. Er lächelt.
Gabriel: Dieser Junge… Er-… er stand vor mir… und er hat gebetet.
Leon: Gebetet?
Gabriel: Er hat für mich gebetet, dass mein Herz aufwacht. Er hat zu Gott gebetet.
Leon: Nun… der christliche Glaube besagt, dass Gott alle liebt.
Gabriel: Ich hab‘ ihn gefragt, wie er sowas tun kann. Wie er so lieb zu mir sein kann. Wie er steif und fest behaupten kann, mich gern zu haben. Er fing an zu weinen. Er hatte keine Antwort. Und ich…
Leon: Gabriel… darf ich dir eine Gegenfrage stellen? Hättest du mir mit 19 einen Grund nennen können, warum du mich heiraten wolltest?
Gabriel: Hm… ich mochte dich… und ich wollte nicht, dass du gehst.
Leon: Siehst du. Schau dir Abels Vergangenheit an. Als die Mutter ein Baby mit so einer außergewöhnlichen Haarfarbe zur Welt brachte, wurde sie als Hexe verbrannt. Die Menschen sind sehr abergläubisch. Von da an wurde er von einem Waisenhaus ins andere geschoben, alle behaupteten er wäre das Kind des Teufels… und der einzige von dem er glaubte, dass er ihn liebte, war Gott. Und jetzt hat er dich.
Gabriel: Ja, aber ich!!! Verstehst du, ich!!! Ich bin Teil seiner schrecklichen Vergangenheit!!! Ich habe ihn misshandelt! Ich habe ihn geschlagen! Warum tut mir das jetzt so weh?
Leon: Gabriel. Beruhige dich.

Gabriel krallt die Finger in seine Haare. Leon nimmt ihn in die Arme.
Leon: … Die Schuld zerfrisst dich, oder?
Gabriel: Ich-….
Leon: Und das nur wegen Abel? Und du behauptest dein Herz schläft noch?
Gabriel: Ich kann plötzlich nicht mehr lügen. Ich wollte ihm eine kleine Lüge auftischen… und ich konnte nicht und als-… als ich die Möglichkeit hatte, das, was wir heute geübt hatten, an ihm durchzuziehen… konnte ich es nicht… ich konnte nicht!
Leon: Gut gemacht.
Gabriel: Was?
Leon: Gut gemacht. Dann hat er das „Monster“ wohl endgültig verjagt. Dieser Junge ist unglaublich.
Gabriel: …
Leon: Gabriel. Dein Herz ist schon wach. Du musst es nur noch akzeptieren.
Gabriel: Mein Dismentis soll mein Herz geweckt haben??
Leon: Er ist nicht dein Dismentis.
Gabriel: Doch natürlich… ich mag ihn jetzt nur sehr… aber er ist doch noch immer mein Dismentis.
Leon: Um genau zu sein… bist DU durch den Teufelspakt jetzt SEIN Dismentis.
Gabriel: Wa–??
Leon: Deswegen kannst du auch nicht mehr lügen.
Gabriel: Aber-….
Leon: Aber?
Gabriel: Das is doch…. Schwachsinn
Leon: Solange du eine Locke von im trägst, ist es Realität.
Gabriel: Was soll ich denn jetzt machen? Seine Seele fressen?
Leon: Was willst du denn?
Gabriel: Ich will ihn…. Aber nicht als Dismentis…
Leon: Dann mach die Augen auf. Er will dich auch! Willst du das nicht begreifen?
Gabriel: Er ist doch noch ein Kind. Er weiß garnicht, was er redet.
Leon: Er ist in mancher Hinsicht weiser als du.
Gabriel: Er mag mich, aber er…
Leon: Was?
Gabriel: … Wäre ein anderer statt meiner gekommen und hätte ihn von der Straße geholt, hätte Abel für den gebetet… nicht für mich… Ich bin derjenige, der ersetzbar ist.
Leon: Hätte jemand anderes ihm so ein unbrechbares Versprechen geben können? Nein, Gabriel. Das kannst nur du. Nur du kannst für ihn da sein, solange er lebt.

Gabriel lehnt sich gegen die Wand, rutsch an ihr herunter. So viele neue Dinge in seinem Kopf. Leon kniet sich zu ihm.
Leon: Hey, Bruderherz.
Gabriel: Michael…
Leon: Ja?
Gabriel: Ich bin froh, dass ich dich hab’…
Leon: Ohne mich wärst du auch hilflos aufgeschmissen.

Gabriel zwickt Leon in die Wange.
Leon: Nhhh!!
Gabriel: Du bist doch nur neidisch auf mich.
Leon: Weswegen bitte?
Gabriel: Wegen Abel.
Leon: ICH KANN RAN, WANN IMMER ICH WILL!
Gabriel: Duhu…?
Leon: Hm?
Gabriel: Muss ich jetzt auch so bescheuerte Klamotten anziehen, wie du?
Leon: Du hast einfach keinen Sinn für Ästhetik.
Gabriel: Und du hast keinen Sinn für Humor. Kommt ein Dämon zum Leichenbestatter… haha…

Im Gästezimmer dreht sich Abel ein wenig unruhig um. Gabriel hebt sofort den Kopf und geht zu ihm. Er legt seine Hand an Abels Wange und stellt fest, dass er ganz heiß im Gesicht ist, sein Puls geht schneller und er wirf den Kopf leicht hin und her. Etwas ängstlich und unbeholfen rüttelt Gabriel Abel wach. Dieser schreckt plötzlich hoch.
Abel: N-nein!! …. …. Vincent…

Abel schaut erschrocken zu Gabriel hoch, welcher ihn gleich in den Arm nimmt und über den Kopf streichelt.
Gabriel: Du hast schlecht geträumt. S-soll ich die Nacht bei dir bleiben?
Abel: Ja…!
Gabriel: Na gut, rutsch ein Stück.

Gabriel zieht seine Schuhe aus, legt sich zu Abel ins Bett und nimmt ihn gleich wieder in den Arm.
Abel: …Du wolltest weggehen…
Gabriel: Ich?
Abel: …Vorhin…
Gabriel: Es tut mir leid. Ich wollte dich nicht verärgern.
Abel: Du bist einfach gegangen. Ich hab‘ es gemerkt.
Gabriel: Was?? Du weißt, was passiert ist?!
Abel: …und irgendwann… gehst du… weg… und lässt mich alleine hier…
Gabriel: Nein, nein! Ich will bei dir bleiben. Für immer. Der Pakt, der uns verbindet. Er hat eine tiefere Bedeutung, als nur die Verbundenheit. Es ist eine Art Beziehung, die ein Dämon mit einem Menschen eingeht.
Abel: …I…ich dachte wir sind Freunde…
Gabriel: Menschen und Dämonen können nicht einfach Freunde sein. Ich wäre gezwungen, dich früher oder später zu töten.

Abels Blick wird immer unsicherer. Er versteht immer weniger von dem, was Gabriel versucht, ihm zu sagen.
Abel: …
Gabriel: Daher… … nh… aber wenn du das nicht willst, ist das auch in Ordnung… ich richte mich nach dir. Ganz egal was…

Abel schluchzt leise. Gabriel verfällt in völlig Panik, da er nicht mehr weiß, was er Abel noch sagen könnte, um ihn zu beruhigen. Er hat ein kleines Kind vor sich und keine Ahnung, wie man mit einem kleinen Kind redet oder ihm komplizierte Dinge erklärt.
Abel: …Also können wir keine Freunde sein…?
Gabriel: Sollen wir Freunde sein?
Abel: Ja…
Gabriel: Dann sind wir Freunde. Siehst du, so einfach ist das.
Abel: …J…ja…
Gabriel: Wir sind Freunde. Die besten Freunde.

Abel wischt sich über die Augen, richtet sich etwas auf und gibt Gabriel einen Kuss.
Abel: Ich mag das…!
Gabriel: Ich auch…
Abel: I-ich mag das wirklich…! Bitte hör nie auf damit…!

Gabriels Lächen erstibt ein wenig.
Gabriel: Du weißt doch gar nicht, was du sagst.
Abel: …I-ich weiß sehr wohl was ich sage…!
Gabriel: Ah-..
Abel: …Ich bin nicht dumm… …Bin ich nicht…!

Gerade war sich Gabriel noch sicher, die Situation gerettet zu haben, doch jetzt schien wieder alles den Bach runterzugehen. Menschen waren sowas von kompliziert.
Gabriel: Ich… Du… du hast recht, Abel. Verzeih mir…
Abel: …H… …hör auf…
Gabriel: Was? Womit? Hab‘ ich was falsch gemacht?
Abel: …A…alles was du sagst klingt… … …so einstudiert…als… ob du etwas ganz anderes sagen willst…!!

Gabriel weicht Abels Blick aus. Der Kleine hatte etwas in ihm getroffen. Es wird still im Raum. Der Dämon weiß nun gar nicht mehr, was er jetzt noch sagen oder tun soll. Die Wahrheit würde nur verletzen oder missverstanden werden. Lügen kann er nicht mehr. Es gibt gar keine andere Möglichkeit, als das Falsche zu tun.
Gabriel: Ja… das ist wahr… Ich will etwas anderes sagen… Du bist wirklich sehr schlau…
Abel: …Was…willst du denn anderes sagen?
Gabriel: Abel… sag, vertraust du mir?
Abel: Ich… ich kann nicht…
Gabriel: Warum…?
Abel: …I-ich verstehe dich nicht…
Gabriel: Weißt du was…?

Gabriel setzt sich auf, streicht seine Haare zurück und seufzt. Abel setzt sich auch auf, wischt sich die Tränen weg und hört Gabriel aufmerksam zu.
Gabriel: Da sind wir schon zwei… Die Wahrheit ist… ich hab keine Ahnung, was mit mir los ist.
Abel: …Bist du krank…?
Gabriel: Seit das Monster weg ist, hab‘ ich mich so arg geändert. Ich weiß nicht mehr, wo oben und unten ist. Ich sag komische Dinge, fühle komische Dinge. Die ganze Welt hat sich auf den Kopf gestellt.

Abel krabbelt auf Gabriels Schoß, kuschelt sich an ihn.
Gabriel: Aber weißt du, wenn du bei mir bist, dann hab‘ ich das Gefühl, dass alles halb so wild ist.

Abel sieht zu Gabriel rauf und hat eine erwachsene Ernsthaftigkeit in seinem Gesicht, die Gabriel für einen Augenblick sprachlos werden lässt.
Abel: …Als die Welt sich kopfgestellt hat, bin ich dir in den Schoß gefallen… Ob das gut oder schlecht ist, musst du entscheiden…

~*~

Es vergehen Tage, Wochen, Monate, in denen das Vierergespannt zu einem Alltag findet, der fünfzig prozent aus Streiterei besteht und die anderen fünfzig Prozent aus Gekuschel. So begab es sich, dass sich Noel wiedereins auf einen Ball vorbereitet und sich in ein enges Kleid zwängte. Abel war in der Zeit ein wenig gewachsen und saß mit großen Augen auf Noels Bett, seinen Bruder beobachtend.

Abel: Njelnitschka, warum ziehst du dich um? Gehst du schon ins Bett?
Noel: Nein. Leon geht auf einen Ball. Ich bin seine Begleitung. Ich muss mich dafür ein bisschen aufbretzeln.
Abel: Aber… Kleider sind doch für Mädchen.
Noel: Sagt wer? Hm?
Abel: Öh…
Noel: Ich hatte bisher immer ein Kleid an, wenn ich mit Leon auf einen Ball gegangen bin.
Abel: Warum?
Noel: Weil… Nunja… Leon findet mich darin schön… Und… naja, das ist schwer zu erklären. Sagen wir, unter Dämonen ist es üblich, dass… die Partner von Dämonen unbequeme Kleidung tragen. Leon würde mich nie dazu zwingen, wenn wir unter uns sind, aber wenn er unter anderen Dämonen ist, müssen er und ich auch gewissen Regeln folgen.
Abel: Achso?
Noel: Weißt du, wenn man mit einem Dämon zusammen ist, dann ist einem egal, was man trägt oder was man ist oder wie man sich gibt oder was für einen Rang man hat. Wenn er dich nur liebt, dann bist du bereit, alles für ihn zu tun. Selbst wenn du dich in ein enges Kleid zwängen musst, um unter anderen Dämonen nicht aufzufallen.
Abel: Aber du bist doch auch so schön. .
Noel: Danke… Stell es dir einfach vor, wie einen Kuchen. Ich bin ein Kuchen für Leon. Der is lecker und Leon hat ihn gern. In dem Kleid bin ich Kuchen mit Streuseln drauf. Es ist der selbe leckere Kuchen, aber eben mit einem kleinen leckeren Extra. Verstehst du?
Abel: Ja.
Noel: Trage ich Jungsklamotten, dann bin ich Kuchen mit Glasur. Trage ich meine Dienstkleidung, bin ich Kuchen mit Schokoladensoße. Trage ich ein weißes Hemd und sonst nichts, bin ich Kuchen mit Schlagsahne.
Abel: Und was bin ich, wenn ich Mädchenklamotten anziehe?
Noel: … Ein Muffin…

Noel kichert leise bei der Vorstellung, aber Abel rafft die Pointe nicht wirklich.
Noel: Naja, da musst du Vincent fragen.

Sofort rennt Abel aus dem Zimmer und ruft nach Gabriel.
Abel: Vinceeeeeeeeeent…
Noel: Ja, Wiedersehen, danke für’s Gespräch…

Gabriel sitzt in Abels Zimmer und versucht gerade ein Kartenhaus aufzustellen, als Abel reingerannt kommt und eine Frage aus der Kalten heraus stellt.
Abel: Vincent, soll ich Mädchenklamotten für dich anziehen?

Gabriel guckt ruckartig auf, wobei das Kartenhaus in sich zusammenpurzelt.
Gabriel: Was? Wie??
Abel: Und was bin ich dann?? Ein Muffin oder ein Kuchen??
Gabriel: Wie-…. wieso solltest du das tun?
Abel: N-na weil, wenn Njelnitschka Mädchenklamotten anzieht ist er ein Kuchen für Leon! Mit Streuseln!
Gabriel: *Aha, von so ’ner Siegelmagie hab‘ ich ja noch nie gehört.* *Muss den Dämon unbedingt finden, der die beherrscht.* Abel, was redest du da? Ich versteh kein Wort. Warum willst du Mächenklamotten anziehen?
Abel: Weil… weil vielleicht findest du mich dann schön?

Gabriel lächelt und streichelt Abels Wange.
Gabriel: Du bist schön, ganz egal, was du anhast.
Abel: Ehhhh? Findest du??
Gabriel: Natürlich.
Abel: Oh, ach so!

patreon_logo[Kleines Dankeschön für meine Supporter]

Draußen gehen Leon und Noel am Zimmer vorbei, um sich für den Abend zu verabschieden.
Leon: Also dann, ihr zwei… wir werden gegen Mitternacht zurück sein. Und Vincent… Noel möchte dir noch etwas bezüglich der „Hausordnung“ sagen.

 

Noel geht zu Gabriel, zerrt ihn an seinem Pulli zu sich und faucht ihm scharf ins Ohr.
Noel: Ich! Sehe! Alles!

Dann lässt er ihn los, knuddelt seinen Bruder nochmal und geht zurück zu Leon.
Noel: Mach’s gut, Petit Frère.
Abel: Tschüssiiiii…
Gabriel: Glmp:

Das Pärchen verlässt das Schloss. Abel und Gabriel sind allein.
Abel: Njelnitschka sah viel dünner aus als sonst.
Gabriel: Hm… jetzt wo du’s sagst. Dämonische Siegelmagie, die ich nicht kenne.

Abel befummelt seine Hüfte.
Abel: Nur hier.
Gabriel: Hm… Könnte an einem Korsett liegen.
Abel: Korwas?
Gabriel: Ein Korsett. Dieser Müll aus London. Das schnürt man Frauen um die Taille, damit sie schlanker aussehen und die Kurven mehr betont werden.
Abel: D-das tut doch weh!!!
Gabriel: Stell ich mir auch ziemlich unbequem vor. Dass Noel sowas für Leon macht… Dein Bruder muss meinen Bruder wirklich mögen.
Abel: Mhm…

Gabriel sieht zu Abel runter und im Bruchteil einer Sekunde stellt er sich Abel in einem Korsett vor, was dazu führt, dass seine Birne grunzrot wird. Abel kriegt davon nicht viel mit.
Abel: …Vinceeent, ich will was spielen.
Gabriel: Hä? Was?
Abel: Du hörst mir gar nich zu.
Gabriel: Äh… ja, Verzeihung. Was wolltest du?
Abel: Spielen!!
Gabriel: Was willst du denn spielen? Und mach nicht schon wieder diese Knatschmine. Du bist doch kein kleines Kind mehr.
Abel: I-ich bin erst zwölf!
Gabriel: Ein Junge in deinem Alter muss sich zu benehmen lernen.
Abel: Gar nicht…!
Gabriel: Doch!
Abel: Ich will lieber spielen.
Gabriel: Na schön. Was willst du denn spielen?

Abel dachte lange nach und nannte dann das einzige Spiel, das er kannte.
Abel: Ver… Verstecken.
Gabriel: Gut, wie du willst..
Abel: Zählst du…?
Gabriel: Ok.

Gabriel dreht sich um, legt seine Hände auf die Augen und fängt an zu zählen. Abel tappst sofort los. Seine erste Idee führt ihn in Bad, doch dort findet er nicht wirklich ein Versteck.
Gabriel: Ich komme!
Abel: W-warte!! Ich hab‘ noch keins!
Gabriel: Ja ja, ich zähl weiter.

Nunmehr rennt Abel in Noels Zimmer und kriecht in Noels Kleiderschrank.
Abel: Du kaaaaaaannst!
Gabriel: Dann komm ich eben jetzt!

Gabriel weiß aufgrund der Paktverbundenheit genau, wo sich Abel versteckt, aber er mag es, dass Abel Spaß daran hat und lässt sich daher bei der Suche absichtlich Zeit, ruft immer wieder Abels Namen und geht auffällig lange an dem tatsächlichen Versteck vorbei. Abel hockt leise kichernd im Schrank zwischen vielen – sehr vielen – verschiedenen Klamotten, die offenbar alle Noel gehören. Abel hat nicht sehr viel Platz, also versucht er ein paar der Kleidungsstücke beiseite zu drücken, dabei kippt ein ganzer Klamottenstapel auf ihn drauf, drückt ihn aus der Tür, Abel landet auf dem Teppich und wird unter einem Stoffhaufen begraben. Gabriel, der direkt daneben steht, glotzt erstmal doof, legt dann den Kopf schief und versucht Abel freizubuddeln. Eine kleine Hand greift nach seiner und holt er Abel aus dem Haufen.
Gabriel: Hey, Kleiner? Was machst du denn für Sachen?
Abel: Tut mir leid.
Gabriel: Ist alles in Ordnung?

Gabriel hebt Abel aus dem Haufen, dabei fällt ein rotes Stück Stoff, dass auf Abels Kopf lag auf den Boden. Gabriels Blick fällt sofort darauf und seine Gedanken schweifen etwas ab.
Abel: Ja. Danke…

Abel bemerkt Gabriels abwesenden Blick und folgt diesem auf den Boden, wo ein rotes Korsett liegt.
Abel: Lass uns was anderes spielen.

Gabriel reagiert nicht.
Abel: Was ist denn damit?

Abel betatscht das Korsett.
Gabriel: Es… es ist schön… finde ich.
Abel: Du willst es anziehen?
Gabriel: Nein…

Gabriel hebt das Korsett auf.
Gabriel: Würdest du… es für mich anziehen?
Abel: Aber… das tut doch weh.
Gabriel: Ja… vermutlich hast du recht… Dumme Idee.

Er räumt das Korsett zusammen mit den anderen Sachen zurück in den Schrank. Abel überlegt noch eine Weile. Was war gegen einen Muffin schon einzuwenden?
Abel: …nein! Äh- Warte. Ich mach’s!
Gabriel: Hm? Aber du hast doch gerade selber gesagt, dass es weh tut. Ich will dir nicht weh tun.
Abel: Das halt ich schon aus!

Abel klettert von Gabriels Arm und zieht sein Hemd aus. Gabriel steht noch etwas unschlüssig da, aber Abel scheint sehr entschlossen.
Gabriel: Abel….
Abel: Bitte…
Gabriel: Tust du das… für mich?
Abel: Mhm!
Gabriel: Dreh dich um…

Abel dreht sich mit dem Rücken zu Gabriel. Der Dämon legt ihm das Korsett.
Gabriel: Ist alles in Ordnung?
Abel: Ja…
Gabriel: Ich werd jetzt das Korsett zuschnüren. Wenn du es nicht mehr aushälst, sag sofort bescheid. Ich versprech dir, ich hör dann auf.
Abel: Ok.

Langsam schnürt Gabriel das Korsett zu. Abel ist ein wenig erschrocken darüber, wie schnell es in dem Stoff eng wird. Gabriel zieht ein zweites Mal an den Kordeln. Abel stürzt sich unbewusst mit den Händen am Schrank ab, hält aber still. Gabriel zieht ein drittes Mal.
Abel: Nhh…

Immer mehr von Abels weißer Haut verschwindet unter dem roten Stoff. Gabriel ist ganz gefesselt von dem Anblick und zieht ein weiteres Mal. Abel beißt die Zähne aufeinander.
Abel: …isses noch viel?
Gabriel: Hälst du es noch aus?

Gabriels Worte klingen leicht abwesend, als würde er gar nicht auf die Frage antworten. Seine Stimme wird tiefer.
Abel: J-ja… wie… wie viel ist es noch?
Gabriel: So viel, wie du noch erträgst.

Er zieht fester.
Abel: Nh…! Au…

Abel krallt seine Finger gegen die Schranktür. Er bemüht sich, für Gabriel durchzuhalten und tapfer zu sein, aber es tut weh, was Gabriel macht. Letztendlich wird es Abel zu viel.
Abel: …n-nicht mehr enger…

Doch Gabriel hört es nicht. Zu gefangen ist er in Abels Anblick und zieht das Korsett immer enger.
Abel: …a…au…!! …Vinc–…!! Hng…!! …Vincent…!!

Gabriel hört nicht auf. Abel hat immer größere Schmerzen und langsam wird ihm die Luft knapp.
Abel: …Vincent…!! Bitte aufhören…!! Ich krieg‘ keine Luft…!!

Gabriels Fangzähne sind zu sehen, als er sich langsam über die Lippen leckt, doch plötzlich tun seine Hände nicht mehr das, was er will. Er hält inne. In seinem Kopf hört er eine Stimme, ganz leise *Es tut weh!* *Ich krieg keine Luft*. Verwirrt schüttelt er den Kopf und merkt erst jetzt, dass Abel am ganzen Körper zittert, leise weint und schluchzt. Seine Gesichtszüge entgleisen im völlig. Erschrocken lässt die er die Kordeln vom Korsett los. Abel sinkt auf den Boden und kriecht zitternd in eine Zimmerecke.
Gabriel: A-abel…
Abel: …d… das Monster…

Gabriel streckt seine Hand nach Abel, um ihn zu trösten, doch Abel schreit erstickt auf und rennt aus dem Zimmer, rennt direkt in Noel rein. Dieser bemerkt das halboffene Korsett und wie sich Abels Haut darunter ein einer Stelle leicht bläulich färbt.
Noel: WAS IST HIER LOS?!!

Abel drückt sich in die Arme seines Bruders und weint bitterlich. Noel reißt das Korsett von dem Kleinen, legt ihm seine Jacke um und nimmt ihn in den Arm. Leon kommt dazu und sieht das Zimmer. Gabriel sitzt völlig verstört auf dem Boden, hat sein Gesicht in seinen Händen vergraben. Leon geht sofort zu ihm und nimmt ihn in den Arm.
Gabriel: Was hab‘ ich getan…? Was hab‘ ich getan…?

Noel bringt Abel in sein Zimmer, legt sich mit ihm ins Bett und hält ihn weiter im Arm, versucht ihn zu beruhigen.
Abel: …Das Monster ist wieder da…!!
Noel: Das Monster? Es ist wieder da?
Abel: …E..es war… es… ..es…war nur kurz da…! …Aber… es war da…!!
Noel: Hat es dir weh getan?
Abel: …I-ich wusste nicht, dass– …dass…
Noel: Was?
Abel: …dass ich es anlocke…
Noel: Wa-… Abel…
Abel: …V..Vincent… h… …hat mit mir verkleiden gespielt…a-aber dann… dann war dieses rote Korsett… so eng… dann hat er nicht aufgehört… auch als ich es wollte…. und… und….
Noel: Schon gut… shh…. Du musst nicht weiter reden.
Abel: Was ist mit Vincent…?? …Wo ist mein Vincent…??
Noel: Er…
Abel: …Wo ist er…?
Noel: Leon versucht wahrscheinlich gerade das Monster wieder zu verscheuchen.
Abel: …i-ich will zu Vincent…
Noel: Nein!

Abel zuckt zusammen. Noel hat das Verbot doch lauter ausgesprochen, als gewollt.
Abel: …W-warum nicht…?
Noel: Du siehst Vincent erst wieder, wenn ich sicher bin, dass das Monster weg ist.
Abel: Nh…
Noel: Ich hatte dir versprochen, dich zu beschützen.
Abel: …Ich…muss aber zu ihm….! …Jetzt…!
Noel: Wieso? Er ist vielleicht gefährlich.
Abel: Er ist nicht gefährlich…!!!
Noel: Er könnte dir wieder weh tun.
Abel: NEIN!

Noel sieht seinen Bruder mit großen Augen an.
Abel: Vincent tut mir nicht weh…!!
Noel: Abel…
Abel: Er hat mir versprochen, dass er mir nie weh tut…!! Außerdem hat er gesagt, dass nur ich das Monster für immer verjagen kann und sein Herz wecken kann! Ich muss das machen!! Nur ich kann das!!

Noel schüttelt den Kopf. Er duldet diesen Ungehorsam nicht. Zu viel Angst hat er um Abel und zu groß ist die Wut auf Gabriel.
Noel: Du bleibst hier drin.
Abel: Nein!!
Noel: Du tust, was ich sage! Hör auf deinen Bruder!!

Abel wendet den Blick zur Seite und nuschelt.
Abel: …du bist gar nicht mein richtiger Bruder…

Noel ist für einen Augenblick sprachlos, doch dann überwiegt wieder die Wut. Er steht auf, verlässt das Zimmer und schließt von außen ab. Er versucht Abels Rufen, dass er ihn raus lassen soll, und sein Schluchzen zu überhören und geht zu dem Zimmer, in dem Gabriel noch immer hockt.
Noel: Gabriel!!
Leon: Nicht, Jeune Comte–
Noel: Was hast du nur angerichtet? Was hast du dir dabei gedacht?
Leon: Jeune Comte, bitte.
Noel: Das ist ein kleiner Junge! Er ist zwölf! Er hat dir vertraut!
Leon: Jeune Comte!!
Noel: Und weißt du was? Er tut es immer noch! Er nimmt dich in Schutz! Er denkt, das Monster ist für das alles verantwortlich. Aber das stimmt nicht. DU bist dafür verantwortlich!! Du und nur du!! Was hast du-….!!!

Ein dumpfer Schlag ist zu hören, als Leon Noel eine Ohrfeige verpasst. Noel taumelt erschrocken ein paar Schritte nach hinten und es wird gedrückt still im Zimmer. Leons Fangzähne sind zu sehen, als er Noel entgegenknurrt.
Leon: … Rede NIE WIEDER so mit meinem Bruder.

patreon_logo[Kleines Dankeschön für meine Supporter]

Noel beißt die Zähne zusammen. Er gibt sich nicht so leicht geschlagen.
Noel: Was…. Was bildest du DIR EIGENTLICH EIN DIESES MONSTER IN SCHUTZ ZU NEHMEN??? Er muss dafür büßen!!! Er trägt die Schuld an allem!!! Er hat Abel nicht verdient!
Leon: Ein MICKRIGER MENSCH WIE DU kann nicht verstehen wie es ist, wenn man das, was man am meisten begehrt mit seiner Nähe zerstört!! DU hast keine Ahnung WIE SCHWER es für UNS ist!! …du hast kein Recht über ihn zu urteilen.

Leons Stimme ist kalt und zerreißend und bringt Noel sofort zum Schweigen. Es wird wieder still im Zimmer. Noel schluckt stumm. Leon kniet sich wieder zu seinem Bruder, nimmt ihn in den Arm.
Gabriel: Er hat Recht…
Leon: Hat er nicht. Hör nicht auf ihn.

Noel hält seine geschlagene Wangen, die sich langsam blau färbt. Leon wirft ihm einen kalten Blick zu.
Leon: Bring Abel her.

Es ist lange her, dass Noel einen derart harrschen Befehl von Leon bekommen hat. Erschrocken über diese Geste traut er sich einen Moment, keinen Muskel zu zucken, doch als Leon seinen Befehl mit tieferer Stimme wiederholt, verbeugt sich Noel knapp.
Noel: Oui, Mon Maître…

Er verlässt das Zimmer. Im Gang wird ihm erst klar, wie sehr er zittert. Wankend nähert er sich seiner Zimmertür, hinter der er Abel gelassen hat. Er lehnt sich gegen die Tür. Abels Schluchzen ist noch zu hören. Einen Moment hat er den Gedanken, einfach das Schloss-Siegel, das Leon ihm gezeigt hatte, um sich Gabriel vom Hals zu halten, vor seine Zimmertür zu malen und sich mit Abel in seinem Zimmer zu verschanzen. Doch beim zweiten Mal darüber Nachdenken, wird ihm wieder klar, was Leon alles für ihn damals auf sich genommen hat und für ihn getan hat. Es war Noels Verpflichtung, dankbar dafür zu sein und seinen Platz als Leons Diener zu akzeptieren. Er steckt den Schlüssel in die Tür und dreht ihn um, öffnet die Tür aber nicht, sondern entfernt sich nur von ihr, läuft den Gang entlang, unschlüssig wo er jetzt hin soll. Letztendlich führt ihn sein Weg in einen etwas entlegenen Dachteil vom Anwesen. Seine Schritte knarzen auf dem alten Holzboden und sein langes Kleid wirbelt etwas Staub auf. Er lässt sich in einer runden Fensterausbuchtung nieder, das Glas ist trüb und verdreckt. Dort bleibt er sitzen. Mondlicht fällt auf ihn. Seine Wange tut weh.

Abel hört das Klicken des Türschlosses sofort und rennt aus dem Zimmer direkt zu Gabriel, der immer noch auf dem Boden sitzt.
Abel: …Vincent…
Gabriel: Abel…

Gabriel traut sich weder Abel anzusehen, noch irgendetwas anderes zu tun. Doch Abel kniet sich gleich zu ihm, nimmt seine Hände und sieht ihn mitfühlend an.
Abel: Los… wir… wir müssen beten, damit das Monster nicht zurückkommt.
Gabriel: B-…. beten?

00080

Gabriel sieht Leon fragend an und flüstert.
Gabriel: Sowas können wir doch gar nicht.
Leon: Sagt wer?
Gabriel: Vater… Wer denn sonst. Er sagte, Gott hört niemanden.
Leon: Hat Vater denn jemals ein wahres Wort gesagt?
Gabriel: …
Leon: Er sagte auch du wärst schwach und dumm.

Gabriel sieht wieder zu Abel.
Gabriel: A-Abel… es… ich weiß nicht…
Abel: …N…nein…? …Wieso…?
Gabriel: Ich hab’… noch nie gebetet… Ich weiß gar nicht, wie das geht.
Abel: …Aber du kannst doch jederzeit….damit anfangen… das geht ganz einfach…! Und es gibt fast gar keine Regeln…!
Gabriel: Ah ja?
Abel: Du musst nur… ehrlich zu dir sein und zu Gott sein. Gott weiß, was du meinst.
Gabriel: Ehrlich zu mir selbst?
Abel: Mhm. Du kannst es sogar verschlüsselt sagen. Das ist ja das Tolle! Gott weiß trotzdem was du meinst!
Gabriel: Abel ich… nh… Es war meine Schuld…
Abel: …W-was meinst du…?

Abel: …?
Gabriel: Ich hab‘ es nicht getan. Ich hab‘ es nicht kommen sehen, ich war zu schwach, mich dagegen zu wehren. Es war meine Schuld. Ich muss besser auf dich aufpassen
Abel: …n-nein… das… …nur ich kann es vertreiben… das…hast du doch gesagt……du… du bist vincent…! M…mein vincent… nicht das Monster…!

Gabriel sieht hilfesuchend zu Leon.
Gabriel: *Das ist nicht die Wahrheit.*
Leon: *Er will die Wahrheit nicht hören, Gabriel.*
Gabriel: Michael… kann ich mal kurz mit dir unter vier Augen reden?
Leon: Frag das nicht mich.

Gabriel sieht wieder zu Abel.
Gabriel: Bleibst du hier kurz sitzen? Ich muss nur was mit Michael besprechen… Geht auch ganz schnell. Ich bin gleich wieder da.
Abel: …O…okay…
Gabriel: Danke, du bist ein lieber Junge.

Gabriel zieht Leon am Hemdärmel aus dem Zimmer und schließt die Tür.
Gabriel: Was soll ich ihm denn jetzt sagen?! Es ist nicht die Wahrheit! Das Monster soll an allem Schuld sein. Ja, super. Damit kann ich mich wohl aus der Affäre ziehen?! Es ist meine Schuld! Das ist Fakt! Ich hätte mich beherrschen müssen und ich konnte es nicht! Jetzt hab‘ ich Abel weh getan! Es ist meine Schuld! Noel hatte Recht!
Leon: Erklär ihm, dass es in deiner Natur liegt… und dass du es nicht wolltest. Und warum du dich nicht beherrschen kannst, wenn du in seiner Nähe bist.. Oder du redest so lange auf ihn ein, bis er die Wahrheit akzeptiert.
Gabriel: Er wird Angst vor mir kriegen
Leon: Das kann durchaus möglich sein. Aber er wird früher oder später zu dir zurückkehren. Er braucht dich, Gabriel. Und du brauchst ihn. Das ist Fakt.
Gabriel: Ich will ehrlich zu ihm sein… Ich will ihm die Wahrheit sagen.
Leon: Dann sei ehrlich zu ihm… Auch wenn es bitter ist.
Gabriel: Und was mach ich, wenn er nicht mehr zu mir zurückkommt?
Leon: Er wird immer zu dir zurückkommen, da bin ich mir sicher.
Gabriel: Wie kannst du dir nur so sicher sein?
Leon: Einerseits wegen dem Teufelspakt. Andererseits… er hat nichtmal jetzt Angst vor dir, obwohl du ihm so weh getan hast. Ich glaube, es schreckt ihn nicht ab, wenn du so bist wie du bist.

Erschöpft lehnt sich Gabriel an seinen Bruder, dieser schließt ihn in die Arme. Sie tauschen einen Kuss aus.
Gabriel: Danke…

Und Gabriel öffnet wieder die Tür zum Zimmer, setzt sich langsam zu Abel auf den Boden, versucht zu lächeln.
Gabriel: Abel, es gibt da etwas, das du wissen solltest… über mich…
Abel: …Ich weiß, dass du ein Dämon bist…
Gabriel: Ja, das ist richtig. Aber ich bin nicht, wie die anderen.
Abel: …Was meinst du…?
Gabriel: So, wie ich mit dir umgehe, gehen die meisten anderen Dämonen nicht mit Menschen um.
Abel: Ich versteh dich nicht…
Gabriel: Sie gehen so mit Menschen um, wie es das Monster getan hat.
Abel: …aber du bist nicht so…
Gabriel: Doch… irgendwie schon… Es liegt in der Natur eines jeden Dämons, so zu sein.
Abel: …Nhh…n-nein… du bist…lieb…
Gabriel: Wir werden so geboren und so erzogen. Es gibt kein Monster, das auf diese Weise mit dir umgegangen ist… Ich war es selbst.

Abel hält sich die Ohren zu.
Abel: Nein!! Du bist mein Vincent!! Wir gehören zusammen und du lässt mich nicht allein!
Gabriel: Was du als Monster bezeichnest, ist mein dämonischer Drang, mir zu nehmen, was ich will. Ohne Rücksicht auf Verluste. Dieser Drang ist in mir, ob ich will oder nicht. Dabei bin ich mir nicht mal sicher, ob das bei jedem Dämon so ist… oder einfach nur bei mir… Ich hab‘ diesem Drang bisher immer nachgegeben, ohne ihn zu hinterfragen. Aber seit ich dich kenne… Ich habe lange mit meinem Bruder darüber geredet… Er hat mir viel von sich erzählt und er hat mir viel von Noel erzählt. Michael sagte mir, dass es möglich ist… Liebe zu empfinden auch für einen Dämon. Ich wollte das nicht glauben, doch dann warst du da… Ich hab‘ meine Augen zum ersten mal aufgemacht und kein Dismentis gesehen, mit dem ich machen konnte, was ich wollte. Ich sah deine schwarzen Augen und deine weißen Haare und ich hatte nur noch den Wunsch, bei dir zu sein, auf dich aufzupassen, dir jeden Wunsch zu erfüllen. Ich wollte dich beschützen. Vorhin… da kam aber dieser dämonische Drang wieder in mir durch. Ich wollte dich besitzen, deinen Körper ganz für mich allein haben. Ich hab‘ dich nicht mehr gehört, ich hab‘ auf die Zeichen nicht mehr geachtet, ich hab‘ deinen Schmerz nicht gefühlt und ich habe Angst, dass ich dir irgendwann wieder soetwas antue… Das will ich nicht… Du bist mir wichtig… Ich will dir nicht weh tun…

Abel klammert sich an Gabriel.
Abel: …G…geh nicht weg von mir…!! Lass mich nicht allein…!!
Gabriel: A-aber… Abel….
Abel: Geh nicht weg von mir…! Bitte…!! Du hast es versprochen…!
Gabriel: Ich–… ich hab‘ dir weh getan. Ich hab‘ dich verletzt.
Abel: …Ja…aber…
Gabriel: Du bist so klein und zerbrechlich…
Abel: …
Gabriel: Ich will dich nicht verlieren..
Abel: Das wirst du doch auch nicht!!
Gabriel: Aber was ist, wenn ich wieder die Kontrolle verliere, wenn ich dir wieder weh tue? Ich bin ein gefährlicher Dämon…
Abel: Nein!!
Gabriel: Abel….
Abel: Du bist zwar ein Dämon, aber du bist nicht… …nicht gefährlich und nicht böse!!

Gabriel kann das Vertrauen, das Abel in ihn legt nicht fassen. Er hat in sich selbst nicht mal so viel Vertrauen, wie es Abel hat. Macht Abel sich nur etwas vor, aus Angst wieder allein sein zu müssen? Oder traut sich Gabriel zu wenig zu und will lieber vor der Verantwortung davonlaufen? Gabriel schließt Abel in die Arme, drückt ihn fest an sich.
Abel: Du hast es versprochen…! Dass du bei mir bleibst…!
Gabriel: Ich werde mein Versprechen halten, Abel… und ich werde besser aufpassen, dass das „Monster“ nicht mehr zurückkommt. Ich werd‘ mir Mühe geben.
Abel: …ist… ist schon gut, Vincent… Ich werd‘ nie Angst vor dir haben…

Abel kuschelt sich wieder an Gabriel, doch dieser ist immer noch skeptisch und glaubt die Wort noch nicht so ganz.
Gabriel: Das kannst du mir nicht versprechen.
Abel: Doch… Ich bleibe immer bei dir.
Gabriel: Nein!

Abel setzt sich auf, sieht Gabriel ganz ernst an, wie es nur ein Erwachsener könnte, holt aus und batscht ihm seine Hand direkt gegen die Nase.
Abel: ICH HAB‘ KEINE ANGST VOR DIR!
Gabriel: Au!! Hey! Was sollte das denn? Spinnst du??
Abel: Siehst du??! Ich bin stärker als du!
Gabriel: Hm… Bist ’n mutiger kleiner Junge, das muss man dir lassen.
Abel: …ich bin nicht klein.
Gabriel: Gut, du bist kurz.
Abel: DAS IST DAS GLEICHE!
Gabriel: Mahh…
Abel: Ich hab‘ keine Angst vor dir… also hab du auch keine vor dir.

patreon_logo[Kleines Dankeschön für meine Supporter]

Während Gabriel Abel ins Bett bringt und sie die ganze Nacht Arm in Arm zusammen in einem Bett verbringen, nimmt Leon den Weg zum Dachboden auf sich, um mit Noel zu reden. Dieser sitzt noch immer im Sims des runden Fensters mitten im Staub und sieht nach draußen auf den See.

Leon: Ihr werdet euch erkälten, wenn ihr hier sitzen bleibt.
Noel: …
Leon: Kommt mit nach unten.
Noel: …
Leon: Jeune Comte.

Leon legt seine Hand auf Noels Schulter, bekommt dafür aber nur einen finsteren Blick zurück.
Leon: Bitte.
Noel: Warum befiehlst du es mir nicht gleich?
Leon: …warum sollte ich?
Noel: Du könntest mir einen Gefallen tun.
Leon: … der wäre?
Noel: Zieh das Messer aus meinem Rücken.
Leon: Was?

Es ist einen Augenblick still. Noels Wange tut noch immer weh. Ihm ist kalt. Das Kleid, das er trägt, ist nicht sonderlich warm und hier oben gibt es keinen Kamin. Leises Schluchzen durchbricht ein wenig die Stille. Leon hebt den mittlerweile etwas ausgekühlten Noel auf seine Arme und läuft die Stufen nach unten. Ein wenig verzweifelt und ratlos legt Noel seine Arme um Leon, weint leise seine Schulter nass. Während Leon ihn in sein Zimmer bringt, ihm das Kleid aus- und seine Schlafsachen anzieht, herrscht immer noch Stille, die ab und an von Schluchzen und ausweichenden Blicken unterbrochen wird, bis sich Leon schließlich entscheidet, dass er Noel so der Nacht allein nicht überlassen will. Die Dinge müssen zwischen ihnen geklärt werden.
Leon: …was habt ihr…?
Noel: Ich bin kein schlechter Mensch.
Leon: Natürlich seid ihr das nicht.
Noel: Ich habe dich enttäuscht, oder? Du warst sauer.
Leon: Ja, das war ich. Ihr habt meinen Bruder getreten, obwohl er bereits am Boden lag.
Noel: Was er getan hat, war falsch… Er hat Abel weh getan.
Leon: Er hat es nicht mit Absicht getan.
Noel: Wie kann man SOWAS nicht mit Absicht tun?
Leon: Ihr würdet es nicht verstehen.
Noel: Bin ich so dumm, ja? Bin ich es dir nicht mal wert, dass du es mir erklärst?
Leon: Ihr könnt es nunmal nicht nachvollziehen! Egal, ob ich es euch erkläre oder nicht.
Noel: DU HAST ES JA NICHT MAL VERSUCHT!!

Völlig in Rage springt Noel auf und klatscht dem vor ihm knienden Leon ein paar. Es wird kurz still. Knirschend richtet sich Leon auf, zerrt Noel am Handgelenk nach draußen, schubst ihn in den Gang, sodass Noel an die Gegenwand knallt, und schlägt die Tür zu.
Noel: Bin ich es dir nicht wert?!! Bin ich nur ein Dismentis, das an deiner Welt nicht teilhaben darf?!! Darf das nur dein Bruder?!!

Die Tür bleibt verschlossen. Es kommt keine Antwort.
Noel: Es ist wahr, oder? Er ist dir mehr wert, als ich. Du schließt mich aus! Ich bin nicht Teil deiner Welt! Dir ist es egal, was ich darüber weiß! Dir ist egal, ob ich deine Vergangenheit kenne!

Noel weint und schreit noch lange vor Leons Zimmer, doch mehr als Schweigen bekommt er nicht. Irgendwann schleppt er sich völlig erschöpft in sein eigenes Zimmer und legt sich schlafen. Am nächsten Morgen bringt Noel Leon sein Frühstück. Vorsichtig klopft er an dessen Tür, bekommt allerdings keine Antwort. So lässt er Leons Frühstück vor der Tür auf dem Boden stehen, bringt dann Gabriel und Abel das Frühstück aufs Zimmer. Wie er sich dachte nimmt zu seinem Ärger Gabriel das Essen entgegen und wie er sich denken kann, hat er die Nacht bei Abel im Bett geschlafen. Ärger flammt in ihm wieder auf, doch er sagt nichts, geht nur seiner Pflicht nach. Gabriel versucht gute Mine zu bösem Spiel zu machen, aber es ist deutlich spürbar, dass er sich vor dem kleinen Giftzweg fürchtet.
Noel: Ich bringe das Frühstück. Ich weiß nicht, ob du Appetit auf Menschenfraß hast, aber hier ist auf jeden Fall etwas für Abel und dich.
Gabriel: Danke…
Noel: Das ist meine Arbeit… Habt ihr hier noch Schmutzwäsche?
Gabriel: Ich denke nicht…
Noel: Wenn welche anfällt, bitte mir geben.
Gabriel: Aber in Leons Zimmer dürfte eine ganze Menge liegen.

Eigentlich hat Gabriel das nur gesagt, um einen Witz zu machen und mit etwas Small Talk die Stimmung aufzulockern, aber Noels gepresste Reaktion lässt ihn wieder zweifeln, was er nun schon wieder falsch gemacht hat. Menschen sind wirklich höchst merkwürdige Wesen.
Noel: Gut… Ich werde mich drum kümmern.

Noel ist schon dabei, sich umdrehen und zu gehen, doch schluckt er all seinen Ärger für eine Sekunde runter.
Noel: Gabriel… Kann ich dich was fragen?

Gabriel schaut wie erschossen auf Noel runter. Euer französische Hoheit hat die Ehre mit dem dämonischen Fußvolk zu reden.
Gabriel: J-ja? Was denn?
Noel: Warum warst du gestern so?
Gabriel: Nh….wie… wie meinst du?
Noel: Du willst Abel nicht weh tun. Hast es aber getan. Du weißt, dass es deine Schuld war und doch bleibt er bei dir… Was ist in dir vorgegangen?
Gabriel: Ich konnte irgendwie… nicht mehr so reagieren wie ich es ursprünglich wahrscheinlich getan hätte. Aber… ich war glücklich als Abel sagte, er will weiter bei mir bleiben…
Noel: Ich will verstehen, was in einem Dämon vor sich geht. Ich will mehr über euch wissen.
Gabriel: Da gibt’s jede Menge zu erzählen. Du musst schon… etwas genauer sein.
Noel: Wer waren deine Eltern?
Gabriel: …Zwei Dämonen…
Noel: Wie waren sie?
Gabriel: Meine Mutter war nett. Mein Vater… nicht so.
Noel: Wie waren sie denn genau?
Gabriel: Meine Mutter hat immer versucht, Michael und mich in Schutz zu ne-

Gabriel bricht im Satz ab und sieht auf. Leon steht hinter Noel. Noel zuckt sofort zusammen, noch bevor er Leon sieht.
Leon: Noel, in meinem Zimmer liegt jede Menge Wäsche. Kümmere dich darum anstatt hier deine Zeit zu vertrödeln.
Noel: I-ich räum sie sofort weg.

Mit schnellen Schritt geht Noel davon. Es kommt nicht häufig vor, dass er hört, wie Leon ihn nicht mehr ihrzt. Leon wendet sich Gabriel zu.
Gabriel: Hey, was ist denn los?
Leon: Erzähl ihm nie von unserer Vergangenheit.
Gabriel: Wieso nicht? Er will doch nur mehr über dich erfahren. Er meint es nur gut.
Leon: Ich weiß was für ein Plappermaul du bist. Ich habe keine Lust, dass er erfährt was ich getan habe!
Gabriel: Was hast du denn so schlimmes getan? Ich kann mich nicht erinnern, dass du mal was getan hättest, was den Kleinen abschrecken könnte.
Leon: Weißt du noch…? Als wir 200 waren …als ich uns so viele Seelen besorgt habe?
Gabriel: Ja, sicher. Da wurdest du ziemlich spießig. Tehe, du hast Abendlehrkurse über schwarze Magie gegeben und das an Menschen, wie man Siegel zeichnet und wie man Dämonen ru—

Gabriel muss kichern bei der Vorstellung seines Bruders als Oberlehrer, doch Leon hält ihm den Mund zu.
Leon: Sei still! Das darf er NIE erfahren!!
Gabriel: Mhhjmhmhdhdhdh? Mkmmhmjhjhmmhmh? Mmjh? (Wieso denn nicht? Er hat damit doch nichts zu tun? Oder?)

Gabriel muss kichern bei der Vorstellung seines Bruders als Oberlehrer, doch Leon hält ihm den Mund zu.
Leon: Sei still! Das darf er NIE erfahren!!
Gabriel: Mhhjmhmhdhdhdh? Mkmmhmjhjhmmhmh? Mmjh? (Wieso denn nicht? Er hat damit doch nichts zu tun? Oder?)

Leon: Er… er ist aufgrund eines Siegels, das ich den Menschen beigebracht habe, zum Dismentis geworden. Ein Siegel hat seine Familie getötet und einen Dämon gerufen, der einen Teufelspakt mit ihm einging. Ich habe es zu verantworten, dass er entführt und zum Dismentis wurde, seine Familie verlor und die schlimmste Zeit seines Lebens erleben musste.

Gabriel zieht die Augenbrauen hoch. Er sieht seinen Bruder an. So geknickt und zweifelnd hat er ihn noch nie erlebt.
Gabriel: Aber, Michael, mein Bruderherz, du solltest ehrlich zu deinem Dismentis sein.
Leon: …ich bin ehrlich. Ich verschweige nur etwas.
Gabriel: Nein… Du lügst ihn an.
Leon: Was weißt du schon?
Gabriel: Er will etwas über dich erfahren und du lügst ihm vor, dass da nichts ist. Er ist an dir interessiert, Michael. An deinem Leben.
Leon: …es geht ihn nichts an. Er weiß alles was er wissen muss.
Gabriel: Wieso predigst du mir Sachen von Vertrauen und dass mich mein Dismentis nicht allein lässt, wenn du deinen Worten nicht mal selbst Glauben schenkst?
Leon: …ach sei doch still. Du verstehst das nicht.
Gabriel: Was verstehe ich nicht?
Leon: Wegen schwarzer Magie… hat er überhaupt erst alles verloren. Er darf es nie wissen.
Gabriel: Dann wird er dir nicht vertrauen. Er ist ja nicht blöd. Er hat die Lunte schon längst gerochen.
Leon: Halt mir keine Moralpredigt, okay?
Gabriel: Der Kleine hasst mich. Das weißt du. Und trotzdem ist er zu mir gekommen und hat mich nach dir gefragt. Du bist ihm so wichtig, dass er sogar denjenigen gefragt hat, auf den er eigentlich scheißt. Ich hab‘ Noel gesehen… Er liebt dich… und er vertraut dir. Mach das Vertrauen nicht kaputt.
Leon: Ich mache nichts kaputt.

Leon dreht sich direkt auf dem Absatz um. Für ihn ist das Gespräch beendet und er geht den Gang zurück in sein Zimmer.
Gabriel: Du bist nicht besser geworden, Michael… Du warst früher schon so… Alles hast du allein auf deine Schultern genommen und hast dich damit selbst gequält…

Noel ist allerdings noch in Leons Zimmer zugange, die Wäsche aufzusammeln, als Leon herein kommt. Als er ihn mit düsterem Blick in der Tür stehen sieht, purzeln im vor Schreck die Kleidungsstücke aus dem Arm.
Leon: Du änderst dein Mentalität wirklich von Tag zu Tag.
Noel: Verzeihung.
Leon: Mal bist du bockig, mal bist du unterwürfig. Es wird Zeit dass du dich endgültig entscheidest, wie du bist.
Noel: Ich bin, wie du mich haben willst
Leon: Nein. Das bist du nicht. Du bist mir eindeutig zu neugierig.
Noel: Verzeihung. Ich werde nicht mehr nachfragen. Es steht mir nicht zu.
Leon: Also siehst du deinen Fehler ein?
Noel: Ich sollte dankbarer für das sein, was du mir gegeben hast.
Leon: …ts. Du weißt doch gar nicht was du da sagst.
Noel: Ja… leider…
Leon: Für was bist du dankbar, hm? Dafür, dass du dich hier zu Tode schuften darfst?
Noel: Dafür, dass du mir damals eine zweite Chance gegeben hast, nachdem ich dich wie Dreck behandelt habe. Und dafür, dass du mich wie einen Menschen behandelst, nicht wie ein Dismentis.
Leon: Tue ich das?
Noel: Ja.

Leon packt Noel und schmeißt ihn aufs Bett, stützt sich über ihm ab.
Leon: Vielleicht sollte ich das ändern.
Noel: …j-ja…
Leon: …warum stimmst du mir zu??!
Noel: Weil ich dir gehöre…
Leon: …raus.
Noel: Hör auf damit…
Leon: RAUS!
Noel: DU SOLLST AUFHÖREN!
Leon: Komm mir heute und morgen nicht unter die Augen!!
Noel: Hör auf! Hör auf! Hör auf!!!
Leon: Was interessiert dich meine Vergangenheit??! Es geht dich NICHTS an!! Bin ich dir so wie ich jetzt bin nicht gut genug?! Warum musst du wissen wie ich früher war?!
Noel: Das ist nunmal so bei Geliebten… sie wollen alles über den anderen erfahren…
Leon: Suchst du nach etwas, um mich endlich verlassen zu können?!
Noel: Leon, ich hab gerade eine scheiß Angst vor dir und wenn du dich mal selbst reden hören könntest, würdest du dich darüber selbst erschrecken.
Leon: … Weißt du was? Ich erzähl es dir.
Noel: Was?
Leon: Dann wirst du noch mehr Angst haben. Ich war es, der den Menschen beigebracht hat, wie man Dämonen ruft.
Noel: Wa-…
Leon: Ich habe ihnen gesagt, dass sie dafür Menschen opfern müssen. Vorzugsweise Kinder. Ich habe ihnen gezeigt, wie man Siegel benutzt, um Menschen zu verfluchen und zu töten.
Noel: Nein…
Leon: Es hat Seelen geregnet, seit sie das wussten. Und wir haben uns die Bäuche an Seelen wie deiner vollgeschlagen.
Noel: Nein…
Leon: Fühlst du dich mir jetzt irgendwie näher? Bist du jetzt Teil meiner Welt?! Ist deine Liebe jetzt stärker zu mir??

Gabriel reißt die Tür auf. Leons Gebrüll ist nicht zu überhören gewesen. Er zerrt den zitternden und völlig paralysierten Noel von Leons Bett.
Gabriel: Lauf! Jetzt!!

Noel nickt etwas geistes abwesend und nimmt sofort die Beine in die Hand. Gabriel stellt sich in die Tür um Leon den Weg zu versperren, sollte er Ambitionen haben, Noel zu verfolgen. Als nur Knurren zurück kam, geht er auf Leon zu und schlägt ihm einmal kräftig ins Gesicht, was bei dämonischer Kraft nicht selten zu einem gebrochenen Kiefer führen kann.
Leon: ICH WAR EHRLICH ZU IHM! WOLLTEST DU DAS NICHT??!
Gabriel: HALT DEN MUND! Halt den Mund und hör mir zu! Du bist ja nicht mehr ganz dicht, den Jungen so einzuschüchtern, nur weil er seinen eigenen Kopf hat! Was geht in dir nur vor, dass du sowas durchziehst?! Er liebt dich! Du liebst ihn! Und jetzt tust du ihm sowas an! Ja, du warst ehrlich, aber man hätte es ihm anders sagen können!
Leon: Wenigstens vergewaltige ich ihn nicht unkontrolliert, sobald ich geil werde…

Das saß tief. Gabriel starrt seinen Bruder getroffen an. Sein Blick wurde finster. Sehr finster. Ebenso, wie seine Aura, die langsam den ganzen Raum verdunkelte.
Gabriel: Es geht hier nicht um mich, Michael! Und ich habe schon längst Buße getan. Mein Dismentis vertraut mir.
Leon: Hast du gebetet? Wie rührend.
Gabriel: Warum willst du es nicht verstehen? Warum geht es nicht in deinen Schädel, was der Junge für dich empfindet? Warum fällt es dir so schwer, einfach loszulassen und zu vertrauen, dass er bei dir bleibt? Du hast ihm so viel geschenkt und gegeben, er ist dankbar dafür. Er tut alles für dich. Er will bei dir sein. Er hat Angst ohne dich. Er will dich nur glücklich machen und was tust du? Du machst ihn fertig. Du tust ihm absichtlich weh. Du hast gesagt, du hättest dich geändert.. aber eigentlich sehe ich rein gar nichts davon…
Leon: …er hat nicht Angst ohne mich. Er hat Angst vor mir. Hast du nicht seine Reaktion gesehen??! Sobald ich auftauche zuckt er zusammen und unterwirft sich mir!!
Gabriel: Ist es schön, sich seinen Gefühlen nicht stellen zu müssen?

Leon springt auf Gabriel zu, fährt seine Krallen aus und lässt seinen Bruder seine ganze körperliche Stärke spüren. Doch der kleine Kampf, der entbrennt, wird von Leons Seite aus kraftloser und kraftloser, je länger er dauert und das, obwohl sich Gabriel kaum wehrt.
Gabriel: Wie… machtlos… du bist…
Leon: …sei still verdammt.
Gabriel: Du hast es damals… auch nie ertragen… dich so hilflos zu fühlen…
Leon: …sei still…
Gabriel: Und jetzt demonstrierst du deine Schwäche deinem Bruder, der dich über alles liebt. Wie viele Herzen willst du noch brechen?

Müde und schwer atmend deutet Leon auf die Tür und weicht Gabriels Blick aus. Gabriel sieht seinen Bruder noch kurz an, verlässt dann das Zimmer.

Mit Noel auf dem Arm betritt Gabriel das Zimmer, in dem er Abel zurückgelassen hat. Er legt Noel ins Bett.
Abel: W…was ist denn mit Njelnitschka?
Gabriel: Er ist nur müde.
Abel: …sag mir die Wahrheit!
Gabriel: Gut, er ist nich müde, er schläft.
Abel: …wo ist denn Michael?
Gabriel: Mann… Ach weißt du, mein lieber Bruder ist grad echt völlig Banane.
Abel: Ist er traurig?
Gabriel: Hm…? Ehrlich gesagt, wüsste ich das auch gern. Aber ich glaub, wenn ich jetzt mit ihm rede, beißt er mir den Kopf ab.
Abel: …wir müssen ihn trösten gehen.

Und bevor Gabriel reagieren kann, ist der impulsive Abel schon aus dem Zimmer gesprungen. Gabriel hetzt dem Kleinen noch hinterher, doch kann er nicht verhindern, dass Abel Leon auf dem Balkon findet. Leon bemerkt den lockingen Eindringling schnell und schaut finster über seine Schulter.
Leon: Was wollt ihr zwei hier?
Gabriel: äh…. nichts! Der Kleine hat sich nur verlaufen–
Abel: Dich trösten!
Gabriel: Abel, bitte lass es!

Abel schaut Leon ernst und fest an. Es herrscht kurz Stille. Leon ignoriert das Kind völlig, sieht zu Gabriel.
Leon: Verlass bitte mein Schloss mit ihm.
Gabriel: Was? Ist das dein Ernst?
Leon: Ihr sollt gehen.
Gabriel: Wieso?!?
Leon: … *weil ich nicht sehen kann, wie glücklich ihr seid, wenn ich es nicht bin*

Gabriel stutzt. Mit der Aussage hatte er nicht gerechnet und sie kam so aus der Kalten. Soll das bedeutet, dass er Schuld daran, dass es Leon nicht gut geht, weil er so glücklich mit Abel ist? Vielleicht braucht Leon auch nur eine Auszeit, um wieder klar denken zu können. Er hat schon immer die Angewohnheit, viel zu verbohrt in seinem Denken zu sein und sich davon nicht lösen zu können. Gabriel fasst einen Entschluss.
Gabriel: Ok… wir gehen und wir werden Noel mitnehmen.
Leon: …wenn er… einverstanden ist…
Gabriel: Werd‘ im Kopf wieder klar, Michael.
Leon: …
Gabriel: Denk drüber nach, wer du bist und was du brauchst.
Leon: …ich bin Michael… ich bin ein Dämon… …ich brauche Seelen um zu überleben…
Gabriel: ja… gut. Und jetzt sei mal ehrlich, wenn du das sagst.

Mit viel Fantasie kann man erkennen, dass Leon zittert. Gabriel wartet noch geduldig auf eine Antwort, doch Leon macht nicht den Anschein, als würde er sie noch geben. Damit ist die Entscheidung gefallen. Gabriel nimmt Abel auf den Arm, packt ein paar Sachen für die Kinder ein und verlässt mit ihm und Noel das Schloss.

Es vergehen fünft Monate, in denen Gabriel, Noel und Abel in einer Villa in der Londoner Vorstadt leben und keinen Kontakt mehr zu Leon haben. Gabriel versucht Abel Lesen und Schreiben beizubringen. Noel tut seither nichts, außer essen, schlafen und aus dem Fenster sehen. Niemand weiß, dass Leon seit einigen Tagens Nachts regelmäßig an Noels Bett kommt, stumm neben ihm steht, ihn ab und an streichelt, natürlich ohne dass Noel etwas mitbekommt. Wenn überhaupt denkt der Junge am nächsten Morgen, dass es nur ein Traum war. Auch wenn für Leon deutlich spürbar ist, dass Noel ruhiger schläft, wenn er bei ihm ist, sagt er nichts und lässt ihn in dem glauben, zu träumen. In einer Nacht, als Noel wiedereins aufwacht, die fast geisterhafte Gestalt seines dämonischen Partners im Mondlicht stehen sieht und seinen Namen sagt, entscheidet sich Leon zum ersten Mal zu antworten.

Noel: Leon…
Leon: …ich… …sagte euch bereits… … …ich heiße nicht… so…
Noel: Nein, du heißt Leon. Ich habe dir diesen Namen gegeben. Ich habe dich neu getauft. Du bist Leon…
Leon: … …der Teufelspakt gilt nicht mehr…
Noel: Du hast gesagt, ich gehöre zu dir.
Leon: …
Noel: Für immer…
Leon: … … …aber… ihr solltet euch ausruhen.
Noel: Und wenn ich aufwache, bist du wieder weg… dann bin ich wieder allein.
Leon: …ja…
Noel: …Ich hatte dir doch mal gesagt, dass es nur eine Sache gibt, die zwischen dir und mir steht
Noel: und das sei mein Stolz.
Leon: …und?
Noel: Ich geb auch das für dich, damit du mir endlich glaubst, dass ich dir vertraue.

Noel lässt eine Pause, in der er Leon fest ansieht und sich bewusst ist, dass er nicht mehr träumt.
Noel: Leon, ich liebe dich…
Leon: …ich- … … … …ich werde morgen noch… hier… sein wenn ihr aufwacht…
Noel: Wieso?
Leon: … Wünscht ihr euch das nicht…?
Noel: Natürlich
Leon: …ich werde morgen noch hier sein weil ihr das wünscht, Jeune Comte…
Noel: Weil ich es wünsche… und wenn ich es nicht wünsche?
Leon: …dann werde ich gehen… und euch nie wieder… unter die Augen kommen.
Noel: Ich wünsch mir, dass du dich zu mir ins Bett legst.
Leon: …das-

Nach kurzem Zögern legt sich Leon zu Noel ins Bett.

Noel: Und jetzt wünsche ich mir, dass du mir sagst, was mit dir los ist.
Leon: …n…nein… bitte nicht.
Noel: Doch… Sprich es aus.
Leon: … Bitte belassen wir es hierbei…
Noel: Ich bin für dich da… Ich werde nicht weggehen. Ich werde dich für nichts verurteilen. Ich werde dich für nichts hassen. Vertrau mir. Sag es mir.
Leon: …ich kann nicht.
Noel: Wieso?
Leon: …ich… will nicht…
Noel: Deine Gefühle sind eine schwere Last. Du kannst dich davon nicht befreien. Aber du kannst sie teilen.
Leon: …nein. …ihr versteht das nicht!!

Leon erschreckt sich in dem Moment vor seinen eigenen Worten und sieht Noel an. Der nimmt Leon in den Arm und wartet geduldig.
Leon: …als ihr… …mich geschlagen habt… weil ich euch nicht von meinen Gräultaten erzählen wollte… …hat mich das verletzt… mich…! …einen Dämon…! Dämonen sollten solche Gefühle nicht empfinden… Trauer… das… …dürfte für uns gar nicht existieren… …dann… habe ich gesehen was für eine Angst ihr vor mir entwickelt habt… …auch das… …ich weiß nicht warum… aber auch das hat mich verletzt… …dass ihr zusammenzuckt sobald ihr mich bemerkt… …dass eure Stimme zittert wenn ihr mich seht… …und dann… sehe ich dass mein Bruder… …in so kurzer Zeit… …sich alles aneignen kann, was ich mir in 600 Jahren erarbeitet habe…! …und er macht es besser als ich…! …und was sage ich als er mir sagt, dass er dich mitnimmt…? …ich sage… „ja, nimm ihn mit“ … …warum…?! …i-ich weiß, dass ich… euch glücklicher machen kann… aber warum… habe ich in diesem Moment gedacht, er wäre dazu in der Lage euch dazu zu bringen… mich… zu vergessen…? …und euch glücklicher zu machen, als ich es jemals tun könnte…? …warum dachte, ich wenn ich euch ihm mitgebe, habt ihr wieder so etwas wie eine Familie…? …warum war ich mir so sicher, dass mich Abel und mein Bruder locker ersetzen können…? …und warum wehre ich mich so dagegen… …selbst… eine Familie in euch zu finden…? …warum versuche ich immer alles allein zu machen…?! …warum rede ich nie mit jemandem…?? …warum tue ich euch so weh…? …und warum sage ich euch nur so selten, wie sehr ihr mir am Herzen liegt… Jeune Comte… … Noel… …warum predige ich über Dinge die ich selbst nicht verstehe…? …warum schlage ich euch, wenn ich euch eigentlich in den Arm nehmen sollte…?
Noel: Hör mir zu… Weißt du, was Gabriel, Abel und ich die letzten fünf Monate getan haben?
Leon: …nein.
Noel: Wir haben über dich geredet. Was du alles für uns getan hast. Du hast mein Leben gerettet. Du hast mir eine zweite Chance gegeben, nachdem ich dich so behandelt habe. Du hast aus deinem Bruder eine völlig andere Seite hervorgekehrt. Du hast damit Abels Leben gerettet und dem Jungen eine neue Familie gegeben. Wir haben kein Wort darüber verloren, dass du irgendwas falsch gemacht hast. Wir haben dich vermisst und wollten dich sehen. Abel hat mal gesagt, ohne dich, ist es keine Familie… Du bist nicht nur mir wichtig, du bist uns allen wichtig. Wir können nicht auf dich verzichten und wir haben dich schmerzlich vermisst.

In dieser Nacht reden Noel und Leon noch lange und Gabriel findet beide am nächsten Morgen zusammengekuschelt in einem Bett. Am selben Tag verlassen alle vier die Villa. Gabriel und Abel sollten auch aus dem Schloss die kommenden Jahre nicht mehr ausziehen.

patreon_logo[Kleines Dankeschön für meine Supporter]

 

~*~

Danke für’s Lesen. Bald geht’s weiter 🙂

~*~

Wenn ihr mehr lesen wollt, wenn ihr öfter lesen wollt, wenn ihr mehr Illustrationen haben wollt, dann helft mir. Unterstützt das Projekt direkt finanziell auf Patreon oder durch eine Spende auf Paypal. Jedes Bisschen hilft und ist wichtig für das Projekt. Vielleicht kann ich mit eurer Hilfe regelmäßige Uploads machen oder sogar ein richtiges Buch, vielleicht sogar einen ganzen Manga.

patreon_logo[Patreon anmelden] [Infos zu Patreon]

 pp258

Paypal Spenden an HasiAnn@gmx.de

Kommentare (67)

  • Avatar

    San-Jul

    |

    Also ich finds cool 😉
    Kannst sowas ruhig öfter machen <3

    Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      echt jetzt QuQ auf animexx ist kaum jemand so begeistert davon

      Reply

      • Avatar

        karokitty

        |

        Animexx ist schwierig. XD die leute da sind anspruchsvoll.

        Reply

        • Avatar

          HasiAnn

          |

          XD Kitty, das war gerade kein Kompliment mir gegenüber XDDD

          Reply

  • Avatar

    Finya Jensen

    |

    Zu Anfang schwierig zu lesen. Aber sehr interessant. Weiter so ^.^

    Reply

  • Avatar

    Chiyokilein

    |

    An einigen Stellen steht Noel, obwohl sehr wahrscheinlich Gabriel redet.
    Aber an sich echt cool. 😀 Da kommen Erinnerungen an die erste Version hoch. 😀

    Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      Ja, das ist mir später auch aufgefallen. Das hier ist auch erstmal nur die Testversion, um eine Erzählform zu finden, die der Großteil gut lesen kann. Wenn das dann steht, tipp ich den Rest und dann kommt der Text auch wieder zu meinen Betalesern, bevor ich ihn veröffentliche.

      Reply

  • Avatar

    Döndü k.

    |

    Das ist sehr gut geschrieben ich mein man sieht wie stark sich gabriel verändert hat von einem arroganten idioten zu einem fluffigen kuschltier idioten der zudem der besteste direktor ist xD

    Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      XD das trifft es ganz gut.

      Reply

  • Avatar

    miss13engelchen

    |

    Also ich finds richtig cool! Und es ist auch sehr gut zu lesen finde ich ^^ Bisschen wie ein Drama (also im Sinne von Theaterstück 😉 )
    Bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht!

    Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      So in etwa war es auch gedacht. Deswegen hab ich die Textpassagen zwischendrin nicht so lyrisch ausformuliert, sondern eine ganz klare, knappe Sprache benutzt. Ich mag’s.

      Reply

  • Avatar

    Tainja

    |

    uhhhhhhhhhhhhhhhh sehr gut. Die Variante ohne Sternchen ist gewiss merh arbeit aber deutlich besser zu lesen. Gerade dieErzählparts. hat dann etwas von einem Theaterstück, sehr sehr geil! und sogar mit mehr dran als vorher…uhhh das gab mit Gabriel bestimmt noch sowas von mega mässig Ärger.
    liebe grüße
    das verrückte täubchen tai

    Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      Ja, Drama nennt sich diese Erzählform. Ich find die auch recht angenehm, muss ich sagen.

      Reply

  • Avatar

    karokitty

    |

    Musste wehleidig an die erste Version denken. Die hatte mir damals sehr gefallen.
    Find es ganz gut.

    Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      Ja, ich auch. mir tut’s immer noch in derSeele weh, sie geändert zu haben. But well.

      Reply

  • Avatar

    Maiglöckchen

    |

    Sehr informativ für die Leute, die noch nicht von Anfang an dabei sind, finde ich! Liest sich nach einigen Momenten der Gewöhnung flüssig und gut. Eins hat mich nur verwundert, ein Rubin, ein (normalerweise) roter Stein zu einem dunkelblauen Kleid? Oder sollte es zu Michaels Outfit passen? Würde mich über weiteren Inhalt dieser Richtung freuen!

    Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      Das ist echt ne gute Frage. Misu hatte die Idee mit dem Rubin. Muss sie mal fragen, warum ausgerechnet rot.

      Reply

  • Avatar

    Naoki

    |

    Also ich muss sagen, dass ich auf Mexx auch kommentiert hatte, aber da hattest du ja noch den *-Stil und den fand ich sehr anstrengend zu lesen. Diese ausformulierte Art ist wesentlich schöner zu lesen und ich habe begeistert den ganzen Text in einem Ruck durchgelesen und war… latent enttäuscht, dass er schon vorbei war XD
    Dieser ausformulierte *-Stil ist in meinen Augen also viel besser und angenehmer und ich würde mich freuen, wenn du bald mehr veröffentlichen würdest 😀

    Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      Echt? ö.ö krass. Ich dachte, die FF hätte ich nur bestimmten Leuten gezeigt.
      Da wird noch mehr kommen 🙂 vielen scheint dieser Stil ja ganz gut zu gefallen.

      Reply

  • Avatar

    Serenade27

    |

    ooooouuh sweet, ich mag’s schreib ruhig öfter so etwas o^^o

    Reply

  • Avatar

    Aka

    |

    Ich finde die RPG Version richtig super, hoffe du machst damit auch weiter. ^^
    Am besten gefällt mir das man ein bisschen mehr über die Charakter erfährt, vorallem Noel ist mein LieblingsCharakter weshalb ich mich immer freue etwas mehr über ihn zu erfahren.
    Aber eine kleine Frage habe ich dazu, warum trägt Noel ein Kleid??

    Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      Das ist eine sehr gute Frage 🙂 blöder Weise wird die im RPG nicht geklärt, deswegen muss ich mir irgendwas einfallen lassen, wie ich solche offenen Fragen für alle beantworte. Ich überleg mir was 🙂

      Reply

  • Avatar

    C

    |

    Das Drama als Erzählform finde ich passend 🙂 Inhaltlich ist die Szene auch nicht schlecht, es gibt ein interessantes Bild ab, wie die Charaktere (weit) vor dem Beginn von 4I waren. Und wer liest bitte nicht gern mehr von den Süssen <3 Das Einzige, dass ich wirklich störend finde, sibd die gefühlten 394813 Aufrufezeichen hintereinander. Das wirkt schlicht weg unprofessionell und macht das Ernste zunichte. Ein Aurufezeichen / Fragezeichen reicht völlig aus 🙂

    Ansonsten würde ich mich sehr freuen, mehr in diesem Stil zu lesen!

    LG

    C.

    Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      Oh, das ist n guter Hinweis. Wär mir gar nicht aufgefallen, weil ich so dran gewöhnt bin, aber du hast absolut recht! Die mach ich noch raus.

      Reply

  • Avatar

    Finya Jensen

    |

    *daumhoch* weiter so 😉

    Reply

  • Avatar

    Yuuzel

    |

    WAFFELN!<3 Ich glaube, mein Herz schmilzt.

    Reply

    • Avatar

      Döndü k.

      |

      Ich bin gespannt wie es weiter geht 😀

      Reply

      • Avatar

        HasiAnn

        |

        Mal schauen, wann ich weiterschreibe, aber ich verspreche, ich lass mir nicht allzuviel zeit 🙂

        Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      Nicht sterben QnQ

      Reply

  • Avatar

    Karokitty

    |

    *Glas Beerenwein*…nyuaaa schon vorbei
    Jetzt wieder auf fortzusetzung warten hufff

    Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      War das ein winziger Wink mit dem Zaunpfahl, mehr zu uploaden…?

      Reply

  • Avatar

    Ryo_Nakamura

    |

    Hab das grad gelesen und… Ich will weiter lesen >^.>

    Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      Wenn ich auf Weiterbildung bin, seh ich zu, dass ich immer n bissl dran arbeiten kann. Hoff ich X_X

      Reply

      • Avatar

        Ryo_Nakamura

        |

        Naja mach dir kein Stress. Auf gute Dinge wartet man gern ^_^ ich werd mir die Zeit mit Vorfreude auf die Fortsetzung vertreiben xD

        Reply

  • Avatar

    Kallistra

    |

    Ich mag das sehr, es liest sich gut. Hier und da fand ich es kurz….nicht ganz flüßig (nicht holtprig) aber es ist ja ein erster Versuch da zählt das nicht. Gibt es das auch auf Animexx oder bin ich jetzt wieder verplant und könnte es wissen wenn ich aufgepasst hätte…? XD

    Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      Ja, das gibt es auch auf Animexx, aber nein, du bist nicht verplant. Da habe ich es noch nicht an die große Glocke gehangen. Es ist in der FF Sektion als „Mein Besitz Noel“. Ich wollte es auch dort hochladen, weil ich Meinungen zum Stil brauchte, aber lassen will ich es dort eigentlich nicht, weil dazu halt auch Illus gehören und die kann man auf Animexx ja nicht einfach in eine FF einfügen. Vielleicht lass ich auch einfach die Links drinne. ich weiß noch nicht.

      Reply

  • Avatar

    Ventipa

    |

    Ich liebe es.
    Es ist super geschrieben und die Geschichte ist einfach genial… Sie ist lustig, traurig, einfach von allem etwas. Ich liebe es einfach.
    Ich lese Fourth Instance seitdem du es damals auf Animexx hochgeladen hast und wenn ich dass jetzt mal so sagen darf fand ich die erste Version schon hammeraffengeil und wunderschön aber trotzdem ist das mein erstes Kommentar…ich schisser trau mich auch nix haha
    Mach bitte weiter so.. dein Schreibstil und deine Bilder die du zeichnest ganz großes Kino.

    Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      Danke QuQ Das ist ganz lieb von dir <3

      Reply

  • Avatar

    Ventipa

    |

    Uiii es ging weiter *~*
    Wieder ganz großes Kino, mir kamen die Tränen sogar bei manchen Stellen xd
    Du hast so ein großes Talent mit Worten Bilder in meinem Kopf zu erschaffen und dafür danke ich dir

    Reply

  • Avatar

    Kotomo

    |

    Kyaaa! Es ist fantastisch! Ich liebe es! Schreib bitte, bitte weiter, denn nicht weiterlesen zu können ist erdrückend!!

    Ich spende auch liebend gerne aber zuerst muss ich meinen ersten Monatslohn bekommen. In ein oder zwei Monaten also aber ich verspreche es. Schreib aber bitte weiter!

    Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      O_O wow, wie schnell hast du denn das gefunden? Ich hatte das RPG grad erst aktualisiert und noch nicht mal verlinkt. Aber ich freu mich, dass es dir gefällt 🙂

      Reply

      • Avatar

        Kotomo

        |

        Ich war nur am richtigen Platz zu richtigen Zeit. Reiner Zufall, aber ein guter Zufall! ^u^

        Reply

  • Avatar

    Ryo_Nakamura

    |

    Wenn man anfängt das zu lesen macht es richtig süchtig so das man gar nicht mehr aufhören will weiter zu lesen…. dabei lese ich nicht mal gerne o.o aber das hier ist eine Ausnahme weil die Story einfach super ist und wie du schreibst ist auch toll mach weiter so 🙂

    Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      😀 Danke! Das motiviert auf jeden Fall -^-^-

      Reply

  • Avatar

    Finya Jensen

    |

    Ich muss zugeben ich hatte zum Teil Grade etwas Gänsehaut und etwas Tränen in den Augen. Weiter so 😉

    Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      awwwww <3 das ist süß

      Reply

  • Avatar

    Ventipa

    |

    Und schon wieder so wunderschöne Zeilen die in meinem Kopf so viele Bilder herbei rufen und ich musste zum Schluss so lachen..
    Seine > edelsten Teile < das fand ich so witzig omg und die Illustrationen war so schön *~*
    Ps: Leon/Michael und Noel sind die besten <3

    Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      XD das hatte ich von der Schuh des Manitu nach im Hinterkopf.

      Reply

  • Avatar

    Iryo

    |

    Richtig gut! Freu mich schon auf die Fortsetzung X3 aber auch auf die neue Seite auf Animexx ^0^
    Fühl dich geknuddelt ♡♡♡

    Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      Yei! Vielen Dank <3

      Reply

  • Avatar

    Aka

    |

    Abel ist einfach zu süß, vorallem als er anfängt mit Gabriel zu streiten wer den tolleren Bruder hat >///<

    Reply

  • Avatar

    Ventipa

    |

    Gabriels frage an Leon ob er mit Noel schlafen darf und dann kommt der mit diesem best sentence ever,,Bruder…!! Siehst du nicht wie frustriert ich bin…??!!“.. Ich hab schon Lachkrämpfe!!
    Aber Noel is auch der hammer mit seinem französischen qu’est ce!!!
    Die Illu is übrigens voll schön und wiedet mal voll super Seiten bzw Zeilen!
    Love it!!!!! *~*

    Reply

  • Avatar

    miss13engelchen

    |

    Der ganze Text ist ja ziemlich lang und wird es auch zunehmend. Gäbe es irgendeine Möglichkeit, sich ein Lesezeichen zu setzen oder ihn vielleicht in Kapitel zu unterteilen, bzw. öfter mal Absätze (vielleicht mit Nummern) zu machen? Dann könnte man sich besser merken, wo man aufgehört hat zu lesen 😉

    Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      Darüber hab ich auch schon nachgedacht, bin aber noch zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis gekommen. Ich versuch noch eine Lösung zu finden.

      Reply

  • Avatar

    Ventipa

    |

    Wie ich das Epos liebe ❤❤❤…Michael/Leon und Noel am meisten ❤❤❤

    Reply

    • Avatar

      Ventipa

      |

      Mir is noch was eingefallen was ich gerne wissen würde, wie haben Michael und Noel sich eigentlich kennengelernt?
      Wäre voll lieb von dir wenn du das beantworten könntest, außer es wird noch erklärt, dann warte ich noch 🙂

      Reply

      • Avatar

        HasiAnn

        |

        Das kommt natürlich später noch 🙂 Sowas wichtiges lass ich doch nicht unerzählt.

        Reply

        • Avatar

          Ventipa

          |

          Dann freu ich mich schon mal drauf 😀

          Reply

  • Avatar

    sitos/Sabine

    |

    er kann was? Er Kann Was?? ER KANN WAS???
    maaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaan so ein gemeiner cliff XDXDXD schreib schnell weiter ^^

    Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      MUAHAHAHAHAH!!!!!

      Reply

  • Avatar

    Psychogirl

    |

    Ich finde die Geschichte wunderschön. Ich kann mich sehr gut hinein lesen und mit den Personen mitfühlen. Nicht viele Leute schaffen es, so zu schreiben. Du machst das wirklich gut, nur weiter so! Bis zum nächsten Kapitel!
    Deine Nell

    Reply

  • Avatar

    Chiyokilein

    |

    Ein Muffin…ahahaha
    das ist so schön, ich hab gerade sehr gelacht 😀

    Reply

  • Avatar

    KiteBird

    |

    Ich weiß nicht worüber ich mehr lachen soll xD Über ‚Vincent‘ ; Le Vorschlagshammer oder darüber, dass Noel sich selbst mit einem Muffin vergleicht :’D
    In Fourth Instance steckt soviel Liebe und Humor – dass spürt man als Leser sofort ^^

    Reply

  • Avatar

    Muffina_Blue

    |

    Es ist einfach so interessant.
    Auch schön geschrieben.
    Ich kann beim lesen alles vergessen. (War beim Kochen eher kontraproduktiv x‘D)
    Und…
    Ich will MEHR!!!! >\\-\\<
    *neugierig ungeduldig*

    Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      XD oje, hoffentlich hat das essen überlebt.

      Reply

  • Avatar

    Psycho Rabbit

    |

    Hey Hasi 🙂
    Hab gerade den neuen Part gelesen und der hat mich richtig gerührt. Ich hoffe es geht schnell weiter :).

    Leeni

    Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      Ich geb mir Mühe 🙂

      Reply

Kommentieren