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Epos Seite 70-79

Gabriel lächelt und streichelt Abels Wange.
Gabriel: Du bist schön, ganz egal, was du anhast.
Abel: Ehhhh? Findest du??
Gabriel: Natürlich.
Abel: Oh, ach so!

Draußen gehen Leon und Noel am Zimmer vorbei, um sich für den Abend zu verabschieden.
Leon: Also dann, ihr zwei… wir werden gegen Mitternacht zurück sein. Und Vincent… Noel möchte dir noch etwas bezüglich der „Hausordnung“ sagen.

Noel geht zu Gabriel, zerrt ihn an seinem Pulli zu sich und faucht ihm scharf ins Ohr.
Noel: Ich! Sehe! Alles!

Dann lässt er ihn los, knuddelt seinen Bruder nochmal und geht zurück zu Leon.
Noel: Mach’s gut, Petit Frère.
Abel: Tschüssiiiii…
Gabriel: Glmp:

Das Pärchen verlässt das Schloss. Abel und Gabriel sind allein.
Abel: Njelnitschka sah viel dünner aus als sonst.
Gabriel: Hm… jetzt wo du’s sagst. Dämonische Siegelmagie, die ich nicht kenne.

Abel befummelt seine Hüfte.
Abel: Nur hier.
Gabriel: Hm… Könnte an einem Korsett liegen.
Abel: Korwas?
Gabriel: Ein Korsett. Dieser Müll aus London. Das schnürt man Frauen um die Taille, damit sie schlanker aussehen und die Kurven mehr betont werden.
Abel: D-das tut doch weh!!!
Gabriel: Stell ich mir auch ziemlich unbequem vor. Dass Noel sowas für Leon macht… Dein Bruder muss meinen Bruder wirklich mögen.
Abel: Mhm…

Gabriel sieht zu Abel runter und im Bruchteil einer Sekunde stellt er sich Abel in einem Korsett vor, was dazu führt, dass seine Birne grunzrot wird. Abel kriegt davon nicht viel mit.
Abel: …Vinceeent, ich will was spielen.
Gabriel: Hä? Was?
Abel: Du hörst mir gar nich zu.
Gabriel: Äh… ja, Verzeihung. Was wolltest du?
Abel: Spielen!!
Gabriel: Was willst du denn spielen? Und mach nicht schon wieder diese Knatschmine. Du bist doch kein kleines Kind mehr.
Abel: I-ich bin erst zwölf!
Gabriel: Ein Junge in deinem Alter muss sich zu benehmen lernen.
Abel: Gar nicht…!
Gabriel: Doch!
Abel: Ich will lieber spielen.
Gabriel: Na schön. Was willst du denn spielen?

Abel dachte lange nach und nannte dann das einzige Spiel, das er kannte.
Abel: Ver… Verstecken.
Gabriel: Gut, wie du willst..
Abel: Zählst du…?
Gabriel: Ok.

Gabriel dreht sich um, legt seine Hände auf die Augen und fängt an zu zählen. Abel tappst sofort los. Seine erste Idee führt ihn in Bad, doch dort findet er nicht wirklich ein Versteck.
Gabriel: Ich komme!
Abel: W-warte!! Ich hab‘ noch keins!
Gabriel: Ja ja, ich zähl weiter.

Nunmehr rennt Abel in Noels Zimmer und kriecht in Noels Kleiderschrank.
Abel: Du kaaaaaaannst!
Gabriel: Dann komm ich eben jetzt!

Gabriel weiß aufgrund der Paktverbundenheit genau, wo sich Abel versteckt, aber er mag es, dass Abel Spaß daran hat und lässt sich daher bei der Suche absichtlich Zeit, ruft immer wieder Abels Namen und geht auffällig lange an dem tatsächlichen Versteck vorbei. Abel hockt leise kichernd im Schrank zwischen vielen – sehr vielen – verschiedenen Klamotten, die offenbar alle Noel gehören. Abel hat nicht sehr viel Platz, also versucht er ein paar der Kleidungsstücke beiseite zu drücken, dabei kippt ein ganzer Klamottenstapel auf ihn drauf, drückt ihn aus der Tür, Abel landet auf dem Teppich und wird unter einem Stoffhaufen begraben. Gabriel, der direkt daneben steht, glotzt erstmal doof, legt dann den Kopf schief und versucht Abel freizubuddeln. Eine kleine Hand greift nach seiner und holt er Abel aus dem Haufen.
Gabriel: Hey, Kleiner? Was machst du denn für Sachen?
Abel: Tut mir leid.
Gabriel: Ist alles in Ordnung?

Gabriel hebt Abel aus dem Haufen, dabei fällt ein rotes Stück Stoff, dass auf Abels Kopf lag auf den Boden. Gabriels Blick fällt sofort darauf und seine Gedanken schweifen etwas ab.
Abel: Ja. Danke…

Abel bemerkt Gabriels abwesenden Blick und folgt diesem auf den Boden, wo ein rotes Korsett liegt.
Abel: Lass uns was anderes spielen.

Gabriel reagiert nicht.
Abel: Was ist denn damit?

Abel betatscht das Korsett.
Gabriel: Es… es ist schön… finde ich.
Abel: Du willst es anziehen?
Gabriel: Nein…

Gabriel hebt das Korsett auf.
Gabriel: Würdest du… es für mich anziehen?
Abel: Aber… das tut doch weh.
Gabriel: Ja… vermutlich hast du recht… Dumme Idee.

Er räumt das Korsett zusammen mit den anderen Sachen zurück in den Schrank. Abel überlegt noch eine Weile. Was war gegen einen Muffin schon einzuwenden?
Abel: …nein! Äh- Warte. Ich mach’s!
Gabriel: Hm? Aber du hast doch gerade selber gesagt, dass es weh tut. Ich will dir nicht weh tun.
Abel: Das halt ich schon aus!

Abel klettert von Gabriels Arm und zieht sein Hemd aus. Gabriel steht noch etwas unschlüssig da, aber Abel scheint sehr entschlossen.
Gabriel: Abel….
Abel: Bitte…
Gabriel: Tust du das… für mich?
Abel: Mhm!
Gabriel: Dreh dich um…

Abel dreht sich mit dem Rücken zu Gabriel. Der Dämon legt ihm das Korsett.
Gabriel: Ist alles in Ordnung?
Abel: Ja…
Gabriel: Ich werd jetzt das Korsett zuschnüren. Wenn du es nicht mehr aushälst, sag sofort bescheid. Ich versprech dir, ich hör dann auf.
Abel: Ok.

Langsam schnürt Gabriel das Korsett zu. Abel ist ein wenig erschrocken darüber, wie schnell es in dem Stoff eng wird. Gabriel zieht ein zweites Mal an den Kordeln. Abel stürzt sich unbewusst mit den Händen am Schrank ab, hält aber still. Gabriel zieht ein drittes Mal.
Abel: Nhh…

Immer mehr von Abels weißer Haut verschwindet unter dem roten Stoff. Gabriel ist ganz gefesselt von dem Anblick und zieht ein weiteres Mal. Abel beißt die Zähne aufeinander.
Abel: …isses noch viel?
Gabriel: Hälst du es noch aus?

Gabriels Worte klingen leicht abwesend, als würde er gar nicht auf die Frage antworten. Seine Stimme wird tiefer.
Abel: J-ja… wie… wie viel ist es noch?
Gabriel: So viel, wie du noch erträgst.

Er zieht fester.
Abel: Nh…! Au…

Abel krallt seine Finger gegen die Schranktür. Er bemüht sich, für Gabriel durchzuhalten und tapfer zu sein, aber es tut weh, was Gabriel macht. Letztendlich wird es Abel zu viel.
Abel: …n-nicht mehr enger…

Doch Gabriel hört es nicht. Zu gefangen ist er in Abels Anblick und zieht das Korsett immer enger.
Abel: …a…au…!! …Vinc–…!! Hng…!! …Vincent…!!

Gabriel hört nicht auf. Abel hat immer größere Schmerzen und langsam wird ihm die Luft knapp.
Abel: …Vincent…!! Bitte aufhören…!! Ich krieg‘ keine Luft…!!

Gabriels Fangzähne sind zu sehen, als er sich langsam über die Lippen leckt, doch plötzlich tun seine Hände nicht mehr das, was er will. Er hält inne. In seinem Kopf hört er eine Stimme, ganz leise *Es tut weh!* *Ich krieg keine Luft*. Verwirrt schüttelt er den Kopf und merkt erst jetzt, dass Abel am ganzen Körper zittert, leise weint und schluchzt. Seine Gesichtszüge entgleisen im völlig. Erschrocken lässt die er die Kordeln vom Korsett los. Abel sinkt auf den Boden und kriecht zitternd in eine Zimmerecke.
Gabriel: A-abel…
Abel: …d… das Monster…

Gabriel streckt seine Hand nach Abel, um ihn zu trösten, doch Abel schreit erstickt auf und rennt aus dem Zimmer, rennt direkt in Noel rein. Dieser bemerkt das halboffene Korsett und wie sich Abels Haut darunter ein einer Stelle leicht bläulich färbt.
Noel: WAS IST HIER LOS?!!

Abel drückt sich in die Arme seines Bruders und weint bitterlich. Noel reißt das Korsett von dem Kleinen, legt ihm seine Jacke um und nimmt ihn in den Arm. Leon kommt dazu und sieht das Zimmer. Gabriel sitzt völlig verstört auf dem Boden, hat sein Gesicht in seinen Händen vergraben. Leon geht sofort zu ihm und nimmt ihn in den Arm.
Gabriel: Was hab‘ ich getan…? Was hab‘ ich getan…?

Noel bringt Abel in sein Zimmer, legt sich mit ihm ins Bett und hält ihn weiter im Arm, versucht ihn zu beruhigen.
Abel: …Das Monster ist wieder da…!!
Noel: Das Monster? Es ist wieder da?
Abel: …E..es war… es… ..es…war nur kurz da…! …Aber… es war da…!!
Noel: Hat es dir weh getan?
Abel: …I-ich wusste nicht, dass– …dass…
Noel: Was?
Abel: …dass ich es anlocke…
Noel: Wa-… Abel…
Abel: …V..Vincent… h… …hat mit mir verkleiden gespielt…a-aber dann… dann war dieses rote Korsett… so eng… dann hat er nicht aufgehört… auch als ich es wollte…. und… und….
Noel: Schon gut… shh…. Du musst nicht weiter reden.
Abel: Was ist mit Vincent…?? …Wo ist mein Vincent…??
Noel: Er…
Abel: …Wo ist er…?
Noel: Leon versucht wahrscheinlich gerade das Monster wieder zu verscheuchen.
Abel: …i-ich will zu Vincent…
Noel: Nein!

Abel zuckt zusammen. Noel hat das Verbot doch lauter ausgesprochen, als gewollt.
Abel: …W-warum nicht…?
Noel: Du siehst Vincent erst wieder, wenn ich sicher bin, dass das Monster weg ist.
Abel: Nh…
Noel: Ich hatte dir versprochen, dich zu beschützen.
Abel: …Ich…muss aber zu ihm….! …Jetzt…!
Noel: Wieso? Er ist vielleicht gefährlich.
Abel: Er ist nicht gefährlich…!!!
Noel: Er könnte dir wieder weh tun.
Abel: NEIN!

Noel sieht seinen Bruder mit großen Augen an.
Abel: Vincent tut mir nicht weh…!!
Noel: Abel…
Abel: Er hat mir versprochen, dass er mir nie weh tut…!! Außerdem hat er gesagt, dass nur ich das Monster für immer verjagen kann und sein Herz wecken kann! Ich muss das machen!! Nur ich kann das!!

Noel schüttelt den Kopf. Er duldet diesen Ungehorsam nicht. Zu viel Angst hat er um Abel und zu groß ist die Wut auf Gabriel.
Noel: Du bleibst hier drin.
Abel: Nein!!
Noel: Du tust, was ich sage! Hör auf deinen Bruder!!

Abel wendet den Blick zur Seite und nuschelt.
Abel: …du bist gar nicht mein richtiger Bruder…

Noel ist für einen Augenblick sprachlos, doch dann überwiegt wieder die Wut. Er steht auf, verlässt das Zimmer und schließt von außen ab. Er versucht Abels Rufen, dass er ihn raus lassen soll, und sein Schluchzen zu überhören und geht zu dem Zimmer, in dem Gabriel noch immer hockt.
Noel: Gabriel!!
Leon: Nicht, Jeune Comte–
Noel: Was hast du nur angerichtet? Was hast du dir dabei gedacht?
Leon: Jeune Comte, bitte.
Noel: Das ist ein kleiner Junge! Er ist zwölf! Er hat dir vertraut!
Leon: Jeune Comte!!
Noel: Und weißt du was? Er tut es immer noch! Er nimmt dich in Schutz! Er denkt, das Monster ist für das alles verantwortlich. Aber das stimmt nicht. DU bist dafür verantwortlich!! Du und nur du!! Was hast du-….!!!

Ein dumpfer Schlag ist zu hören, als Leon Noel eine Ohrfeige verpasst. Noel taumelt erschrocken ein paar Schritte nach hinten und es wird gedrückt still im Zimmer. Leons Fangzähne sind zu sehen, als er Noel entgegenknurrt.
Leon: … Rede NIE WIEDER so mit meinem Bruder.

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Noel beißt die Zähne zusammen. Er gibt sich nicht so leicht geschlagen.
Noel: Was…. Was bildest du DIR EIGENTLICH EIN DIESES MONSTER IN SCHUTZ ZU NEHMEN??? Er muss dafür büßen!!! Er trägt die Schuld an allem!!! Er hat Abel nicht verdient!
Leon: Ein MICKRIGER MENSCH WIE DU kann nicht verstehen wie es ist, wenn man das, was man am meisten begehrt mit seiner Nähe zerstört!! DU hast keine Ahnung WIE SCHWER es für UNS ist!! …du hast kein Recht über ihn zu urteilen.

Leons Stimme ist kalt und zerreißend und bringt Noel sofort zum Schweigen. Es wird wieder still im Zimmer. Noel schluckt stumm. Leon kniet sich wieder zu seinem Bruder, nimmt ihn in den Arm.
Gabriel: Er hat Recht…
Leon: Hat er nicht. Hör nicht auf ihn.

Noel hält seine geschlagene Wangen, die sich langsam blau färbt. Leon wirft ihm einen kalten Blick zu.
Leon: Bring Abel her.

Es ist lange her, dass Noel einen derart harrschen Befehl von Leon bekommen hat. Erschrocken über diese Geste traut er sich einen Moment, keinen Muskel zu zucken, doch als Leon seinen Befehl mit tieferer Stimme wiederholt, verbeugt sich Noel knapp.
Noel: Oui, Mon Maître…

Er verlässt das Zimmer. Im Gang wird ihm erst klar, wie sehr er zittert. Wankend nähert er sich seiner Zimmertür, hinter der er Abel gelassen hat. Er lehnt sich gegen die Tür. Abels Schluchzen ist noch zu hören. Einen Moment hat er den Gedanken, einfach das Schloss-Siegel, das Leon ihm gezeigt hatte, um sich Gabriel vom Hals zu halten, vor seine Zimmertür zu malen und sich mit Abel in seinem Zimmer zu verschanzen. Doch beim zweiten Mal darüber Nachdenken, wird ihm wieder klar, was Leon alles für ihn damals auf sich genommen hat und für ihn getan hat. Es war Noels Verpflichtung, dankbar dafür zu sein und seinen Platz als Leons Diener zu akzeptieren. Er steckt den Schlüssel in die Tür und dreht ihn um, öffnet die Tür aber nicht, sondern entfernt sich nur von ihr, läuft den Gang entlang, unschlüssig wo er jetzt hin soll. Letztendlich führt ihn sein Weg in einen etwas entlegenen Dachteil vom Anwesen. Seine Schritte knarzen auf dem alten Holzboden und sein langes Kleid wirbelt etwas Staub auf. Er lässt sich in einer runden Fensterausbuchtung nieder, das Glas ist trüb und verdreckt. Dort bleibt er sitzen. Mondlicht fällt auf ihn. Seine Wange tut weh.

Abel hört das Klicken des Türschlosses sofort und rennt aus dem Zimmer direkt zu Gabriel, der immer noch auf dem Boden sitzt.
Abel: …Vincent…
Gabriel: Abel…

Gabriel traut sich weder Abel anzusehen, noch irgendetwas anderes zu tun. Doch Abel kniet sich gleich zu ihm, nimmt seine Hände und sieht ihn mitfühlend an.
Abel: Los… wir… wir müssen beten, damit das Monster nicht zurückkommt.
Gabriel: B-…. beten?

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Gabriel sieht Leon fragend an und flüstert.
Gabriel: Sowas können wir doch gar nicht.
Leon: Sagt wer?
Gabriel: Vater… Wer denn sonst. Er sagte, Gott hört niemanden.
Leon: Hat Vater denn jemals ein wahres Wort gesagt?
Gabriel: …
Leon: Er sagte auch du wärst schwach und dumm.

Gabriel sieht wieder zu Abel.
Gabriel: A-Abel… es… ich weiß nicht…
Abel: …N…nein…? …Wieso…?
Gabriel: Ich hab’… noch nie gebetet… Ich weiß gar nicht, wie das geht.
Abel: …Aber du kannst doch jederzeit….damit anfangen… das geht ganz einfach…! Und es gibt fast gar keine Regeln…!
Gabriel: Ah ja?
Abel: Du musst nur… ehrlich zu dir sein und zu Gott sein. Gott weiß, was du meinst.
Gabriel: Ehrlich zu mir selbst?
Abel: Mhm. Du kannst es sogar verschlüsselt sagen. Das ist ja das Tolle! Gott weiß trotzdem was du meinst!
Gabriel: Abel ich… nh… Es war meine Schuld…
Abel: …W-was meinst du…?

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[Ganzes Epos lesen]

Danke für’s Lesen. Bald geht’s weiter 🙂

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