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Epos Akt II – Mein Dismentis Abel

Akt 2 – Mein Dismentis Abel

Morgen. Gabriel liegt im Bett neben Abel. Er hat sich immer noch nicht ganz daran gewöhnt, nachts zu schlafen. Die meiste Zeit vertreibt er sich damit, Abel anzusehen, während Abel vor sich hinschlummert. Abel ist in den letzten Monaten ein wenig gewachsen, hat lesen, schreiben und rechnen gelernt und sich, ebenso wie Gabriel, in den Haushalt in Michaels Schloss in Transilvanien eingefügt. Abel erwacht meist noch vor den ersten Sonnenstrahlen. Anders als bei Noel lässt Abel die Vorhänge vor den Fenstern seines Zimmers nachts nie geschlossen.
Gabriel: Morgen, Kleiner.
Abel: Guten Morgen, Vincent…

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Abel gähnt und reibt sich die Augen. Dann lächelt er. Überschwänglich knuddelt Gabriel Abel in die Kissen.
Abel: Was hast du denn?
Gabriel: Och, nichts… Bin nur so glücklich, dass ich dich hab‘. Es ist schon mehr als ein Jahr her, seit wir uns kennen…
Abel: Achso?
Gabriel: Ja, dann müsstest du jetzt… 14 sein… oder …? Öh… Sag mal, Abel…
Abel: Hm?
Gabriel: Wir haben deinen Geburtstag gar nicht gefeiert.
Abel: o.o Was ist das?
Gabriel: Was ist was?
Abel: Geburtstag.

Gabriel blickt in große verständnislose Augen, wobei ihm auch nicht ganz eingeht, wie man nicht wissen kann, was ein Geburtstag ist. Für Dämonen ist er nungut nicht wirklich wichtig, aber für Menschen soll er das Ereignis des Jahres sein.
Gabriel: Es ist der Tag, an dem du geboren wurdest. *Wenn ein Mann und eine Biene… nein, halt…*
Abel: Der ist doch schon lange vorbei.
Gabriel: Ja, aber die Menschen feiern ihn jährlich.
Abel: Ich nicht…
Gabriel: Du hast noch nie deinen Geburtstag gefeiert?
Abel: Mh-mh.
Gabriel: *Komisch, ich dachte alle Menschen machen das* Wann hast du denn Geburtstag?
Abel: …
Gabriel: Du weißt es nicht.
Abel: Irgendwann… hat mir die Waisenhausbesitzerin nur gesagt ich wäre jetzt 12 … und dass sie keinen Platz mehr für mich hat.

Abels bisher so fröhliches Gesicht trübt sich ein wenig bei der Erinnerung an dieses Ereignis.
Gabriel: Also, es ist so, dass jeder Mensch an einem Tag geboren wurde und er diesen dann jedes Jahr feiert. Das ist quasi wie ein Ehrentag. Man freut sich darüber, dass dieser Mensch auf der Welt ist.
Gabriel: Michael und ich haben früher oft Menschen beobachtet. Daher weiß ich das. Würdest du denn gerne wissen, wann du Geburtstag hast?
Abel: Wozu denn…?
Gabriel: Naja… ich dachte es würde dir Freude machen, wenn du einen Tag hast, an dem man sich freut, dass du auf der Welt bist.
Abel: Wenn mich die Leute mögen freuen sie sich doch jeden Tag, dass ich da bin…
Gabriel: Aber an dem Tag würdest du Geschenke kriegen und einen Kuchen.

Da Abel weder weiß, was Geschenke, noch was Kuchen sind, fiel seine Reaktion entsprechend unmotiviert aus.
Abel: …du, Vincent?
Gabriel: Hm?
Abel: …Was sind Geschenke?
Gabriel: *Ich rede hier mit einem Waisenkind…* Geschenke sind Dinge, die du dir wünschst und bekommst, ohne was dafür zu tun. *schnorren quasi*
Abel: …
Gabriel: Du hast noch nie irgendwas besessen, oder?
Abel: Mh-mh.
Gabriel: Und für dich wurde auch noch nie eine Party geschmissen
Abel: …Was ist eine Party?

Langsam gehen Gabriel die Erklärungen aus, aber Abel scheint sich dafür auch nicht wirklich zu interessieren. Er setzt sich auf, streckt seine Ärmchen von sich und gähnt erneut. Gabriel betrachtet Abels Rücken, über den sich langsam das Nachthemd spannt, weil es zu eng wird.
Gabriel: Du bist so groß geworden. Ich glaub‘, wir müssen dir neue Klamotten besorgen. Michael wird das sicher regeln.
Abel: Hm? Warum neue? Ich mag meine Klamotten…
Gabriel: Aber sieh doch. Sie werden dir zu klein. Nicht, dass mich das stört…
Abel: Mich auch nicht.
Gabriel: Aber irgendwann wirst du im Bett frieren
Abel: Sie werden nicht weggeschmissen, bevor sie nicht kaputt sind!

Abel zieht eine Schnute. Gabriel zieht eine Schnute, hebt seine Finger und Abels Nachthemd reißt in Fetzen. Abel klatscht Gabriel seine Hand gegen die Stirn.
Abel: Vincent!! >o<
Gabriel: Was denn?
Abel: Du sollst nicht immer alles kaputt machen! Ò__Ó

Gabriel zieht Abel in seine Arme und auf seinen Schoß.
Gabriel: So gefällst du mir sowieso besser.

Abel wird ein wenig rot.
Gabriel: Du, Abel…
Abel: Hm?
Gabriel: Ich bin froh, dass du geboren wurdest.

Abel lächelt und rubbelt sich die Nase.
Gabriel: Ich will diesen Tag gedenken.
Abel: Ich weiß nur, dass er im Winter ist…
Gabriel: Naja, es ist Winter. Nicht mehr lange, aber immer noch. Nehmen wir doch einfach den heutigen Tag. Dann hast du eben heute Geburtstag. Das müssen wir feiern.
Abel: Nh… Warum denn…?

Gabriel fühlt ein durchdringende Ernüchtern, dass es sinnlos ist, einem Waisenkind das Konzept von verschwenderischer, zielloser Föllerei näher zu bringen. Er startet dennoch einen neuen Versuch.
Gabriel: Weil ich froh bin, dass du geboren wurdest. Sowas feiert man.
Abel: …. ich mag Feiern nicht…
Gabriel: Nicht? Wieso?
Abel: Sie machen mir Angst…
Gabriel: Ach ja? Wieso das denn? Zu laut?

Abel schüttelt den Kopf und will eigentlich darauf hinaus, dass auch öffentliche Hinrichtungen und Hexenverbrennungen gern gefeiert werden. Das sind eher die Festlichkeiten, die er so kennengelernt hat. Bevor Gabriel noch weiter das Wieso-Spiel spielen kann, klopft es. Abel wickelt sich schnell eine Decke um. Gabriel bittet den Besucher herein. Es ist Noel, der das Frühstück bringt.
Noel: Habt ihr Hunger?
Abel: Njelnitschka!! Ich hab‘ Hunger!

Sichtlich mehr über Noels Anwesenheit als über das Essen erfreut kommt Abel seinem großen Bruder entgegen. Noel stellt das Tablett auf einem Nachttisch ab und schließt Abel in die Arme. Sein Blick fällt auf das zerfetzte Nachthemd, dann auf Abel, der auf Gabriel zeigt, dann auf Gabriel, der nur entnervt zurückschmollt, dann wieder auf Abel.
Noel: Ist alles in Ordnung mit dir?
Abel: Alles okay.
Gabriel: Hey! Ich hab‘ nix getan!
Noel: Warum ist das Hemd dann da zerrissen?
Abel: Weil Vincent neue Klamotten für mich will! Dabei sind die alten noch gar nicht kaputt… Naja… Jetzt schon.

Noel seufzt. Diesen dummen Dämonen kann man keine Sekunde aus den Augen lassen. Aber sein Pulslevel ist noch nicht hoch genug für einen Ausbruch. Letztendlich geht seine Arbeit vor.
Noel: Habt ihr noch irgendwo Wäsche, die gewaschen werden muss?
Abel: Alles sauber.
Noel: Ok…

Michael schlingt seine Arme von hinten um Noel. Er hatte eine sehr schöne Nacht und das lässt er jeden anwesenden gern wissen. Spielerisch knabbert er an Noels Ohr.
Noel: Leooooooon!!! Ich muss arbeitäään.
Michael: Ihr habt euch schon wieder aus dem Bett gestohlen, Jeune Comte..
Noel: Ich versuch nur meinen Job zu machen und dafür muss ich nunmal früh aufstehen.
Michael: Dabei war euer freier Tag doch für heute angeordnet…
Noel: Was? Gar nicht!
Michael: Also ab zurück ins Bett. Wenn du verstehst was ich meine.
Noel: Was?! Wie kommst du denn jetzt darauf?
Gabriel: Interessiert denn niemanden, dass Abel heute Geburtstag hat?

Das Geturtel hört abrupt auf. Noel kämpft sich aus Michaels Armen frei und sieht mit großen Augen zu Abel. Abel wird ein wenig rot im Gesicht. So viel Aufmerksamkeit.
Noel: Du hast heute Geburtstag?
Abel: …nhhh…
Noel: Herzlichen Glückwunsch, Petit Frère. Leon wird dir sicher ’ne Torte backen.
Gabriel: Er will keine Party…
Michael: Aber ein Stück Torte schadet ihm nicht.
Gabriel: Torte ist doch ok, oder Abel?

Abel nickt ein wenig überfordert.
Gabriel: Gut, dann zieh dich an.
Noel: Ich geh noch fix die Wäsche waschen.

Noel sammelt die Nachthemdfetzen auf und verzieht sich in die Waschküche. Abel tappst zum Schrank und zieht sich um, ganz glücklich darüber, dass die Aufmerksamkeit nicht mehr ganz so sehr auf ihm liegt. Gabriel folgt Michael aus dem Zimmer.
Gabriel: Hast Du größere Klamotten für ihn?
Michael: Sicher. Obwohl er so groß geworden ist, wirkt er immer noch sehr niedlich… wie ein Kind.
Gabriel: Mhm. Er ist wunderschön, nich wahr? Meine Dismentis wurden nie so groß.
Michael: Er wird noch viel größer werden, wenn er erwachsen wird.

Gabriel kommt ein Gedanke und er wird etwas ernster. Noel ist mittlerweile 19 Jahre alt, aber sein und Abels Aussehen gleichen sich immer mehr an.
Gabriel: Und Noel?
Michael: Noel nicht. Er wächst nicht mehr, schon seit einer Weile.
Gabriel: Macht dir das denn nichts aus?
Michael: Nein… denn er war vom Wesen her schon immer recht erwachsen… Ich habe ihn nie als richtiges „Kind“ erlebt.
Gabriel: Sich als Kind schon so erwachsen benehmen zu müssen, muss doch ziemlich hart sein.
Michael: An seinen Befehlen damals einem mächtigen Dämon gegenüber, konnte man allerdings erkennen, dass er es nicht ganz verlernt hatte, Kind zu sein. Vermutlich ließ er seinen Groll, seinen Zorn, seinen Trotz nur mir gegenüber raus. Ein Pakt zwingt einen Dämon früher oder später in die Bedienstetenrolle, wenn der Mensch irgendwann versteht, dass der Dämon ihm hörig ist, egal wie schroff sich der Mensch benimmt oder welche unsinnigen Forderungen er stellt.
Gabriel: Aber jetzt trägt er die Bedienstetenklamotten für dich.

Michael verzieht ein wenig das Gesicht.
Michael: Ja… Das muss ich ihm wieder abgewöhnen. Er bleibt nach einer Nacht kaum noch lange im Bett.
Gabriel: Stört es dich etwa?
Michael: Er nimmt die Arbeit so ernst.
Gabriel: Sei doch froh. Er tut das für dich, begleicht seine Schuld von damals, wo er dich zu seinem Paktsklaven gemacht hat. Und sieh es mal so, wenn er es nicht gern tun würde, hätte er es schon längst gelassen.
Michael: Ja… Aber es wäre auch schön, wenn er für mich mal im Bett liegen bleibt…
Gabriel: Dann wirst du ihn wohl ans bett fesseln müssen.
Michael: Das hab‘ ich schon gemacht. Er schafft es trotzdem immer sich irgendwie zu befreien.
Gabriel: Er ist eben aufrichtig in seiner Arbeit. Muss doch nicht schlimm sein.

Die „Geburtstagsfeier“ wird ein ruhiges Zusammensitzen. Die vier schmausen einen von Michaels erstklassig gebackenem Kuchen. Danach geht jeder wieder seiner Wege. Noel ist gerade dabei das Geschirr vom Tisch zu räumen. Er zieht immer wieder die Nase hoch und wischt sich über die Stirn. Michael betrachtet ihn von der Küchentür aus.

Michael: Ihr werdet doch nicht etwa krank, Jeune Comte?
Noel: Wo denkst du ihn?
Michael: Habt ihr Kopfweh?
Noel: Nein.
Michael: Ich weiß was gegen Kopfweh hilft.

Michael machte nur einen Scherz. Noels schnippische Antworten sagen ihm, dass alles in bester Ordnung ist, doch bemerkt er auch mit ein wenig Sorge, dass Noel immer wackeliger auf den Beinen zu stehen scheint und immer öfter hustet. Er hört auf zu lächeln, geht zu Noel und legt ihm die Hand auf die Stirn.
Noel: Nimm deine Hand da weg, Leon. Ich habe noch ein paar Sachen zu erledigen.
Michael: Aber ihr-

Noel schafft das Geschirr und die restlichen Teller zurück in die Küche. Danach ist nur ein lautes Klirren zu hören.

 

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Michael schließt leise die Tür zu seinem Schlafzimmer. Er wollte Noel nicht in dessen Zimmer seine Krankeheit auskurieren lassen, also legte er ihn in sein eigenes Bett.
Michael: Er hat den Erlarch Virus. Der befällt vorallem die Lunge.
Gabriel: Wie soll das denn gehen? Hast du nicht gesagt, Noel ist tot?
Michael: Ja, ist er auch, aber nachdem ich ihn zu meinem Besitz gemacht und wiedererweckt habe, funktioniert auch sein Körper wie der eines Menschen. Er kann durchaus krank werden.
Gabriel: Aber sterben kann er nicht, oder?
Michael: Nein, er hat keine Seele mehr. Ein seelenloser Körper ist unsterblich.
Gabriel: Und wie geht’s jetzt weiter?
Michael: Naja, wir müssen das jetzt auf die menschliche Art regeln. Wadenwickel, Fieber senken, Kräutertee, Hühnersuppe, viel Schlaf, keine Arbeit.
Gabriel: Und wer wäscht jetzt meine Unterhosen?

Ein halber Tag vergeht. Die Nacht ist mittlerweile hereingebrochen. Michael kniet neben seinem Bett, in dem Noel liegt. Noel schläft nicht. Er zittert und schwitzt kalten Schweiß, krümmt sich immer wieder vor Schmerz. Michael betrachtet ihn ein wenig hilflos.
Michael: …Wo tut es weh?
Noel: In… meiner Lunge…

Ein weiteres Mal versucht Michael seiner dämonischen Fähigkeiten Gebrauch zu machen und Noel den Schmerz zu nehmen, aber die regenerativen Fähigkeiten eines Dämons sind begrenzt, selbst wenn es sich um einen derart mächtigen Dämon handelt, wie Michael.
Noel: Es… tut immer noch… weh…
Michael: Verzeihung… ich… müsste die Lunge direkt berühren, um überhaupt etwas zu bewirken.
Noel: Mach es! Es tut so weh!
Michael: …ich kann nicht eure Lunge berühren.
Noel: Schneid mich auf… brich mir was… ist mir egal…

Das Gefühl, als würde sich Säure durch seine Lunge fressen nicht mehr ertragend, zieht Noel den letzten Strohhalm. Michael gehorcht ihm, schlägt die Decke zurück. Umsichtig genug lässt er Noel vorher einschlafen, auch wenn er weiß, dass Noel nicht sehr tief schlafen wird, aber hier muss es reichen. Dann öffnet er Noels Nachthemd, setzt zwei Krallen seiner Hand unter Noels Brustbein an, wo der Rippenbogen sich öffnet, schneidet die Haut auf und dringt mit den Fingern vor, bis zu Noels Lunge, berührt diese und lindert den Schmerz. Augenblicklich atmete Noel ruhiger. Ein wenig erleichert über den Zustand überkommt ihn gleich wieder die Gewissheit, dass er ebenfalls nicht im Stande sein wird, die bereits zugefügte Wunde zu heilen. Er vernäht sie.
Gabriel: Kann ich dir irgendwie helfen?
Michael: Nein…
Gabriel: Mir scheint, dass du dir in den letzten Jahren ein wenig medizinisches Wissen angeeignet hast.
Michael: Ich habe mal als Arzt für Menschen gearbeitet, Gabriel. Aber ich wurde wegen Hexerei gefeuert.
Gabriel: Tse. Deine Leidenschaft für Menschen ist schon echt ulkig.
Michael: Ich mag sie nunmal… sie sind schön… und interessant.
Gabriel: Vorallem ihre Seelen, was?
Michael: Ja… warum auch nicht? Ich finde die Seele eines Menschen ist etwas Wunderbares.
Gabriel: Mir sind Menschen egal. Nach wie vor.
Michael: Was ist mit Abel?
Gabriel: Er ist der einzige, den ich mag. Selbst wenn er ein Dämon wäre, würde ich ihn mögen. Dass er ein Mensch ist, ist reiner Zufall. Menschen interessieren mich nur, wenn man sie benutzen kann.
Michael: Also willst du Abel auch nur benutzen?
Gabriel: Nein, selbstverständlich nicht.
Michael: Apropos… wo ist er eigentlich?
Gabriel: Er schläft noch. Ich dachte mir, dass es erstmal besser ist, wenn er nicht von Noels Zustand weiß.
Michael: Gut.
Gabriel: Noel sieht echt scheiße aus. Er ist noch blasser als sonst.
Michael: Ich weiß…
Gabriel: Naja, zumindest wissen wir, dass er nicht daran sterben kann.
Michael: Aber er hat Schmerzen…

Michael sieht besorgt zu Noel, der seinen Kopf im Kissen leicht windet, ein paar undeutliche Wörter spricht, die sich fern danach anhören, dass er noch die Wäsche waschen muss. Michael streicht Noel ein paar nassgeschwitzt Haarsträhnen aus dem Gesicht.
Gabriel: Wieso is der Kleine eigentlich so sehr darauf getrimmt, seine Arbeit zu machen? Hast du nicht mal gesagt, er wäre so ein schnöseliger französischer Adliger?
Michael: Weil er nach der Wiederbelebung mein Besitz war und ich ihm gesagt habe, er dient von nunan mir… Aber inzwischen sollte er doch begriffen haben… dass er das nicht mehr machen muss. Vielleicht macht er es inzwischen auch aus Dankbarkeit… Oder er zwingt sich… Ich weiß es nicht.
Gabriel: Ich glaube, er macht es eher aus Liebe.
Michael: …
Gabriel: Sag mal…
Michael: Ja?

Da die Stimmung langsam zu kippen droht, gibt sich Gabriel einen Schubbs von der Tür weg und setzt sich zu Michael vor das Bett, willig das Thema zu wechseln und ein bisschen zu Plaudern, Michael auf andere Gedanken zu bringen.

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Gabriel: Ich hatte vor vier Jahren meine Oata. War total geil. Hab‘ mich noch nie so mächtig gefühlt. Ich hab‘ eine Woche lang nur gemordet. Deine Oata muss ja auch mal bald kommen, oder?
Michael: …Ich hatte sie schon.
Gabriel: Und? Hast du was geiles erlebt?
Michael: …Ich kann mich… kaum erinnern… … … …aber als ich nach fast 2 Monaten wieder zu mir kam… hatte ich… Noel fast umgebracht.
Gabriel: Oh… Das is‘ wohl blöd, denke ich… Die Oata dauert lang… Du musst einiges mit ihm angestellt haben… Um so mehr, macht dir sein Zustand jetzt zu schaffen, was? Er ist krank, er hat Schmerzen, er leidet… Ich weiß, was passiert, wenn du hilflos bist… wenn du dich schlecht fühlst…
Michael: …Ich habe nur das Gefühl, dass ich nichts dagegen machen oder ihm wirklich helfen kann.
Gabriel: Ich versteh das…
Michael: So?
Gabriel: Leider hab‘ ich von Menschen noch weniger Ahnung, als du… Hast du… denn schon mal dran gedacht… den Jungen zu ersetzen?
Michael: …W-was? Nein!
Gabriel: Naja, durch einen, der nicht krank wird, mein‘ ich. Dann würdest du dich auch nicht mehr schlecht deswegen fühlen.
Michael: Das ist doch kein Kriterium ihn zu ersetzen!! Dafür kann er nichts. Absolut nichts.
Gabriel: Aber dich macht es doch momentan traurig oder nicht?
Michael: …Gabriel. Ich werde ihn nie ersetzen. Er ist mir das wichtigste und heiligste auf dieser Welt. …und ich liebe ihn. Ich würde kaputt gehen, wenn er nicht mehr bei mir wäre.
Gabriel: So fühlt sich Liebe an?
Michael: Natürlich.
Gabriel: Tja dann hab‘ ich ein kleines Problem, schätze ich…
Michael: Warum?
Gabriel: Naja, es geht um Abel… Weißt du… er ist ein Mensch…
Michael: Ja…
Gabriel: Und er ist mir wichtig… Aber… Also… nun… Menschen st-….

Noel atme einen hörbar deutlich ein und unterbricht Gabriels Satz. Michael sieht sofort auf und beugt sich über Noel.
Gabriel: Weißt du was? Ich sag’s dir später.
Michael: Jeune Comte…

Gabriel verlässt das Zimmer. Noel schlägt die Augen auf.
Noel: Leon…
Michael: Wie geht es euch…?
Noel: Die Schmerzen sind weg… Danke…
Michael: Nichts zu danken…

Michael küsst Noel vorsichtig und streichelt seine Wange.
Noel: Ich will wieder gesund werden… Ich will wieder arbeiten…
Michael: … Warum?
Noel: Das… ist doch meine Aufgabe.
Michael: …Warum denkt ihr, das wäre eure Aufgabe?
Noel: Weil… weil…
Michael: …Ihr müsst nicht arbeiten. Es strengt euch an.
Noel: Weil ich es gern mache…
Michael: …was?
Noel: Du hast mir diese Aufgabe gegeben. Und ich bin dankbar für alles, was du mir gibst…
Michael: …es wäre mir viel lieber, wenn ihr morgens länger im Bett bleiben würdet, um bei mir zu sein. Es bringt keinem etwas, wenn ihr euch tot arbeitet.
Noel: Totarbeiten kann man das kaum nennen. Ich mach ja fast nichts.
Michael: Es ist genug für euch.
Noel: Ja… Solange ich etwas für dich tun kann…
Michael: Ihr solltet euch ausruhen… bis es euch wieder gut geht… Soll ich euch für den Rest der Nacht schlafen lassen?
Noel: Ja, bitte…
Michael: Ich liebe euch…

Michael legt zwei Finger an Noels Stirn und sofort ist Noel wieder in einen leichten Schlaf gefallen. Michael hofft, dass er bis zum Morgen schlafen kann. Abel schaut ins Zimmer.
Abel: …Wo ist denn Vincent?
Michael: Ich suche gleich nach ihm… danach kommt er hierher. Kannst du solange auf Noel aufpassen?
Abel: Ja. Ist er krank…?
Michael: Ja… geh nicht zu dicht ran. Ich bin gleich wieder da.

Gabriel sitzt in der Bibliothek und das einzige, was ihm eingefallen ist, um Michael zu helfen, ist ein medizinisches Buch zu lesen. Gerade ist er bei der Diagnose des Erlarch Viruses angekommen. Michael betritt die Bibliothek.
Gabriel: Hier steht… Ui… böse Sachen… Der Erlarch Virus kann mit dem Tod enden.
Michael: Luzifer sei Dank kann Noel nicht mehr sterben…
Gabriel: Er ist durch Tröpfcheninfektion übertraggbar. Was heißt das?
Michael: Naja… es ist über Spucke, Schweiß und Blut übertragbar…
Gabriel: aha… Bescheuert.
Michael: Menschen stecken sich schnell an. Die Pest hat sich damals rasant ausgebreitet.
Gabriel: Mhm…
Michael: Besonders Kinder sind wenig geschützt vor Virusinfektionen…
Gabriel: Naja, wir müssen ja nur dafür sorgen, dass Abel von Noel weg-…
Michael: Ich habe Abel gesagt, er soll nicht zu nah an Noel rangehen.
Gabriel: Wie du hast es ihm gesagt? Ist er gerade bei Noel?
Michael: Er kam vorbei und hat nach dir gefragt. Ich sagte er soll bei Noel bleiben bis ich zurück bin. Aber ich habe ihm auch gesagt er soll nicht zu nah rangehen.

Gabriel lässt das Buch fallen und springt auf.
Gabriel: Und du glaubst, er macht das?! Er hört nicht mal auf mich!
Abel: Er ist doch inzwischen alt genug, um-
Gabriel: Noel ist sein Bruder! Was glaubst du, wird er tun? Brav in der Ecke stehen bleiben?! Die haben schon zusammen im selben Bett geschlafen!!

Sich der Situation bewusst werdend, wie nah sich die beiden kleinen Brüder stehen und wie ansteckend das Erlarch Virus ist, stürzen die Dämonen aus der Bibliothek.

Währenddessen hat sich Abel selbstverständlich nicht an Michaels Anweisung gehalten, Abstand zu halten. Stattdessen hat er getan, was er immer tut, wenn er seinen Bruder im Bett vorfindet. Er kuschelt sich zu ihm. Liebevoll streichelt er ihm über die Wange.
Abel: Das wird schon wieder, Njelnitschka… bald können wir wieder zusammen spielen…
Noel: hh… Abel…?

Noel hat noch immer die Augen geschlossen und scheint zu träumen. Abel richtet sich ein wenig auf und beugt sich über Noel. Unkoordiniert hebt Noel seine Hand, als wolle er nach etwas greifen. Abel nimmt seine Hand.
Abel: Ich bin hier, großer Bruder…

Er lächelt lieb, beugt sich nach unten und gibt Noel einen liebevollen Kuss auf die Wange. In dem Moment hebt Noel den Kopf und legt seine Lippen auf die von Abel. Abels Augen werden groß und seine Wangen werden etwas rot. Es kam ein wenig überraschend, aber er will seinem Bruder auch den Gefallen tun, wenn er diese Art von Nähe gerade zu suchen scheint. Er bewegt ein wenig seine Lippen gegen die seines Bruders, vertieft den Kuss und schließt die Augen. Noels Reaktion wird etwas schwächen, bis er von Abel ablässt und zurück in seinen unruhigen Traum sinkt. Abel lächelt verträumt.

Die Tür wird aufgerissen. Gabriel und Michael stürmen herein. Gabriel zerrt Abel von Noel weg und raus aus dem Zimmer.

Abel: W-was ist denn los…?
Gabriel: Bleib bitte liegen, ok?
Abel: Aber mir geht’s gut…!
Gabriel: Ja, mag sein, ich will nur sicher gehen. Bleib liegen.
Abel: …o…okay. Was hast du…?
Gabriel: Ich… ich mach‘ mir nur Sorgen.
Abel: Warum denn…?
Gabriel: Das, was Noel hat, ist eine tödliche Krankheit. Er wird daran nicht sterben, weil er bereits tot ist, aber wenn du dich angesteckt hast…
Abel: Ich hab‘ mich nicht angesteckt…

Gabriel fühlt Abels Stirn, die breits jetzt auffällig warm geworden ist. Ohne ein Wort zu sagen steht er auf, geht ins Bad, kommt mit einer Schüssel kaltem Wasser und einem Lappen zurück.
Abel: Eh-
Gabriel: Hinlegen!
Abel: Ich hab‘ mich doch heute schon gewa-
Gabriel: Ich sag es nicht nochmal!

Abel legt sich in sein Bett. Gabriel legt ihm den nassen Lappen auf die Stirn.
Abel: …mir ist schon warm…
Gabriel: Ich weiß…
Abel: …du machst mir Angst…

Gabriel hält kurz inne und sieht Abel an. Er will nicht durchdrehen, aber die in ihm aufsteigende Angst, macht ihm mehr Angst, als die Angst selbst. Dass Abel mittlerweile etwas schwerer atmet, macht die Situation nicht besser.
Gabriel: Schlaf…
Abel: …ich will nicht schlafen…
Gabriel: Du wirst jetzt schlafen!
Abel: …warum schreist du mich an…??
Gabriel: Weil ich….
Gabriel: *Angst um dich hab*

Abel hustet. Gabriel legt sofort zwei Finger an seine Stirn und lässt ihn einschlafen. Die Fangzähne des Dämons wachsen und werden sichtbar. Seine Augen beginnen rot zu leuchten. Seine Haut wird fahl und dunkel.
Gabriel: Michael…

Eine dunkle Aura wabert um ihn herum, als er aufsteht und langsam zu Michaels Zimmer geht. Alle Kerzen im Gang gehen in starken Flammen auf.
Michael: Bitte lass das Schloss ganz. Wenn du jetzt alles abfackelst überlebt keiner.
Gabriel: Wie konntest du Abel zu Noel gehen lassen?
Michael: Ich wusste nicht, dass er so nah an ihn heran geht. Er muss ihn mindestens geküsst oder mit ihm gekuschelt haben, um sich so schnell anzustecken.
Gabriel: Du hättest dir das doch denken können, oder? Wie konntest du nur so unvorsichtig sein?!
Michael: …ich habe in dem Moment einfach nicht dran gedacht…
Gabriel: DU HAST NICHT NACHGEDACHT?!
Michael: Gabriel…
Gabriel: Wenn Abel stirbt, mach ich dich fertig!
Michael: Du kannst verhindern, dass er stirbt….
Gabriel: Er ist ein Mensch. Der Krankheitsverlauf ist deutlich und er führt unausweichlich zum Tod.
Michael: Noel ist auch ein Mensch.

Gabriel sieht auf, als er merkt, worauf Michael hinaus will. Er denkt einen Moment nach.
Gabriel: Und weiter?
Michael: Wenn du denkst, dass Abel stirbt… dann nimm ihm die Seele und belebe ihn danach wieder… Dann ist er unsterblich und für immer dein Dismentis.
Gabriel: Und wenn er das gar nicht will?
Michael: Ist es nicht sein Traum für immer bei dir zu sein? Außerdem wäre es ihm sicher lieber als zu sterben. Ganz abgesehen davon, wenn ihr beide füreinander bestimmt seid, ist er immer noch ein Mensch, er wird irgendwann alt werden und sterben. Was machst du dann? Ihm die Seele zu nehmen ist die einzige Möglichkeit, einen Menschen über seine Lebensspanne hinaus am Leben zu halten.
Gabriel: Ich… ich warte noch ein paar Tage. Vielleicht wird es ja besser…

Erwartungsgemäß ist Noel nach ein paar Tagen wieder auf den Beinen. Dagegen hat sich der Zustand von Abel extrem verschlechtert, noch schlechter, als er bei Noel war. Er kann sich nicht mehr aufsetzen, geschweige denn laufen, ist sogar zu schwach zu essen. Sobald er schläft bekommt er heftige Fieberträume. Seine Körpertemperatur ist bereits über 41 Grad geschritten. Gabriel sitzt an an Abels Bett, die Verzweiflung ist ihm deutlich ins Gesicht geschrieben.

Abel: …v…vinc-
Gabriel: Es tut mir leid… Ich hab‘ nicht auf dich aufgepasst.
Abel: …muss ich sterben…?

Gabriel nickt. Abel schweigt. Gabriel streichelt Abel über die Stirn. Abel versucht ein wenig zu lächeln.
Abel: …danke für…die schöne…Zeit, Vincent…
Gabriel: Ich will nicht, dass du gehst. Ich brauche dich, Abel.

Als Abel erneut gequält hustet, denkt Gabriel an den letzten ihm noch verbliebenen Strohhalm.
Gabriel: Es—…. es gibt eine Möglichkeit… dich zu heilen…
Abel: …J…ja?
Gabriel: Sowas können aber nur Dämonen… und es ist… nunja..
Abel: …?
Gabriel: Ich kann dir die Seele nehmen… dadurch wirst du wieder gesund.
Abel: …was h…eißt das… …dann für uns…?
Gabriel: Dass du für immer bei mir bleiben kannst.

Abel lächelt wieder angestrengt.
Abel: …gerne… …nichts….lieber als da-

Gabriel fühlt sich schrecklich und zögert. Doch Abels leichenhafter Anblick und die Panik davor, allein zu sein, erhebt sich weit über das schlechte Gewissen.
Gabriel: Unser Pakt erlaubt mir nur, deine Seele zu nehmen, wenn du es sagst. Du musst sagen „Gabriel, ich überlasse dir meine Seele.“
Abel: …Gabriel, …ich… überlasse… dir meine…. Seele…

Die Kerzen in ihren Haltern flackern im ganzen Schloss auf, erlöschen danach, es weht ein eiskalter Wind durch die Vorhänge. Michael, der in der Küche steht, sieht auf. Seinen Blick richtet er gen zweiten Stock, in dem er genau weiß, was gerade vor sich geht. Sein Atmen gefriert einen Moment, in dem Augenblick, als Abels Herz aufhört zu schlagen.

Noel, der mit der Wäsche beschäftigt ist, wundert sich über die plötzliche Kälte im Schloss und bekommt ein ungutes Gefühl. Auch als es nur Augenblicke danach wieder normal warm ist, blick er von seiner Arbeit auf und sieht aus Gründen, die er sich nicht erklären, kann zur Tür.

Gabriel: Es tut mir leid, Abel… Ich hatte dir nicht gesagt, dass du sterben wirst… Jetzt gehörst du mir…

Es ist, als würde die Zeit stillstehen. Kein Geräusch ist im Schloss zu hören, weder das Umschlagen dicker Buchseiten, wenn Michael in der Bibliothek studiert, noch das Platschen nasse Kleidung, die Noel gerade wäscht oder das Klappern von Töpfen und Pfannen, wenn Gabriel versucht, Essen zu machen. Es herrscht Totenstille, mehrere Stunden lang. Noel kann nicht sagen, wie lang er bereits an die Tür starrt. Michael versucht ein quälendes Ziehen in seiner Brust zu ignorieren und kümmert sich um das Abendessen.

Noel blinzelt als Abel im anderen Zimmer die Augen aufschlägt und tief einatmet.
Abel: …Vincent…

Abel streckt seine Hände nach Gabriel. Dieser lächelt und nimmt Abel in den Arm.
Gabriel: Und? Geht es dir besser?
Abel: Es fühlt sich so an… als hätte ich noch nie Schmerzen gehabt… Ich fühl mich wie neu geboren…
Gabriel: Siehst du. Ich sagte doch, dass es dich heilen wird. Es ist zwar eine etwas radikale Methode, aber sie funktioniert.

Abel kuschelt sich glücklich und lächelnd an Gabriel.
Abel: Mein Vincent…
Gabriel: Ich hatte so Angst um dich.
Abel: Es tut mir leid… ich hab‘ nicht auf Michael gehört…
Gabriel: Das macht nichts. Du hättest dich auch angesteckt, wenn du nur in Noels Zimmer gewesen wärst. Das Erhlach Virus ist hochgradig ansteckend hab‘ ich gelesen.
Abel: Ich geh nicht mehr zu Njelnitschka, bis er gesund ist…
Gabriel: Er ist gesund.
Abel: Ja?
Gabriel: Wieder völlig hergestellt.
Abel: Das ist ja super… Darf ich ihn sehen?
Gabriel: Ja, natürlich. Er ist sicher in der Waschküche wie immer.
Abel: Danke, dass du mir das Leben gerettet hast…

Abel drück Gabriel einen dicken Kuss auf die Wange und den Mund und tapps noch etwas wackelig auf den Beinen aus dem Zimmer.
Abel: Njelnitschka!
Noel: Abel?

Überschwänglich wirft Abel sich um Noels Hals. Noel hatte mit Abels Todesnachricht jeden Tag gerechnet, hatte sich schon selbst die Schuld für seinen Zustand gegeben. Um so überraschter ist er jetzt, Abel so kerngesund herumspringen zu sehen.
Abel: Ja!
Noel: Aber wie-?? Du warst doch schon so gut wie-…
Abel: Vincent hat mich geheilt.
Noel: Geheilt? Wie das denn? Dämonen können nur Schmerzen nehmen, aber nicht heilen.
Abel: Er hat gesagt, er muss mir nur meine Seele nehmen… dann können wir für immer zusammen sein.

Noels Blick bricht in sich zusammen. Er wird blass und starrt Abel an.
Noel: Deine Se-…
Abel: …stimmt etwas nicht? Ich bin doch gesund…
Noel: Er hat dir deine Seele genommen?!
Abel: M-mir geht’s besser als je zuvor…
Noel: Ist dir klar, was Gabriel getan hat?
Abel: …er hat mich gesund gemacht…
Noel: Abel, er hat dich getötet!
Abel: …

Abels Lächeln wird etwas kleiner.
Abel: N-nein… …das würde er nie machen…
Noel: Er hat deine Seele gefressen, dich getötet und dann hat er dich wiederbelebt. Er hat dich zu seinem Besitz gemacht.

Abels Lächeln verschwindet vollständig. Sein Blick gleitet zum Boden.
Abel: …Warum sollte er das machen…? …Er… er hat gesagt, er macht mich gesund…

Noel zuckt ein wenig und sieht zur Tür. Gabriel steht in der offenen Tür mit verschränkten Armen und sieht Noel finster an.
Gabriel: Man hätte es ihm auch anders beibringen können.
Noel: Ja, man hätte ihn anlügen können!
Gabriel: Ich habe nicht gelogen. Er ist wieder gesund und darauf kommt es an.
Abel: …Du hast mich angelogen… …ich bin tot…
Gabriel: Du stehst auf zwei Beinen, Abel. Du atmest. Dein Herz schlägt.
Abel: …ich bin dein Besitz…!
Gabriel: Das warst du vorher nicht und das bist du jetzt nicht.
Noel: Und ob… Darauf hattest du es doch abgesehen, oder? Auf eine reine, unberührte Seele von einem Kind. Was wollen Dämonen mehr? Du wolltest Abel für dich und das für die Ewigkeit!
Gabriel: Halt du den Rand! Das hier geht dich überhaupt nichts an!
Abel: …Dann… …war das alles… …nur eine Lüge…? …dass du mich…magst…?
Gabriel: Nein…!!! So ist es nicht! Ich mag dich! Natürlich mag ich dich!
Abel: …nh…
Gabriel: Nichts ist mir wichtiger als du!
Abel: …du…hast das … geplant…
Gabriel: Ich wusste, dass du sterben würdest und wollte dich nicht verlieren. Ich schwöre dir, ich hätte fast meinen eigenen Bruder deswegen verprügelt.
Abel: …du hast mich nicht sterben lassen… du hast mich getötet…
Gabriel: …Ich musste es tun…
Abel: …Warum…?!
Gabriel: Ich hätte dich sonst verloren. Ich wollte dich nicht verlieren.
Abel: …du…hättest mich doch einfach ersetzen können…
Gabriel: Ich wollte dich nicht ersetzen. Du bist für mich unersetzbar.
Abel: …m…mein Leben war doch das einzige… …das ich noch hatte…!

Abel sinkt auf dem Boden zusammen und fängt an zu weinen.
Noel: Tu uns allen einen Gefallen und sieh zu, dass du Land gewinnst, Gabriel.
Gabriel: Das hast du nicht zu entscheiden.

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Michael hat den Radau bemerkt und kommt in die Waschküche.
Michael: …was ist hier los?
Noel: Frag deinen geliebten Bruder. Er kam auf die geniale Idee, seinem Dismentis die Seele zu nehmen.
Michael: Sonst wäre Abel doch auch gestorben…
Noel: Er hat ihn getötet!!
Michael: Schmerzlos. Und Abel lebt jetzt ewig, genau so wie du… Wo ist das Problem?
Abel: …ich wollte NIE ewig leben…!!
Noel: Wie kommt es, dass Dämonen denken, dass es für einen Menschen das tollste ist, ewig leben zu können?
Gabriel: A-aber… Ich hab nur getan, was Michael gesagt hat.

Noel sieht augenblicklich zu Michael.
Noel: Was?! Das war deine Idee?!
Michael: …ja.
Noel: Was hast du dir dabei gedacht?
Abel: …Wie könnt ihr so… einfach über unsere Leben entscheiden…?
Michael: Ich dachte, Abel und Gabriel wollen für immer zusammen sein. Waren das nicht auch mal Abels Worte?
Abel: …es hieß immer „solange ich lebe“…!!
Noel: Ihr Dämonen denkt nur an euch selbst! Ihr fangt an, zu lieben und im selben Moment fangt ihr an zu besitzen. Kennt ihr überhaupt den Unterschied?
Michael: Also wäre es DIR damals auch lieber gewesen zu sterben??
Noel: ICH WOLLTE STERBEN! Falls du es vergessen hast! Ich wollte nicht mehr zurückkommen!! Ich war das alles leid! Meine Vergangenheit, meine ganzen Verbrechen, sämtliche Erinnerungen! Ich wollte das alles nicht mehr haben und nicht mehr mit mir herumtragen! Ich wollte dem Zweifel, dem Kummer und dem Selbsthass entgehen!
Michael: …
Gabriel: Du hast mich nicht sterben lassen!

Michaels Blick wird finster. Mit langsam ausholender Hand geht er auf Noel zu, doch Abel wirft sich zwischen die beiden.
Gabriel: MICHAEL!
Abel: …schlag mich ruhig… ich bin tot… ich hab‘ nichts mehr zu verlieren…

Noel nimmt Abels Hand, dreht sein Gesicht zu ihm.
Noel: Du hast mich zu verlieren.

Abel fängt wieder an zu weinen und drückt sich in Noels Umarmung.

Michael: Das erlaube ich nicht!

Michael zerrt Abel und Noel auseinander, schubst Abel in Gabriels Arme, der den Jungen sofort festhält. Noel versucht sich aus Michaels Griff zu befreien und zu Abel zu kommen. Abel versucht ebenso sich zu wehren und seinen Bruder zu erreichen. Die Dämonen lassen ihre Dismentis einschlafen.

Es wird still in der Waschküche. Leises Tropfen einer Wasserpumpe in einen Zuber ist zu hören.

Michael: …Wie es scheint verstehen unsere Dismentis die Regeln nicht, Gabriel.
Gabriel: Da hast du wohl Recht…

Unsicher nimmt Gabriel den schlafenden Abel auf den Arm.
Michael: Am besten wir halten sie vorerst voneinander fern. Sie dürfen sich nicht mehr sehen. Beide bleiben in ihren oder unseren Zimmern. Du weißt, wo das Schlosssiegel steht. Kreide ist auf dem Schreibtisch.
Gabriel: Ja…

 

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Danke für’s Lesen. Bald geht’s weiter 🙂

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Kommentare (2)

  • Avatar

    Ventipa

    |

    Ach komm schon!!
    Jetzt wurde es doch gerade interessant und spannend….ok das wars vorher auch, aber du weißt schon was ich meine!!
    Noel is alles ok? Geht’s dir gut? \(〇_o)/
    Un Happy Birthday Abel ☆*:.。.o(≧▽≦)o.。.:*☆

    Ahh ich liebe diesen Epos!!! σ(≧ε≦σ) ♡

    Reply

    • Avatar

      HasiAnn

      |

      Freut mich, dass ich dich damit glücklich machen kann XD

      Reply

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