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Epos Seite 1-52

Akt 1 – Mein Besitz Noel

Ein Schloss in Transilvanien, auf einer Klippe über einem See. Mai, Ende 19. Jahrhundert.

Noel, ein etwa 17-jähriger Junge, mit kurzen, glatten Haaren, in einem schwarzen Anzug und weißem Hemd, arbeitet in der Waschküche, wäscht einen ganzen Stapel Klamotten, der mehr zerfetzt ist, als dreckig. Er hört Leon im oberen Stockwerk im Musikzimmer Geige spielen. Er hat die Tür nur angelehnt. Leon, ein großgewachsener junger Mann, mit langen schwarzen, zu einem lockeren Zopf geflochtenen Haaren, in legerem Outfit, gehört das Schloss.

Noel ist damit beschäftigt, neben seiner Tätigkeit lauthals zu nörgeln. Der Türklopfer am Haupteingang wird betätigt. Sein Klopfen hallt durchs ganze Schloss. Da es zu Noels Aufgaben gehört, öffnet er die Tür und steht mit geweiteten Augen einem kopflosen Boten gegenüber. Der Bote gibt dem Jungen einen mit rotem Wachs versiegelten Brief und verlässt wortlos das Anwesen. Verwirrt aber keines wegs ängstlich nimmt Noel den Brief entgegen, schließt die Tür, geht die Stufen in den nächsten Stock nach oben und klopft an die Tür vom Musikzimmer.
Noel: Le-Leon…?
Leon: Was gibt es?
Noel: Gerade ist das hier angekommen.

Leon öffnet, nimmt den Brief entgegen, löst das Wachssiegel und seine bisher ernste Mine heitert sich sichtlich auf.
Leon: Ah…
Noel: Hm? Was?
Leon: Eine Einladung zum Ball der Walpurgisnacht.
Noel: Was ist das?
Leon: Der Höhepunkt des Okkultismus in diesem Land.
Noel: Aha?
Leon: Der wichtigste Ball des Jahres für Wesen wie mich.
Noel: F-für Dämonen? Hatte deswegen der Bote keinen Kopf?!
Leon: Habt ihr Lust mich zu begleiten, Jeune Comte?
Noel: Lust? Steht doch im Arbeitsvertrag. Ich bin verpflichtet, dich auf Veranstaltungen zu begleiten.

Es ist kurz still zwischen beiden. Verhaltene, teils getroffene Blicke werden ausgetauscht und ein leichtes, unnahbares Räuspern ist zu hören.
Leon: …Nun gut. Dann bist du für den Rest des Tages von deinen Arbeitspflichten befreit. Bitte kümmer dich um Festtagskleidung.

Noel geht in sein eigenes kleines Zimmer, nicht weit vom Musikzimmer entfernt, öffnet den Schrank und nimmt ein langes, dunkelblaues Ballkleid heraus. Er zieht es sich an, merkt aber schnell, dass er es nicht allein schafft, die Schnürung am Rücken zuzuschnüren. Er flucht einen Moment über den Schneider dieses Kleides, geht dann zurück zum Musikzimmer. Leon öffnet. Obwohl er nicht in seinem privaten Zimmer war, hat er neue Sachen an. Er trägt einen blutroten, eng geschnittenen Frack, darunter ein enges schwarzes Hemd. Noel bestaunt einige Momente diesen Anblick, bevor er sich wieder fängt, da er merkt, dass Leon noch immer wütend auf ihn zu sein scheint.
Noel: Ka-kannst du mir bitte helfen und das Kleid hinten zuschnüren?
Leon: Dreh dich bitte um.

Noel dreht sich um. Leon schnürt das Kleid viel zu eng, sodass Noel kaum atmen kann.
Noel: Nhhh *nicht so fest*
Leon: Habt ihr euch schon Gedanken über den Schmuck gemacht, Jeune Comte?
Noel: N-nein… Ich hab‘ für sowas kein echtes Gespür. Ich dachte, so wäre es ok

Wortlos legt Leon Noel ein Kropfband mit einem eingefassten Rubin um den Hals, kniet sich noch einmal vor den Jungen und richtet das Kleid an einigen Stellen.
Leon: Tragt ihr auch Schuhe die zum Tanzen geeignet sind?
Noel: Ich weiß nicht.

Noel hebt das Kleid und zeigt seine schwarzen, leicht hochhackigen Stiefel seiner Arbeitsuniform, die weder zum Kleid passen, noch zum Tanzen geeignet sind.
Leon: Könnt ihr darin denn tanzen?
Noel: *ich kann auch ohne Schuhe nicht tanzen* Ja.

Leon steckt Noel noch einen kleinen, zum Kleid passenden Zylinder ins Haar, an dem zwei Rabenfedern befestigt sind.
Noel: Rabenfedern? *die piecksen*
Leon: Ja… das zeigt dass ihr zu mir gehört. Herrenlose Dismentis sind auf dem Ball wie Snacks auf einem All-you-can-eat-Buffet.

Noel nickt stumm.
Leon: Da das Kleid schulterlos ist, schlage ich lange Handschuhe vor.
Noel: Gut…

Leon zieht Noel lange Handschuhe an. Beide verlassen das Schloss und gehen auf eine reiterlose Kutsche zu.
Noel: Leon… warte…
Leon: Was ist?
Noel: Ähm…. Gefall ich dir…?
Leon: Natürlich, Jeune Comte.

Ein kleines Lächeln wird zwischen beiden ausgetauscht, was als stilles Friedensangebot wahrgenommen wird. Leon hilft Noel in die Kutsche. Sie fahren recht lang und halten vor einem großen Anwesen neben einem Friedhof, das alt und verlassen wirkt. Keine Menschenseele ist zu sehen. Noel knibbelt nervös an seinen Handschuhen.
Noel: *Friedhof… passt ja…* Bist du sicher, dass wir hier richtig sind?
Leon: Sicherlich.

Als Noel aus der Kutsche steigt, verheddert er sich in seinem Kleid. Leon kann ihn gerade so noch halten und hilft ihm schmunzelnd wieder auf die Füße.
Noel: Herr Gott, nochmal!
Leon: Nicht fluchen.
Noel: Von Sanierung haben die hier aber auch noch nie was gehört…

Sie laufen über einen halb verwilderten kleinen Pfad und treten in das Anwesen ein, als sich die morsche Tür von selbst öffnet. Einen kurzen Gang entfernt, hinter einer kaputten, alten Flügeltür liegt ein prächtiger und dennoch dunkler Saal mit tausend brennenden Kerzen in den Krohnleuchtern. Jede Menge zwielichtige Gestalten füllen den Saal, reden, essen oder starren. Es spielt klassische Musik von einem nicht sichtbaren Orchester.
Noel: Hier isses ja saukalt drin…
Leon: Kein Wunder… Wenn ihr wollt können wir tanzen… das wärmt euch sicher auf…
Noel: Wie du meinst.

Mit einem umwerfenden Lächeln zieht Leon Noel zu sich. Sie fangen an zu tanzen. Noel versucht vergebens ein Lächeln und seine geröteten Wangen zu unterdrücken. Es ist nicht geschickt, so offen Gefühle gegenüber seinem Meister zu zeigen, schon gar nicht, nach seinem Streit. Doch sein Blick schweift auch im Saal herum. Zwischen den Gestalten entdeckt er immer wieder kleine Kinder, meist jünger als er selbst. Sie wirken nicht sehr lebendig, eher paralysiert, aphatisch. Dezenter Gebruch von Blut ist wahrnehmbar. Leon bemerkt den eingeschüchterten Blick Noels.
Noel: Warum sind hier so viele Kinder?
Leon: Hm… wahrscheinlich Dismentis.
Noel: …
Leon: Keine Angst… Euch wird das nie wiederfahren…

Leon dreht Noels Gesicht sanft zu ihm, gibt ihm einen leichten Kuss. Noel lehnt sich an sein Gegenüber, drückt sich an ihn. Leon versteht sofort, aber hält den jüngeren lächelnd zurück.
Leon: Oya. Aber doch nicht hier. Obwohl es hier sicherlich nicht auffallen würde, es ist einfach nicht meine Art.
Noel: Bist doch ein Gentelman.
Leon: Ich weiß…
Gabriel: MICHAEEEEEEEELLLLLLLLLLLLLL!

Gabriel, ein junger Mann, mit langen schwarzen, glatten Haaren und Leons Gesichtszügen kommt durch den Saal gestürzt und springt direkt auf Leon zu, schubbst Noel bei Seite, wobei dieser umfällt, reißt Leon zu Boden und drückt seine Lippen überglücklich auf Leons. In einem leidenschaftlichen Kuss drängt Gabriel seine Zunge sofort in den Mund seines Gegenübers und umarmt ihn so fest, dass dieser sich kaum bewegen kann. Noel steht der Mund offen.
Noel: wa-…. was zum-…….
Leon: G-Gabriel.
Gabriel: Michael!! Ich dachte, du würdest nie mehr zurückkommen! Och Mann!!! Wie viele Jahre ist das schon her?
Leon: 46 um genau zu sein.
Gabriel: Das ist egal!

Gabriel küsst Leon wieder, drückt seinen Kopf fest an den eigenen, doch Leon drückt ihn mit sanfter Gewalt von sich und steht wieder auf, hilft auch Noel auf die Beine.
Gabriel: Ich bin so froooooooooooohhhhhhhhhh!
Leon: Gabriel, bitte. Ich bin in Begleitung hier.
Gabriel: Hm? Wer ist das?
Noel: Wer ist das?
Leon: Sein Name ist Noel Pierrot L´âme.
Gabriel: Ah, verstehe. Dein Dismentis. Sie ist hübsch.
Noel: Sie? Dismentis?
Leon: Jeune Comte. Darf ich vorstellen. Das ist mein Zwillungsbruder, Gabriel.

Noels Augen werden riesige und seine Kinnlade fliegt auf den polierten Boden, untermalt von Gabriels breitem Grinsen.
Noel: Bruder? Zwillingsbruder?
Gabriel: Der ältere, um genau zu sein. Ich wurde zwei Sekunden vor Michael geboren.
Leon: Das heißt nicht dass er automatisch der Stärkere ist.

Gabriel zieht einen Flunsch.
Gabriel: Ja… Leider war der große Michael immer der Stärkere. Aber…

Gabriel grinst wieder breit und spielt an Michaels Hose herum.
Gabriel: Ich hab‘ genug von dir nachgeliefert bekommen.

Noels Eifersucht wurde von Leons resigniertem Seufzen begleitet.
Noel: WIE BITTE?
Leon: Gabriel, bitte!
Gabriel: Was denn?
Leon: Jeune Comte, bitte! Benehmt euch. Beide.
Gabriel: Können wir das nicht wiederholen? Ich bin besser im Bett geworden. Komm schon… Wir hatten schon so lange keinen Sex mehr.
Leon: Auf keinen Fall, Gabriel. Ich habe mich verändert.
Noel: LEON!! Was geht hier eigentlich vor?!
Leon: Verzeiht, mein Bruder ist ein wenig… eigensinnig.
Gabriel: Wieso nennt er dich Leon?
Leon: Ich hatte einen Teufelspackt mit ihm und er hat mir den Namen Leon gegeben.
Gabriel: Und wieso erhebt er seine Stimme in Gegenwart seines Meisters?

Es ist einen Augenblick still zwischen den Dreien. Gabriels finsterer und verständnisloser Blick ist gegen Noel gerichtet.
Gabriel: Du scheinst dein Dismentis nicht gut erzogen zu haben, wie mir scheint. Meins ist da viel gehorsamer.
Leon: Du hast ein Dismentis…?
Gabriel: Ja, etwa so groß, mit hellen Haaren.
Leon: Meinst du das dort?

In der Dunkelheit das Saales sitzt reglos ein Junge mit hellen Haaren, mit dem Rücken zur Wand gelehnt. Direkt über seinem Kopf eine Spur aus Blut. Gabriel verzieht das Gesicht.
Gabriel: Verdammt… Er war gut. Aber ich sollte mir merken, Dismentis nicht mehr gegen Wände zu dreschen… Jetzt brauch ich einen neuen…

Gabriel sieht Leon mit großen Augen an.
Gabriel: Krieg ich deinen?
Leon: Keinesfalls.

Gabriel zieht Noel demonstrativ am Arm zu sich.
Gabriel: Och komm schon. Sei nich so. Ich mach sie auch nicht kaputt. Sie ist doch so hübsch.

Leon wird sichtlich wütend. Seine Augen fangen an zu leuchten und seine dunkle Aura wird sichtbar.
Leon: Gabriel. Lass ihn los!

Als Gabriel sich nicht rührt, stattdessen unter Noels Kleid an dessen Oberschenkel fasst, packt Leon seinen Bruder an der Schulter und zieht ihn in einem Ruck von dem zitternden Noel weg.
Leon: Ich sag es nicht noch einmal.
Gabriel: Au! Hey, warum denn so patzig!
Leon: Weil er mir gehört.
Noel: Leon….

Gabriel sieht Leon mit überraschten Augen an. Leon hebt den verstörten Noel auf seine Arme. Als Gabriel die tiefere Bindung zwischen den beiden bewusst wird, wird sein Blick verständnislos.
Gabriel: Du wolltest schon früher nie teilen.
Leon: Fass ihn nicht nochmal an.
Gabriel: Jaja, hab‘ schon verstanden. Sag mal, wohnst du hier in der Nähe?
Leon: W-…wozu willst du das wissen?
Gabriel: Ich wollte dich mal besuchen kommen. Zuhause lässt du dich ja gar nicht mehr blicken.
Leon: Ich wohne ganz weit weg…
Gabriel: Nur auf ein kleines Nümmerchen. Oder ein großes. Ich weiß doch, was für ein Durchhaltevermögen du hast.
Leon: Du bist nach wie vor so geschmacklos, Bruderherz.
Gabriel: Ich wundere mich, dass du es nicht mehr bist, Bruderherz. Du hast sowas doch früher genossen. Du hast jede Nacht, die wir verbracht haben, laut geschrien.
Leon: Wie ich bereits sagte, ich habe mich geändert.
Gabriel: Wiesooooooo? Du warst mal sooooooo cool!

Leon streichelt leicht über Noels Wange, der immer angespannter und nervöser wurde.
Leon: Wegen ihm. Und das war gut so.
Gabriel: Wie bitte?! Wegen einem Dismentis?!
Leon: Es gab Zeiten, da war er mein Meister.
Gabriel: Das sieht dir gar nicht ähnlich. Seit wann unterwirfst du dich?
Leon: Weißt du noch warum ich Gehenna verlassen habe?
Noel: Woher soll ich das wissen? Du bist nach Vaters Tod ohne ein Wort gegangen. Ich hab‘ deinen verdammten Penis vermisst!
Leon: …wie schade für dich.

Da Noel sich nicht zu beruhigen scheint, entscheidet Leon, dass es Zeit ist, aufzubrechen, was Gabriel sichtlich wütend werden lässt.
Leon: Nun. War schön dich mal wieder zu sehen, Gabriel.
Gabriel: Hey!!! Du kannst doch nich schon wieder abhaun!
Leon: Warum nicht?
Gabriel: Mann! Ich dachte wir machen was schönes zusammen. Nur du und ich. Vielleicht auch mit deinem Dismentis. Wir können ihn ja zusammen haben.

Leon antwortet zuerst mit Schweigen und einer hochgezogenen Augenbraue.
Leon: N
Leon: I
Leon: E
Leon: M
Leon: A
Leon: L
Leon: S

Noel zuckt fast unmerklich zusammen. Was aber zu merken ist, er kühlt deutlich aus und seine Stimme ist nur noch ein eingeschüchtertes Wimmern.
Noel: Ich will weg von hier….
Leon: Ich werde jetzt gehen, Gabriel.

Noel nicht von seinen Armen lassend, geht Leon zum Ausgang des Saals, lässt Gabriel verdutzt allein stehen. Doch dieser, noch einige Augenblicke der Realisations brauchend, nimmt diese Abfuhr nicht hin.
Gabriel: Michael! Komm schon! IS‘ DIR DIESES DISMENTIS WICHTIGER ALS DEIN EIGENER BRUDER?

Gabriels Worte hallen durch den Saal. Leon bleibt stehen. Schweigt einen Moment. Dreht sich dann zu Gabriel um, lächelt kurz und verlässt den Saal. Gabriels Gesicht verzieht sich in Zorn. Die schweren Samtvorhänge vor den Fenstern gehen in Flammen auf, was aber niemanden im Saal zu stören scheint.

Noel sitzt zitternd in der Kutsche, schweigt und ist den Tränen nah. Leon bemerkt dies und streichelt Noel leicht, immer mit gebührendem Abstand, über den Kopf.
Leon: Verzeihung…
Noel: Bin… Bin ich dein Dismentis?…
Leon: Nein.

Er nimmt Noels Gesicht liebevoll in die Hände.
Leon: Nein… Ich liebe euch…
Noel: Warum hat er mich dann die ganze Zeit so genannt?
Leon: Weil ihr in seinen Augen nur ein Dismentis seid. Ich sagte es gestern. Ihr genießt bei mir Privilegien die kein anderer in so einer Situation hätte. Jedes schwache Wesen an der Seite eines Dämons wird in erster Linie als Dismentis wahrgenommen.
Noel: Dann-…. Wenn… Wenn ich wirklich dein Dismentis wäre… würdest du mich auch austauschen… wie ich die Katze austauschen wollte?
Leon: Das würden die meisten Dämonen tun. Aber ihr seid nicht mein Dismentis. Ihr werdet es nie sein. Das wisst ihr doch…

Noel setzt sich auf die Bank, auf der auch Leon sitzt und drückt sich leicht an ihn, welcher wiederum seinen Arm um den Jungen legt.
Noel: Danke… Hat dieser Typ… dich schon mal angefasst?

Leon seufzt tief und resigniert.
Leon: Ja.
Noel: Wie?
Leon: Auf jede Art die ihr euch vorstellen könnt.
Noel: Hat er dir weh getan?
Leon: Nein.
Noel: Hatte er Spaß mit dir?
Leon: Ja.
Noel: Lagst…. ähm… lagst du… oben… oder er?
Leon: Das war unterschiedlich.

Es ist einen Augenblick still zwischen beiden.
Leon: Aber das ist schon lange her.
Noel: Liebst du ihn?
Leon: Nein. Nicht im Geringsten.
Noel: Aber es hat den Anschein gemacht, als liebte er dich… Zumindest wollte er mit dir… also…
Leon: Das ist nicht selten unter Dämonengeschwistern, Jeune Comte. Eigentlich ist es Gang und Gäbe.
Noel: Er hat diesen kleinen Jungen einfach–…
Leon: Leider hat Gabriel noch nicht so viel Verstand, um zu wissen, dass das Leben nicht nur aus Macht und Unterdrückung besteht.
Noel: Ja… das hat er definitiv nicht… Ich mag Gabriel nicht.

Leon schmunzelt ein wenig.
Leon: Ich auch nicht sonderlich.
Noel: Er ist dein Bruder.
Leon: Ja. Aber Mittlerweile habe ich mich weiter entwickelt. Und ich sehe, was für eine grenzenlose Dummheit er an den Tag legt.

Noel nickt erschöpft.
Noel: Ich will ins Bett…

Leon gibt Noel einen liebevollen Kuss, lächelt dennoch zweideutig, woraufhin Noel große Augen macht.
Leon: Oui, Mon Maître.
Noel: Le-…
Leon: Nein?
Noel: Es ist ewig her, dass du das zu mir gesagt hast.
Leon: Lasst es mich ab und zu tun…
Noel: Selbst in diesem Kleid?!

Leon grinst breit.
Leon: Oui, Mon Maîtresse…
Noel: Gaaaarrrggg! Geht’s eigentlich noch, verd—
Leon: Nicht fluchen, Jeune Comtesse.

Noel holt aus und patscht mit seiner zierlichen Hand an Leons Jackett herum, in der Hoffnung, ihm damit irgendwie weh zu tun. Leon lacht nur amüsiert, über die emsigen Bemühungen. Als die Kutsche hält, hebt Leon Noel hinaus und trägt ihn ins Schloss, den noch immer zeternden Jungen küssend. Er öffnet die Tür und sowohl seine als auch Noels Kinnladen gehen gegen Boden.
Gabriel: Hallo Michael.

Gabriel steht überglücklich lächelnd im Eingangssaal, hinter ihm eine Blutspur, die an einem, in der Dunkelheit sitzenden Etwas endet.
Leon: Wa-
Noel: Wa-
Leon: Gabriel!! Was machst du hier?!
Gabriel: Ich besuch dich, kleiner Bruder.

Das Etwas in der Dunkelheit wird langsam erkennbar als kleiner Junge, mit weißen, unfassbar lockigen Haaren und zerrissener, schmutziger Kleidung, der zitternd auf dem Marmorboden hockt. Leon seufzt und verkneift es sich, seine Schläfen zu reiben. Gabriel hingegen sieht seinen Bruder weiterhin glücklich und erwartungsvoll an.
Leon: Warte im Salon auf mich.
Gabriel: Begrüßt man so seinen Besuch?
Leon: Warte im Salon!
Gabriel: Jaja. Wo ist der?
Leon: Die Treppe hoch, die Tür gleich daneben.

Gabriel zieht den weißhaarigen Jungen auf die Beine und die Treppen nach oben. Leon setzt den völlig erschrockenen und leicht zitternden Noel ab.
Noel: Was war das?! Wieso ist der hier?!
Leon: Das meinte ich mit grenzenloser Dummheit. Jeune Comte. Er hat keinen Respekt vorm Leben. Ihr müsst euch… so hässlich wie möglich in seiner Gegenwart herrichten.
Noel: Hässlich?
Leon: Ihr müsst dafür sorgen, dass er euch nicht hübsch findet. Dann verliert er das Interesse. Eine Maske oder sowas–

Noel zuckt merklich zusammen und sein erschrockener Gesichtsausdruck ändert sich binnen Sekunden zu einem panischen. Leon bemerkt sofort, was er unbeabsichtig ausgesprochen hatte und streichelt beruhigend Noels Hinterkopf, nimmt ihn schließlich ganz in den Arm.
Leon: Nein- Nicht so eine- Keine Maske…
Noel: Ich will nicht…
Leon: Shh… Jeune Comte…
Leon: Dann werde ich euch beschützen…

Leon hebt das Gesicht Noels leicht an, sieht ihm in die Augen und spricht sehr leise.
Leon: Geht in die Bibliothek. Nehmt das Buch „Prometheus Jars“ aus dem dritten Regal von links. Schlagt Seite 207 auf. Nehmt euch Kreide aus dem Arbeitszimmer, ihr wisst, wo sie steht. Geht in mein Schlafzimmer und zeichnet das Symbol von Seite 207 vor die Tür und das Fenster auf den Boden. Dann kann niemand das Zimmer ohne eure Erlaubnis betreten und ihr könnt in Ruhe schlafen.
Noel: …
Leon: Ich will nur sicher gehen, dass er euch nichts antun kann.
Noel: Gut…

Noel geht zur Treppe, dreht sich noch einmal nach Leon um, als ob er Gewissheit wollte, dass er noch da ist. Leon versucht beruhigend zu lächeln, trotz dem dass ihm selbst nicht klar ist, wie die weitere Nacht verlaufen wird. Noel rennt in die Bibliothek und tut, was ihm gesagt wurde. Leon hingegen geht die Treppe in die andere Richtung hinauf und betritt den Salon. Gabriel sitzt dort ausgebreitet auf einem Sofa. Der weißhaarige Junge sitzt so weit in der Sofaecke, dass man ihn mit einem Kissen hätte verwechseln können, würden sich unter ihm nicht kleine Blutflecken verteilen. Der Junge zittert und versucht dabei, kein Geräusch von sich zu geben. Leon setzt sich auf einen Sessel, der neben dem Sofa steht. Er schweigt erst einige Augenblick und sieht Gabriel finster an.
Leon: Könntest du das in meinem Haus bitte unterlassen?
Gabriel: So lässt du deine Gäste also warten.
Leon: Und du hast keine Ahnung, wie man sich gegenüber dem Gastgeber benimmt.
Gabriel: Na und wenn schon.
Leon: Und du wunderst dich, warum deine Dismentis so schnell kaputt gehen.
Gabriel: Ich weiß halt, was ich will. Verschleiß ist vorprogrammiert.
Leon: Hm.
Gabriel: Scheint bei deinem Dismentis ja nich‘ so zu sein.

Leon sieht zu dem Jungen und reibt sich lächelnd ein wenig das Kinn.
Leon: Wenn er eh nicht lange hält… Darf ich ihn mir heute Nacht ausleihen?
Gabriel: Najaaaaaaaaaaaa… Du wolltest auch nich teilen. Ich tausche höchstens.
Leon: Tauschst du auch gegen einen Kuss?

Gabriels Augen werden groß, aber gleichzeitig vermutet er doch einen Schmu.
Gabriel: Ich kenne dich. Was für ein Kuss? Und red dich ja nicht raus.
Leon: Mit allem drum und dran.

Gabriel überlegt und sieht kritisch zu dem Jungen.
Gabriel: Hm… Ich weiß nich… Kuro ist ziemlich gut, musst du wissen. Ich weiß nicht, ob ein Kuss dagegen eine gute Bezahlung ist.
Leon: Nur eine Nacht. Acht Stunden.
Gabriel: Hn… Na gut… Einverstanden.
Leon: Ich werde… dafür auch bei dir übernachten. Morgen.
Gabriel: Jaaaaaaa! Ich schwör dir, das bereust du nicht!
Leon: Schon gut. Und jetzt gib ihn mir.

Gabriel packt Kuro am Hals, zieht ihn nah zu sich und sieht ihm direkt in seine schwarzbraunen, tränenreichen Augen. Kuro zittert und unterdrückt ein Wimmern.
Gabriel: Das ist Michael. Er ist für die nächsten acht Stunden dein Besitzer. Verstanden?!

Kuro nickt schnell. Gabriel schubbst ihn Leon in die Arme.
Gabriel: Viel Spaß damit. Mach ihn nach Möglichkeit nicht zu kaputt.
Leon: Danke. Gute Nacht, Gabriel. Ein Gästezimmer für dich ist im zweiten Stock.
Gabriel: Hey, warte mal!
Leon: Hm?
Gabriel: Wo bleibt mein Kuss?
Leon: Ach ja.

01

Leon setzt sich auf Gabriels Schoß, küsst ihn sehr langsam, dafür sehr lange. Was Leon nicht sieht, ist, dass Noel in diesem Moment an der offenen Tür vorbei läuft, sich darüber beschwerend, dass die Kreide nicht wie gewohnt in Leons Arbeitszimmer ist. Nun sieht er den Kuss zwischen Gabriel und Leon. Mit gesenktem Blick und blasser Mine entfernt er sich von der Tür. Minutenlang dauert der Kuss, bis Leon ihn beendet.
Gabriel: Wow. Michael! Du meine Güte.
Leon: Hm?
Gabriel: So warst du doch damals nich‘ drauf. Du hast noch nie mit so viel Leidenschaft geküsst. Das Dismentis scheint dir wirklich gut getan zu haben.
Leon: Siehst du. Man muss nicht nur alles zerrammeln. Mit ein wenig Geduld wird vieles schöner,
Gabriel: Und du bist dir sicher, dass ich mir den Kleinen nicht mal ausleihen darf?
Leon: Keine Chance.
Gabriel: Na schön. Ganz wie du meinst.
Leon: Also dann… gute Nacht, Bruderherz.
Gabriel: Ich erwarte dich morgen.
Leon: Mgh…ja.

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Gabriel steht zufrieden und vergnügt auf und geht in den zweiten Stock. Leon hebt Kuro auf seine Arme, der gar keine Kraft mehr hat, sich zu wehren und zu verstecken, wie panisch seine Angst mittlerweile geworden ist. Leon bringt ihn zu seinem Schlafzimmer und klopft an die Tür.
Leon: Jeune Comte?
Noel: Ja?
Leon: Darf ich reinkommen?
Noel: Ja…

Noel klingt auffällig schwach, als er dies sagt. Leon öffnet die Tür, tritt ein und legt Kuro in sein Bett. Noel sitzt in der Ecke und umklammert das Buch „Prometheus Jars“. Leon geht zu ihm hinüber und kniet sich auf den Teppich. Noel vermeidet jeden Blickkontakt.
Leon: Wollt ihr nicht schlafen?
Noel: …
Leon: Warum?
Noel: …
Leon: Stört es euch, wenn Kuro heute mit hier schläft?

Noel schüttelt den Kopf.
Leon: Danke.
Noel: Aber mich stört es, wenn du heute hier schläfst!
Leon: …was?
Noel: Du hast schon richtig gehört.
Leon: Weshalb?
Noel: Oder willst du dich vorher an dem Jungen noch vergehen?
Leon: Wie bitte??
Noel: Dir ist es offensichtlich egal, an wen du dich ranmachst.

Leon wird sichtbar wütend. Noel sieht ihn weiterhin nicht an und spricht nur leise.
Leon: Was?!
Noel: Hau ab.
Leon: Ich kann hier tun und lassen was ich will, Jeune Comte.
Noel: Das merke ich.
Leon: Warum seid ihr so undankbar?
Noel: Warum sollte ich dankbar für etwas sein… was sowieso nicht nur mir vorbehalten ist?
Leon: …oh ja. Vielleicht wäre es euch lieber, ich würde euch so behandeln wie Gabriel es mit seinen Besitztümern tut.

Noel zuckt zusammen und vergräbt seinen Kopf in seinen Armen. Die Ansage kam deutlich an.
Noel: Du hast ihn geküsst.
Leon: Das war, weil ich den Junge in Sicherheit bringen wollte.
Noel: Fällt dir keine bessere Ausrede ein? Ihr Dämonen seid alle gleich.
Leon: Es ist die Wahrheit.
Noel: Ich wollte der Einzige für dich sein.
Leon: Ihr seid der Einzige.
Noel: So, wie du deinen Bruder geküsst hast… Es tut weh…
Leon: Das hatte nichts zu bedeuten.

Leon hebt Noel hoch, trägt ihn durchs Zimmer und setzt ihn auf dem Bett ab.
Noel: Oui, Mon Maître….

Leon kniet sich vor das Bett, um Noel in die Augen sehen zu können.
Leon: Ich bin nicht dein Meister. Ich bin Leon…
Noel: …
Leon: Jeune Comte…

Noel sieht nur schweigend auf seine Knie. Es ist still im Zimmer. Leon will Noels Gesicht in die Hände nehmen, doch dieser zuckt sofort zurück, weniger aus Abscheu, als viel mehr aus Angst. Leon steht auf und geht zur Tür.
Leon: Bitte gebt dem Jungen etwas zum Anziehen.
Noel: …
Leon: Gute Nacht…
Noel: …

Leon verlässt das Zimmer und schließt hinter sich die Tür, die Noel nun traurig ansieht.
Noel: Oui, Mon Maître….

04kmw

 

Noel sieht zu Kuro, der weinend und zitternd in Leons Bett liegt. Er steht auf, geht zum großen Rosenholzschrank, holt eines von Leons weißen Hemden heraus und will es Kuro anziehen. Der kleine Junge schreit schwach auf, bewegt sich leicht, wodurch seine Blutergüsse sichtbar werden. Noel sieht nur das Häufchen Ehlend vor sich liegen und schaut ein wenig hilflos drein, zieht ihm dann unbeholfen die schmutzige, zerrissene Kleidung aus, das frische Hemd über und eine kurze Hose an, traut sich aber nicht, den kleinen Jungen dabei gänzlich anzuschauen. Er legt Kuro wieder zurück in die Kissen und setzt sich neben ihn, sieht ihn unschlüssig an. Es vergehen einige Minuten, in denen Noel mit seinem Mitgefühl hadert. Er legt zögerlich seine Hand auf Kuros Kopf, streichelt leicht durch die filzigen weißen Haare. Kuro zuckt erst einmal zurück, wimmert leise auf.
Noel: Was hat er mit dir nur gemacht…?

Kuro fängt bitterlich an zu weinen, wimmert und zittert. Ohne zu denken nimmt Noel ihn in den Arm.
Noel: Sshhh….
Kuro: …n…
Noel: Schon gut. Ich tu dir nichts. Mein Name ist Noel.

Nach ein paar Momenten klammert sich Kuro an den Älteren, welcher die Decke um Kuros Schultern legt und ihn leicht in den Armen wiegt.
Kuro: …Er…
Noel: Er…?
Kuro: …D…dieser…Mann… …der…vorhin…h-hier war…
Noel: Leon? Was ist mit ihm?
Kuro: …Er… h-hat… …mir…das Leben… gerettet…
Noel: Was…?
Kuro: …Ich…hatte…Angst vor ihm… anfangs…
Noel: Was hat er denn gemacht?
Kuro: …Er…hat…mit dem anderen darüber geredet…ob… er mich…für diese Nacht… „ausleihen“ kann…
Noel: Ausleihen????

Noel denkt in diesem Moment an etwas völlig anderes, als Kuro meint und wird ärgerlich. Doch das erneute Weinen des Jungen in seinem Armen reißt ihn aus seinen Gedanken.
Kuro: …Ich hatte Angst… dass…er mit mir auch so schreckliche… Dinge macht… …aber er hat mich nur… hierher gebracht… damit ich in Sicherheit bin…!
Noel: Das war also alles nur Show… …und ich hab‘ ihn angeschrien…

Noel seufzte, glaubte dem Jungen und wurde sich seiner Schuld erst jetzt bewusst.
Noel: Hast du Schmerzen?
Kuro: J-ja…
Noel: Wo?

Kuro deutet auf seinen Rücken.
Kuro: …H-hier…ist es am schlimmsten…
Noel: Ich kenn das. Warte…

Noel legt den Jungen zurück aufs Bett, öffnet die Schublade einer Komode und kramt ein kleines Döschen hervor, geht dann zurück zu Kuro.
Kuro: …M…macht… er das auch mit d-dir…? Besitzt… er dich?
Noel: Ähm… Mich? Ja, an sich schon. Aber er tut mir nicht weh.

Kuro schweigt. Er scheint verwirrt und nachdenklich, fast schon abgelenkt von seinen Schmerzen.
Noel: Leon hat mir erklärt, was du bist.
Kuro: …Was…bin ich denn…?

Noel schlägt die Decke zurück und will Kuros Hemd hochziehen. Kuro zuckt sofort zusammen.
Kuro: Was- N-nein!

Erschrocken nimmt Noel sofort die Hand zurück, als er merkt, dass Kuro das falsch verstehen könnte.
Noel: Tut mir leid!!!!

Eingeschüchtert zieht Kuro die Beine an und igelt sich in die Decke.
Noel: Es… ich mach nichts Schlimmes… Ich versprech’s dir. Ich will dir nur helfen.

Kuro sieht Noel in seine blauen Augen und vertraut ihm, trotzallem, was passiert war.
Kuro: …o… …okay…
Noel: Ich hab‘ hier was, womit die Schmerzen aufhören. Ich werd‘ jetzt dein Hemd ausziehen, ok?
Kuro: …o-okay…
Noel: Nur ganz kurz. Ist gleich vorbei.

Kuro nickt noch etwas unsicher. Noel legt seine Hand wieder an das weiße Hemd und zieht es vorsichtig nach oben, wobei tiefe, blutige Kratzspuren auf Kuros Rücken zu Tage gefördert werden. An eigene grausige Ereignisse erinnert, schluckt Noel seine eigene Angst herunter, schraubt das Döschen auf und schmiert sich ein wenig der nach Aloe riechenden Salbe an die Finger.
Noel: Ich glaube, das könnte jetzt im ersten Moment etwas weh tun, aber es wird danach wirklich besser sein.

Kuro kneift die Augen zu und nickt in der Hoffnung, dass alles schnell vorbei ist. Schon die erste Berührung von Noels Finger an Kuros Rücken lässt den Jüngeren zusammenfahren.
Kuro: Nhhh- au…!
Noel: Sshh…. Tut mir leid…

Noel wartet einen Augenblick, streichelt fast unbewusst ein wenig über Kuros Schultern. Erst als Kuro sich zumindest ein wenig entspannt, verteilt Noel langsam und vorsichtig die Salbe auf Kuros Rücken, immer wieder begleitet von kurzem Zucken und leisem Wimmern. Nach einigen Minuten schließt Noel das Döschen, zieht Kuro das Hemd vernünftig an und legt ihn zurück ins Bett.
Noel: Wird es besser?
Kuro: …e-ein wenig… Dan… …danke…
Noel: Schon ok… Ich hatte einen guten Lehrmeister…

Noel legt sich zu Kuro, zieht die schwere Daunendecke über sich und ihn. Es wird still im Zimmer. Es ist deutlich zu sehen, wie erschöpft Kuro ist. Er schließt müde die Augen, ein kleines Tränchen noch verdrückend.
Noel: Hier passiert dir nichts…
Kuro: …heute Nacht nicht…

Kuro fängt wieder an zu zittern.
Kuro: …Er wird mich töten…
Noel: Ich werde dafür sorgen, dass dich Gabriel nicht mehr in die Finger bekommt. Ich lass es nicht zu. Er hat keinen Respekt vorm Leben.
Kuro: …I…ist das…überhaupt ein Mensch…?

Noel sieht verwundert auf den Jungen, der mit großen schwarzbraunen Augen zurückschaut und die Frage völlig ernst meint.
Noel: Du-…. du glaubst, er ist ein Mensch?
Kuro: …Ich weiß es nicht…
Noel: Er ist ein Monster…
Kuro: …Monster…?
Noel: Wer so mit Menschen umgeht, kann nur ein Monster sein. Dafür verdient er den Tod.

Noel ist gar nicht klar, dass Kuro diesen eher metaphorischen Vergleich genauso ernst nimmt. Der Kleine rutsch zu Noel, sucht Schutz in seinen Armen, was den Älteren erstmal ein wenig überrascht, gab es doch sonst nie jemanden in seinem Leben, der ihm vertraute, schon gar nicht in den ersten Minuten des Kennenlernens. Seine Wangen röten sich ein wenig, doch im nächsten Augenblick fängt Kuro wieder an zu weinen, weshalb Noel ihn in die Arme schließt.
Kuro: …Mach, dass er weggeht, Njelnitschka…
Noel: Öh… …das werd‘ ich…

Es vergehen einige Minuten, in denen Noel Kuro streichelt und ein wenig überfordert von so viel Liebe und Vertrauen ist.
Noel: Wie heißt du überhaupt? Heißt du wirklich Kuro?
Kuro: N-nein… er… dieses Monster… sagt nur Kuro…zu mir… aber ich heiße Abel…
Noel: Abel…

Unbewusst schmiegt Abel seinen Kopf an Noels Brust, beruhigt sich ein wenig. Noel gewöhnt sich langsam an den Gedanken, dass er den kleinen Jungen auf eine süße, brüderliche Art zu mögen beginnt. Ein flüchtiger Kuss findet seinen Weg in Abels Haare.
Abel: Wie alt bist du, Njelnitschka?
Noel: Ich bin vor Kurzem 17 geworden.
Noel: Wie alt bis du?
Abel: Zwölf… glaub‘ ich…

Auf Noels Stirn tritt eine Ader hervor, als ihm klar wird, wie niedrig Gabriels Hemmschwelle sein muss, wenn er selbst vor einem so jungen Alter keinen Halt macht. Doch seine Wut wird von Abel unterbrochen, der sich wieder an Noel kuschelt.
Abel: Ich bin müde, Njelnitschka…
Noel: O-ok…
Abel: Aber ich hab‘ Angst, dass er mich holen kommt…
Noel: Du kannst ruhig schlafen. Ich bleib bei dir solange, bis du wieder aufwachst. Er kann hier nicht rein. Ich habe was auf den Boden gemalt, dass ihn-…
Abel: Danke…

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Der halb geflüsterte Dank lässt Noels Gesicht erneut rot werden.
Noel: Äh… gar nichts für…

Es dauert keine paar Minuten da ist Abel in Noels Armen eingeschlafen. Der Ältere sieht ihn noch lange an, kann nicht ganz aufhören, ihn zu streicheln und im Arm zu halten. Irgendetwas ist an diesem kleinen Jungen, das Noel dazu bringt, sein bisher eher egozentrisches Wesen zumindest für den Moment über Bord zu werfen.

Irgendwann ist auch Noel eingeschlafen. Leon klopft am nächsten Tag an die Tür, wovon Noel wach wird. Er hält Abel noch immer im Arm.
Leon: Jeune Comte…? Ich habe Frühstück für euch beide…

Noch etwas verwirrt sieht Noel zur Tür. Abel hingegen wacht ebenfalls auf, als Leon ein zweites Mal klopft. Noel bittet Leon herein, welcher das Zimmer betritt. Er stellt ein Tablett mit Frühstück auf seinen Nachttisch. Noel bemerkt, dass nun auch Abel wach ist und streichelt ihm leicht lächelnd über die Wange, worauf hin ein niedliches aber immer noch müdes Lächeln zurückbekommt.
Noel: Guten morgen… Hast du gut geschlafen?
Abel: Mhm.
Leon: Wie geht es euch? Und…ihm?
Noel: Also… Mir geht es gut… Ich mach mir Sorgen um ihn. Sein Name ist übrigens Abel. Er ist zwölf Jahre alt. Er hatte starke Schmerzen.

Leon stutzt auch ein wenig, als er das Alter hört. Abel sieht den großen Mann mit den schwarzen Haaren an und bemerkt, wie anders als Gabriel er ist. Sieht dann auf das Essen, dann wieder zu Leon, dann wieder aufs Essen, dass wieder zu Leon mit einem fragenden Blick.
Noel: Ich habe versucht, ihm die Schmerzen ein wenig zu nehmen, aber ich glaube, dass er noch andere Verletzungen hat.
Leon: Ich kann versuchen, Gabriel abzulenken… Dann… könnte sich Abel auskurieren. Ich kann euch Verbandszeug bringen.
Noel: Mit… „ablenken“ meinst du…
Leon: …ja. Leider.

Noel seufzt und sieht zu Abel, dem Leon eine Waffel reicht und der nun fröhlich und überglücklich darauf herumkaut.
Noel: Für ihn… …Leon…?
Leon: Ja?
Noel: Das von gestern…. ähm… Ich hätte nicht so schreien dürfen und ich hätte das nicht zu dir sagen dürfen…

Leon lächelt, streichelt Noel über die Wange und küsst ihn liebevoll.
Leon: Ich hoffe ihr könnt mir verzeihen, was ich getan habe.
Noel: Solange die Liebe zu mir aufrichtig ist kannst du tun und lassen, was du willst.
Leon: Ich liebe euch… über alles. Das wisst ihr doch.

Beide tauschen wieder Zärtlichkeiten aus, was Abel mit großen Augen verfolgt.
Leon: Irgendwann wird er das Interesse an Abel verlieren.
Noel: Wann? Wenn er ein neues Dismentis hat?
Leon: Ich weiß es nicht… ja, wahrscheinlich.

Noel neigt überlegend den Kopf und sieht auf Abel. Leon bemerkt die Idee, die in Noel heranreift.
Leon: Jeune Comte? Woran denkt ihr?
Noel: Naja, er hat ja schon Interesse an mir bekundet.
Leon: Nein… dann… wird er solange hierbleiben bis ihr ihm gehört.
Noel: Nur solange, bis Abel in Sicherheit ist. Ich hab‘ ja immer noch meinen eigenen Kopf. Außerdem bin ich dein Eigentum. Du hast mich wieder zum Leben erweckt.
Leon: Tut das nicht… bitte.

Es gibt seltene Momente, in denen Noel Angst in Leons Augen entdecken kann. Dies war soeiner und er lässt Noel sofort zurückrudern.
Noel: Behalten wir es doch wenigstens als letzten Ausweg im Hinterkopf.
Leon: Ja…
Noel: Gut… Geh, bevor Gabriel ungeduldig wird.

Leon nickt, erinnert Noel noch einmal an den Essensvorrat in der untersten Schublade der Komode, küsst ihn liebevoll und verlässt das Zimmer. Noel sieht kurz auf Abel, der viel zu beschäftigt und glücklich mit essen ist, als irgendetwas davon mitzubekommen. Ein Waffelhapps nach dem anderen landet in seinem kleinen Mund.

Noch bevor Leon richtig an die Gästezimmertür klopfen kann, wird sie von Gabriel aufgerissen und Leon wird überschwänglich ins Zimmer gezerrt.
Gabriel: Hey, kleiner Bruder. Was hat dich so lange aufgehalten?
Leon: Ich habe mich noch mit deinem Dismentis vergnügt?
Gabriel: Und? Wie gefällt dir Kuro? Isser nich absolut geil?
Leon: Er ist mir kaputt gegangen.

Gabriels Lächeln erstirbt und die Farbe weicht aus dem ohnehin schon blassen Gesicht.

Gabriel: Was?!! Michael!! Warum machst du meine Sachen immer kaputt???

Leon tänzelte beschwichtigend ums Bett und legte sich zu Gabriel.
Leon: Aber hey. Ich mach’s wieder gut.
Gabriel: Wie kaputt ist er denn? Ist er gar nicht mehr zu gebrauchen?
Leon: Ich glaube nicht.
Gabriel: Ach menno…
Leon: Ich weiß nicht, was du so toll an ihm findest. Er ist mir buchstäblich schon beim ersten Mal zersprungen.
Gabriel: Er ist halt klein. Du hättest besser aufpassen müssen.
Leon: Ich bin nunmal besser bestückt als du.
Gabriel: Naja… Ich hab‘ schon mit kaputten Dismentis gespielt.
Leon: Achso?
Gabriel: Das hat auch seinen Reiz.
Leon: Willst du nicht lieber mich? Du kannst mich haben.
Gabriel: Ja, natürlich will ich dich. Aber das war nur die Entschädigung dafür, dass ich dir Kuro für acht stunden gegeben habe. Du hast ihn kaputt gemacht. Ich will mehr.
Leon: Ich geb‘ dir so viel du willst…
Gabriel: Ich will dein Dismentis.
Leon: Mein- Was?!
Gabriel: Ja. Und ich will es kaputt machen. Recht muss Recht bleiben.
Leon: …nein.
Gabriel: Doch! Ich werd‘ es mir früher oder später holen. Du kannst nicht immer aufpassen.
Leon: Du ziehst einen kleinen Junge MIR vor? Du weißt echt nicht mehr, was es heißt, gut zu genießen.

Leon grinst breit, weil er weiß, wie er Gabriel provozieren und manipulieren konnte. Gabriel zieht eine Schnute.
Gabriel: Nhhhhhhh. Ach, Mann! Bist du ein harter Verhandlungspartner.
Leon: Ich geh nicht so schnell kaputt.
Gabriel: Na gut, fangen wir mit dir an. Mal gucken, wie viel Spaß ich habe.

Leon zieht sofort sein Hemd aus. Gabriels Mine hellt sich sichtlich auf, sofort vergisst er, dass er eigentlich gerade sauer war.
Leon: Hm… wie willst du es denn, Bruderherz?
Gabriel: Du! Unten!
Leon: …was?
Gabriel: Ich hab‘ viel gelernt in den letzten Jahren.
Leon: …Gabriel.
Leon: Du weißt doch, dass ich es hasse unten zu liegen.

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Die Sonne hat bereits ihren Zenit überschritten, als Leon Schweiß gebadet und mit blutig zerkratzter Brust in die Kissen sinkt.
Gabriel: Geht doch.
Leon: Au, verdammt.
Gabriel: Warum nicht gleich so?
Leon: Du hast aber auch nicht mehr so viel Ausdauer wie früher, hm? Dass du schon kommst, nur weil jemand schreit.

Leon leg eine Hand an seine Brust, nimmt sich den Schmerz und heilt die Wunden ein wenig an. Noel in Leons Zimmer schreckt aus heiterem Himmel hoch. Angespannt sieht er zur Tür und lässt Abel, den er bisher in den Armen gehalten hat los.
Noel: Leon….

Er streichelt Abel über die Wange, der ihn verwundert ansieht.
Noel: Ich geh nur kurz gucken. Bin gleich wieder da.

Abel nickt. Gabriel lehnt sich ans Kopfende und sieht nachdenklich ins Leere.
Gabriel: Ich glaube, meine ganzen Dismentis haben das aus mir gemacht. Ich mag es, wenn sie schreien.
Leon: Ein echter Dämon unserer Generation, was? Dir fehlt jegliche Leidenschaft.
Gabriel: Ich mache meinem Clan Ehre, schätze ich. Was ist mit dir?
Leon: Wenn du Leute zum Schreien bringst, beweißt das nur wie schlecht du im Bett bist.

Gabriel setzt sich ruckartig auf und sieht seinen Brüder wütend an.
Gabriel: Wie bitte?!
Leon: Du kommst nach Vater. Sonst hätte ihn Mutter bestimmt öfter rangelassen, meinst du nicht auch?
Gabriel: Tse… Und du? Kommst du etwa nach Mutter?
Leon: Dann hätte ich jetzt vielleicht Geschwister, die etwas leidenschaftlicher sind.
Gabriel: …sie war schwach.
Leon: Nein. Sie hatte Prinzipien.
Gabriel: Sie war dumm. Sie hätte sich nehmen sollen, was sie brauchte. Dabei hat sie nur auf Gefühle von anderen Rücksicht genommen.
Leon: Ja. Und sie lebt heute noch. Im Gegensatz zu Vater.
Gabriel: Sie hätte dich nicht vor ihm beschützen sollen. Eigentlich warst du es nicht wert.
Leon: Aw… spricht da der kleine, verletzliche Junge aus dir?
Gabriel: Halts Maul!
Leon: Daddy hat dich richtig hart rangenommen was?
Gabriel: Ich sagte, du sollst dein Maul halten!!! Mutter hat dich geliebt und Vater hat nur versucht, mich so stark zu machen, wie dich!
Leon: Du hast damals auch geschrien… Weißt du noch?
Gabriel: Du hast deine Stärke und Vaters Erbe zu unrecht bekommen! Es stand eigentlich mir zu. Ich bin der Ältere.
Leon: Du wirst nie diese Art von Aufmerksamkeit bekommen, Gabriel, weil alle vor dir wegrennen. Alle hassen dich.
Gabriel: Du kannst mich…
Leon: Ich habe zehn Minuten gebraucht und Kuro hat mir vertraut.
Gabriel: Was?! Vertraut? Er hat dir vertraut???
Leon: Er hat vor Lust geschrien, Gabriel.
Gabriel: Ich muss meine Dismentis zu gar nichts bringen. ICH will Befriedigung. ICH WILL DIE AUFMERKSAMKEIT DIE MIR ZUSTEHT!!!
Leon: Gib es zu, du selbst hast es nie geschafft, weil es langweilig wird, die Leute immer nur schreien zu hören. Nicht wahr?
Gabriel: HALT DEN MUND!!

Gabriels Fangzähne werden sichtbar. Er fährt lange Krallen aus und stürzt sich regelrecht auf Leon, der ihn nur sanft ansieht.
Leon: Gabriel.
Gabriel: Wa-…
Leon: Du bist genau so schwach, wie die Menschen, wenn du von dem, was du mit Vater erlebt hast, selbst zum Täter wirst.

Gabriel hält in seiner Bewegung inne, als Leon seine Arme um ihn legt und an sich drückt.
Leon: Sogar mein Dismentis ist stärker als du, was das angeht.
Gabriel: Dein Dismentis? Noel…
Leon: Er war mal so ähnlich wie du.

Noel sitzt die ganze Zeit vor der Tür und hört das Gespräch mit an.
Leon: Als ich einen Teufelspackt mit ihm hatte, hat er mich verprügelt.

Gabriel guckt nur und hört aufmerksam zu.
Leon: Er dachte, er kann mir seine Macht beweisen indem er das tut. Aber er hat mir und allen anderen durch seine Gewalt gezeigt, wie schwach er ist.

Er drück Gabriel einen Kuss auf die Stirn, küsst ihn nocheinmal richtig und sieht ihm dann in die Augen.
Leon: Gabriel. Bevor Vater dir das angetan hat warst du anders. Weißt du noch?

Gabriel dachte nach, kann sich aber nur schwer an Dinge von damals erinnern.
Leon: Wir haben die Nächte durch gespielt und die Menschen beobachtet, anstatt uns gegenseitig in die Bewusstlosigkeit zu vögeln.

Gabriel hat viel verdrängt, aber langsam kommen die Erinnerungen an seinen Bruder von damals zurück. Es war nicht alles schlecht, was sie erlebt hatten.
Leon: Ich weiß noch, wie du mal gesagt hast, du willst mich heiraten. Als wir 19 waren.
Gabriel: Ja…

Leon kuschelt sich langsam an seinen Bruder, streichelt ihn ein wenig.
Gabriel: Michael…
Leon: Ja?
Gabriel: Was-… Was tust du da?
Leon: Hm?
Gabriel: So benimmt sich kein Dämon.
Leon: Ich weiß.
Gabriel: So benimmt sich… ein Mensch.
Leon: Magst du mich nicht mehr?
Gabriel: Ich hab‘ nie aufgehört, dich zu lieben, Bruder.
Leon: Ach Gabriel. Aber du weißt doch, lieben können nur Wesen mit menschlichen Zügen.
Leon: Und ich kann das… aber du nicht…

Gabriel zuckt leicht zusammen. Leon streichelt ihm über die Wange.
Leon: Oder?
Gabriel: Aber jetzt… gerade… Ich liebe dich doch, Michael.

Gabriel lehnt sich nach vorn, um Leon zu küssen, doch dieser hält ihn sanft auf.
Leon: Gabriel… Warte…
Gabriel: Hm? Liebst du mich denn nicht?

Noel greift sich vor der Tür unbewusst an die Brust.
Leon: Doch, natürlich. Du bist mein Bruder. Aber es gibt da jemanden, der mir mindestens… genau so wichtig ist. In der Zeit, wo du weg warst, hat sich viel verändert.
Gabriel: Wer?
Leon: Hör mir erst zu.

Leon setzt sich auf, um sich zu erklären, bemerkt aber durchaus Gabriel finster werdenden Blick.
Gabriel: Wer ist es? Welcher Dämon hat sich deine Liebe erschlichen? Ich bring ihn um!
Leon: Gabriel. Hör mir zu.
Gabriel: Was?
Leon: Dämonen können sich nicht lieben. Wir können uns attraktiv finden. Wir können Sex miteinander haben. Wir können uns dadurch sogar vermehren. Aber eins können wir nicht. Wir können uns nicht lieben. Wir können nur Menschen lieben, weil wir nur durch Menschen überhaupt erst gelernt haben was Liebe ist.

Gabriel sieht seinen Bruder verwirrt an. Wieso kann er ihn nicht lieben? Das hat er doch schon immer. Oder war es eine andere Art Liebe, die Leon meinte?
Gabriel: Dann ist es ein Mensch, den du liebst?
Leon: Ja. Menschen sind keine Dismentis, Gabriel.
Gabriel: Wer ist es?
Leon: Es ist Noel.
Gabriel: Dein Dismentis von dem Ball?
Leon: Er ist kein Dismentis. Begreif das doch.

Gabriel seufzt. Das alles ist verwirrend und enttäuschend zugleich. Darf er seinen Bruder jetzt nicht mehr lieben?
Leon: Jeune Comte. Kommt ruhig rein, es ist alles in Ordnung.

Noel zuckt vor der Tür zusammen. Er hat wieder vergessen, dass Leon immer spürt, wo sein Packtpartner sich aufhält. Zaghaft steht er auf und öffnet die Tür, sieht verschüchtert zu den beiden Dämonen.
Leon: Versprich mir dass du ihm nicht wehtust, Gabriel.
Gabriel: Nhhhh ja, meinet wegen.
Leon: Danke…

Leon nimmt Noels Hand, führt ihn langsam zu Gabriel. Noel erinnert sich in dem Moment wieder an Abel und die Wut über Gabriel wird größer als seine Angst vor der Situation. Leon bemerkt Noels Gemütszustand und dreht ihn gleich von Gabriel weg.
Nein. Jeune Comte. Er ist kurz davor sich zu ändern.
Neol: Aber-… aber er
Leon: Bitte…
Noel: Für Abel?
Leon: Ja…
Noel: Gut…
Leon: U-und bitte vertraut mir jetzt.
Noel: Ich vertraue dir.
Gabriel: Hey, was tuschelt ihr da?

Leon hebt Noel auf das Bett zwischen sich und Gabriel, zieht ihm sein Schlafhemd aus. Gabriel macht große Augen.
Leon: Pass auf. Also.
Gabriel: Was wird das, Michael?
Leon: Ich will, dass du siehst, dass er kein Dismentis ist und dass das schönste sicherlich NICHT ist, ihn zum Schreien zu bringen.

Leon nimmt Gabriels Hände. Legt eine an Noels Brust, die andere an seine eigene Brust. Gabriel guckt verdattert. Er fühlt etwas, das er noch nie in seinem Leben gefühlt hat.
Gabriel: Was ist das? Da bewegt sich was unter deiner Haut…
Leon: Das ist ein schlagendes Herz.

Gabriel befühlt ganz fasziniert Leons und Noels Brust.
Leon: Gabriel. Das Herz sorgt nicht nur dafür, dass der Körper der Menschen funktioniert… Sie können ihr Herz auch… jemandem schenken. Dann lieben sie ihn. Dann musst du sie nicht mehr anschreien und sie nicht mehr schlagen oder sie zwingen damit sie bei dir bleiben. Sie machen das dann freiwillig.
Gabriel: Und das soll funktionieren?!
Leon: Ja, das funktioniert. Nun gut, sicher nicht so, wie du dir das vorstellst. Das Herz bleibt dabei im Körper. Aber einem Dämon weckt es das Herz.
Gabriel: Hm?
Leon: Wenn ein Mensch einem Dämon sein Herz schenkt und der Dämon in der Lage ist, den Menschen ehrlich zurückzulieben, wird das Herz des Dämons geweckt und fängt an zu schlagen.

Gabriel schweigt eine Weile. Er hört Dinge, von denen er vorher nicht wusste.
Gabriel: Michael… Du hast doch vorhin danach gefragt… Um die wahrheit zu sagen… ich hab bisher keines meiner Dismentis je dazu gebracht… mir zu vertrauen…
Leon: Das ist schlecht, Gabriel. Auch… wenn es so für dich schneller geht… und du sie schreien hören willst. Das ist nicht gut so. Du solltest dir die Zeit nehmen. Dann… gehen sie auch nie wieder kaputt, wenn du alles richtig machst.
Gabriel: Es sind doch nur… Menschen…
Leon: Gabriel…

Leon seufzte und nimmt Gabriels Hände in seine. Was seinem Sichtfeld entläuft ist Noel, der bei Gabriels Worten leicht zusammenzuckt und sich an seine eigenen Worte erinnert fühlt. „Es ist doch nur eine Katze“, sagte er zu Leon, als er dessen Katze aus dem Haus werfen wollte.
Leon: Wir haben auch ein Herz. Es funktioniert nur nicht so, wie das eines Menschen. Aber wir sind genau wie sie. Nur weil wir stärker, schlauer oder mächtiger sind, heißt das nicht, dass wir Macht über sie ausüben dürfen oder in irgendeiner Weise wichtiger sind. Vater hat das nie verstanden… aber Mutter hat es verstanden…
Gabriel: Mutter hat nur dich geliebt…
Leon: Nein… Das stimmt nicht…. Vater hat dir weh getan… Aber wie ich schon sagte… das zeigt nur wie schwach Vater war… Du weißt, er hat es bei mir auch versucht.
Gabriel: Du konntest dich wehren.
Leon: Ja. Aber ich habe dich nicht beschützt… weil ich Angst vor ihm hatte… Das, was ich am Ende getan hatte, war auch eher aus Angst und Wut. Ich hatte Angst, dich zu verlieren.

Leon schaut seinem Bruder tief in die Augen. Der traurig zurückblickt.
Leon: Deswegen muss ich dich um Verzeihung bitten… aber auch… dazu sind nur Wesen mit menschlichen Gefühlen fähig. Denkst du, du kannst mir verzeihen, Bruder?
Gabriel: Natürlich kann ich das!

Gabriel umarmt Leon, dieser lächelt. Noel sieht noch etwas unschlüssig zwischen beiden hin und her, ist sich nicht ganz sicher, ob das jetzt gerade gut ist, was zwischen den beiden passiert ist.
Gabriel: Michael…?
Leon: Mh?
Gabriel: Wie… ist das… wenn ein Mensch einem vertraut?
Leon: Hm. Gute Frage. Jeune Comte~? Wie ist das so?
Noel: Hm??! Äh… Ähm… Mhä… Schön?
Leon: Soll ich vielleicht rausgehen? Damit ihr frei darüber reden könnt?
Noel: Leon…
Leon: Verzeihung.
Noel: Wäre es nicht besser… er erfährt es aus erster Hand?
Leon: J- … Was??
Noel: War nur eine Idee.
Leon: N-naja… also… es wäre natürlich schlau ihn das selbst ausprobieren zu lassen, aber wer sollte sich schon dafür zur Verfü-

Noel lächelt lieb, was so viel heißen soll, wie „ich“. Leons ernster Lehrerblick wird stufenweise zu einem „Das kann nicht euer Ernst sein“-Blick. Aber Noel lächelt immer noch.
Leon: …N-nein, oder?
Noel: Wenn du es erlaubst…
Gabriel: Wovon redet ihr bitte?!
Leon: …mhh… Du… machst Noel nicht mehr kaputt, ja?
Gabriel: Wie merk ich, wann die Grenze erreicht ist?
Leon: Spätestens dann, wenn er schreit, blutet oder weint.
Gabriel: Ok, das kann ich mir merken.

Leon setzt sich aufs Bett und zieht Noel zwischen seine Beine. Obwohl es Noels Idee war, ist er nun doch etwas nervös.
Leon: Die wichtigste Regel ist, dass du vorsichtig sein musst…

0006kmw

Es vergeht eine halbe Stunde, in der Gabriel lernt, wie man einen Menschen dazu bringt, ihm auf rein körperlicher Ebene zu vertrauen, was darin endet, dass Noel mit geröteten Wangen und etwas außer Atem in Leons Arme gekuschelt sich erholt.

Gabriel: Das war schön.
Leon: Und merkst du was?
Gabriel: Was?
Leon: Es geht ihm noch gut… Er weint nicht. Er schreit nicht. Er hat keine Schmerzen… Nur sein Herz schlägt schnell. Du hast alles richtig gemacht…

Gabriel kratzt sich verlegen am Kopf.
Gabriel: Najaa… es… ist viel schöner… als wenn sie schreien…

Leon lächelt, streichelt Noel noch einmal über die Wange und sieht seinem Bruder in die Augen.
Leon: Gabriel… ich hab dich angelogen.
Gabriel: Hm?
Leon: Kuro ist nicht tot. Ich habe auch nicht mit ihm geschlafen.
Gabriel: Was?!
Leon: Aber jetzt tu mir den Gefallen und behandle ihn gut.
Gabriel: Gut? Wie meinst du das?
Leon: Schlag ihn nicht… Zwing ihn zu nichts. Warte bis er älter wird, bevor du nochmal versuchst, dich ihm körperlich zu nähern. Und wenn es soweit ist, lass ihm Zeit. Schrei ihn nicht an. Sperr ihn nicht ein… Wenn du… willst dass er dir vertraut oder dich sogar liebt, dann darfst du ihm nicht wehtun.

Gabriel nickt langsam. So ganz verstanden hat er das Konzept von Vertrauen und Liebe noch nicht, aber zumindest an den Ansätzen hat er Gefallen gefunden. Noel, der auch zugehört hat, öffnet die Augen und richtet sich auf.
Leon: Aber das kostet sehr viel Zeit, das sag ich dir glei-
Noel: Gabriel! Ich war die ganze Nacht bei ihm. Sein körper ist zerstört. Seine Seele ruiniert. Er hat Angst vor dir.

Gabriel schaut etwas getroffen auf den Boden. Noel steht auf, zieht sich seine Hose und sein Hemd wieder an, nimmt dann Gabriels Hand und führt ihn in Leons Schlafzimmer. Abel liegt dort im Bett, ist wieder eingeschlafen, weil so lange nichts passiert ist.
Noel: Siehst du das? Sein Name ist Abel. Er ist zwölf junge Jahre alt. Er ist nicht dein Dismentis. Er ist ein Mensch.

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Gabriel tappst langsam zum Bett, sieht den kleinen Abel darin schlafen, steht nur stumm davon. Abel hat sich wie eine Katze auf dem halben Kissen zusammengerollt und döst vor sich hin, die Haut noch übersäht mit leichten Kratzspuren und blauen Flecken. Gabriel blickt schweigend auf das kleine Bündel Mensch, das vor ihm liegt. Er sieht Abel in einem völlig neuen Licht. Und es tut ihm leid.
Noel: Leon?
Leon: Ja?
Noel: Ähm, können wir die beide hierbehalten? Nur eine Weile. Ich will Abel im Auge behalten und warten, bis er wieder gesund ist und Gabriel traue ich nicht über den Weg.
Leon: Wie ihr wünscht, Jeune Comte. Aber Gabriel wird wohl noch viel an euch rumexperimentieren wollen. Wenigstens könnt ihr dann sicher sein, dass er es richtig lernt und Abel später nicht wehtut.
Noel: Das ist mir immer noch lieber, als mich von ihm vergewaltigen oder töten lassen zu müssen, um Abel zu beschützen
Leon: Ich weiß nur zu gut was ihr meint.
Noel: Hm? Kann dir nicht folgen.
Leon: Nichts, nichts.
Noel: Lassen wir die zwei allein?
Leon: Niemals. Wenn Abel aufwacht und als erstes seinen Peiniger sieht, wird er einen Herzinfarkt und ein zweites Trauma erleiden.
Noel: Dann bleib ich bei ihm. Irgendwann muss er aufwachen. Er hat keine Familie… Er ist ein Waisenkind. Seine Eltern haben ihn sicher ausgesetzt und im Waisenhaus wurde er nur geschlagen. Gabriel hat ihn auf der Straße aufgelesen. …Übrigens an der selben Stelle, wo ich deine Katze her hatte… Fast ironisch…
Leon: Ich warte mit Gabriel im Musikzimmer. Ihr könnt Abel alles erklären und mit ihm nachkommen, wenn ihr wollt.
Noel: Gut. Ich wecke Abel.
Leon: Sobald Abel aufwacht, klärt ihn über die Situation auf.
Noel: Mach ich.
Leon: Wir müssen die zwei langsam aneinander gewöhnen.

Leon richtet sich auf und wendet sich an Gabriel.
Leon: Bruderherz, komm kurz mit.
Gabriel: Was? Aber der Kleine!
Leon: Ja… deswegen, komm mit.
Gabriel: Na gut…

Leon verlässt das Zimmer, Gabriel trottet ihm hinterher. Die Tür fällt ins Schloss. Noel legt sich zu Abel ins Bett, streichelt ihm sanft über die strubbeliggen Locken. Abel blinzelt müde. Lächelnd erblickt er Noel, der ihm gerade einen leichten Kuss auf die Stirn drückt.
Abel: Njelnitschka… Ich hab‘ geträumt, dass wir Geschwister sind.

Noel lächelt ebenfalls. Abel kuschelt sich in Noels Klamotten.
Noel: Im Grunde sind wir sowas wie Geschwister.

Abel bekommt riesige Augen.
Abel: Ja?
Noel: Ja. Es ist etwas kompliziert, es jetzt zu erklären–

Bevor Noel die Möglichkeit hat, seine Gedanken zu äußern, wird er von Abel stürmisch umarmt. Noel, erst noch etwas überrascht, nimmt seinen neuen Bruder inspe in den Arm.
Noel: Moi Petit Frère…
Abel: Ich hab‘ dich so lieb, Njelnitschka! Ich will nicht mehr von dir weg.
Noel: Ich hab‘ eine kleine Überraschung für dich.
Abel: Hn? Überraschung? Noch mehr von diesen Waffeln?
Noel: Ich hab‘ dir doch gesagt, dass der Mann, mit dem du hergekommen bist, ein Monster ist.
Abel: Ein böses Monster…
Noel: Nun, stell dir vor. Ich und Leon, wir haben das Monster getötet. Der Mann ist jetzt friedlich.

Abels Augen werden wieder riesig wie Teller.
Abel: Heeeeh?
Noel: Er wird dir nie wieder etwas tun.
Abel: Also war er nur besessen???
Noel: …könnte man so sagen.
Abel: Und ihr seid richtige Helden??

Noel kratzt sich etwas verlegen am Kinn. Mit so viel Bewunderung hat er gar nicht gerechnet. Ihm ist sowieso schleierhaft, wie er es schafft, mit einem Kind umzugehen, wo er doch selbst den Kontakt mit anderen Kindern immer gern vermieden hat.
Noel: Najaaaaaaaaaaaaaa…
Abel: Woooooow!

Noch immer überfordert von so viel Bewunderung, kuschelt sich Abel an ihn.
Abel: Mein großer Bruder ist der beste der Welt~!

Noel unterbricht Abels Freudentaumel, um ihn langsam wieder zum Thema Gabriel zurückzuführen.
Noel: Willst du zu ihm?
Abel: Hn? … nhh… ich… …
Noel: Ich komm auch mit.
Abel: Ich trau mich nicht…
Noel: Keine Angst.
Abel: …o…okay.
Noel: Und wenn er doch wieder böse wird *was ich ihm nicht raten würde, weil ich ihn sonst filitiere* dann bin ich da und beschütz dich. Ich versprech’s.
Abel: Okay!

Abel, der bis eben noch verschüchtert und zusammengekauert da hockte, strahlt nun wieder und flufft sich an Noel. Noel drückt den Kleinen noch einmal an sich und krabbelt mit ihm vom Bett. Sie gehen beide den langen Gang bis zum Musikzimmer hinunter. Noel öffnte die Tür. Abel versteckt sich gleich hinter seinem neuen großen Bruder, versucht dennoch genauso mutig auszusehen, wie Noel ihm scheint. Gabriel steht erst nur am Fenster, dreht sich um. Als er Abel sieht, kniet er sich langsam hin. Seine Kleidung ist anders, er trägt nicht mehr den Anzug vom Dämonenball, sondern ein Shirt mit schlapprigen Ärmeln, darüber ein helles Sporthemd. Leon hält sich im Hintergrund. Abel sieht mit großen Augen zu Gabriel, dann schaut er fragend zu Noel hoch.
Abel: …ist er das?
Noel: Ja.

Noel ist erst verwundert, dass Abel das fragt, bis ihm einfällt, dass es möglich ist, dass Abel Gabriel noch nie richtig ins Gesicht gesehen hat. Um so finsterer sieht er jetzt zu Gabriel, was dem Dämon andeuten soll, mache er nur eine falsche Bewegung, fliegt er durch die geschlossene Fensterscheibe. Abel geht ein paar Schritte ins Zimmer, noch ganz mutig, dann aber doch eher schüchtern. Gabriel guckt nur. Leon hatte ihm gesagt, er solle ruhig bleiben und warten, bis Abel etwas tut. Gabriel versucht zu lächeln, was Abel eher verwirrt. Fragend sieht er zu seinem Bruder.
Abel: Duuu… meint der mich?
Noel: Ja, er meint dich. Geh ruhig hin. Ich bleib auch hier.
Abel: …und er haut mich nicht?
Noel: Er wird dich nicht hauen.

Wieder etwas mutiger tappst Abel weiter auf Gabriel zu, sieht ihn erstmal nur an. Gabriel schaut zurück.
Gabriel: Ku-…. ich meine… Abel…
Abel: Mein großer Bruder hat gesagt, er hat dich von ’nem Monster befreit.

Gabriel sieht verwirrt zu Noel. Dieser guckt ihn weiterhin finster an und nickt langsam. Gabriel – leicht paralysiert – nickt ebenfalls.
Abel: Und jetzt bist du viel lieber als vorher!!
Gabriel: Äh… ja, das is richtig. Ich denke schon.

Nunmehr strahlt Abel wieder übers ganze Gesicht und beguckt Gabriel interessiert.
Abel: Du siehst aus wie dieser Leon… Bist du… sein Bruder?
Gabriel: Hm, du bist ja richtig aufmerksam… ja, Leon ist mein Zwillingsbruder.
Abel: Du hast ’nen tollen Bruder.
Gabriel: Ja… ich weiß… den besten…
Abel: Aber meiner ist viiiiel tollererer.
Gabriel: Nein, meiner is toller!

Abel zieht eine Schnute. Gabriel zieht die gleiche Schnute.
Abel: Nein gar nicht!
Gabriel: Wohl!
Abel: Gaar nicht!
Gabriel: Wohohl!!

Noel steht verdatter daneben.
Noel: Was zum… streiten die sich?!?…
Abel: Meiner hat ein Monster platt gemacht!
Gabriel: Meiner hat mein Herz gerettet.
Abel: Und meiner-… So?
Gabriel: Ja…
Abel: Wow… Dein Bruder ist wirklich toll.

Abel lächelt glücklich und anerkennend. Gabriel ist völlig überwältigt von so viel Freundlichkeit und diesem niedlichen Lächeln. Gabriel sieht rüber zu Noel.
Gabriel: Dein Bruder ist auch toll… irgendwie…
Abel: Hey!

Abel legt seine kleine Hand an Gabriels Wange und dreht sein Gesicht zurück in seine Richtung.
Abel: Hat dir deine Mama nicht beigebracht, dass man Leuten ins Gesicht guckt, wenn man mit ihnen redet?

Für einen Moment wird Gabriel ganz still. An seine Familie erinnert zu werden ist für ihn nie leicht. Er legt seine Hand an die von Abel, lächelt leicht, woraufhin Abel auch wieder lächelt.
Gabriel: Verzeihung… Das war unhöflich. Es wird nicht mehr vorkommen.
Abel: Ist nicht schlimm. Ich… …meine Mama hat mir das auch nicht beigebracht. Ich hatte gar keine Mama.
Gabriel: Das ist schade.
Abel: Hattest du eine?
Gabriel: Ja… Sie war sehr nett zu mir…
Abel: Du hast es gut.
Gabriel: Mach dir nichts draus, dass du keine Mama hattest. Du hast ja jetzt mich.

Abels Augen werden wieder riesig, seine blassen Wangen werden leicht rosig und sein Lächeln wird breiter.
Gabriel: …darf…
Abel: Hn?
Gabriel: Darf ich dich umarmen?

Abel guckt verwirrt. Noels Blick wird gleich noch finsterer.
Abel: Njelnitschkaaaaa~?? Darf ich das?
Noel: Nh… naja… Willst du es denn mal versuchen?
Abel: Ich glaub‘ schon.

Abel dreht sich lächelnd wieder zu Gabriel.
Gabriel: Gut… Bist du bereit?
Abel: Ich bin bereit!

Noch etwas überfordert mit der Aufgabe, wohin mit so wenig Mensch, denkt Gabriel nach, was Leon ihm gesagt hat. Erst Hände dran legen, warten, Vertrauen gewinnen. So legt Gabriel langsam seine Hand an Abels Wange. Abel blinzelt kurz, als er das sanfte Streicheln bemerkt. Gabriel ist immer noch fasziniert, wie weich Abels Haut ist. Das ist ihm vorher gar nicht so aufgefallen. Langsam beugt er sich Abel entgegen, versucht dabei nicht allzugroß zu wirken. Schließlich legt er seine Arme um Abel.

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Als Gabriel Abels Rücken etwas zu lange streichelt, räuspert sich Noel auffällig laut. Abel löst sich etwas von Gabriel und sieht zu seinem Bruder.
Abel: Hast du Husten, Njelnitschka?
Noel: Nein… schon gut, Petit Frère.

Den Wink mit dem Zaunpfahl nicht verstehend lächelt Abel nur und sieht wieder zu Gabriel.
Abel: Duuuu… ich weiß noch gar nicht wie du heißt.
Gabriel: Ich…

Gabriel unterbricht sich selbst im Satz, weiß einen Moment nicht, ob er einem Menschen seinen richtigen Namen sagen sollte. Kein Mensch sollte den echten Namen eines Dämons wissen. Den einzigen Kontakt, den ein Dämon zu einem Menschen hat, ist ein Teufelspakt. So eine annähernde Beziehung zwischen Mensch und Dämon… wie soll man sich da verhalten?
Gabriel: Ich heiße…

Er überlegt. Hilfesuchend sieht er zu Leon, doch dann kommt ihm selbst die Idee.
Gabriel: Wie möchtest du mich denn gerne nennen?

Noel begreift die Bedeutung dieser Frage sofort und möchte schon dazwischen grätschen, wird aber von Leon aufgehalten. Abel guckt nur verwirrt und interessiert.
Abel: H-hast du keinen Namen?
Gabriel: Nein… an sich nicht…
Abel: Hmmm… dann… Vincent…
Gabriel: Gut… ich heiße Vincent.
Abel: Das klingt soooo schön wenn du das sagst.

Beide lächeln sich niedlich an.
Abel: Und du haust mich auch nicht mehr?
Gabriel: Nie wieder.

Freudig fällt Abel Gabriel um den Hals. Skeptisch stellt sich Noel ein wenig hinter die Tür, um mit Leon reden zu können.
Noel: Leon…?
Leon: Ja?
Noel: Du hast es mitgekriegt, oder?
Leon: Der Teufelspakt? Ja.
Noel: Soll ich Gabriel umbringen?
Leon: Nein… warum?
Noel: Er will Abels Seele. Soll ich das etwa gut heißen?
Leon: Nein… Er will nicht seine Seele.
Noel: Aha??
Leon: Alles was er will ist seine Nähe. Er hat Abel mit dem Pakt an sich gebunden. Es gibt keine andere Art der Beziehung zwischen Dämon und Mensch. Wenn sie zusammen sein wollen, ist das die einzige Möglichkeit.

Noel seufzt resigniert.
Noel: Na schön… Ich behalte ihn trotzdem im Auge. Sobald er aufmuckt, bin ich sofort da mit Le Vorschlaghammer.
Leon: Natürlich…

Leon lächelt wieder so undurchschaubar, wie immer. Er sieht zu seinem Bruder und seine Gesichtszüge werden weich.
Leon: Aber so glücklich habe ich meinen Bruder schon lange nicht mehr gesehen.
Noel: Vielleicht ist er wirklich geleutert.
Leon: Das wird die Zeit zeigen.
Noel: Ja…

Leicht in romantischen Gefühlen schwelgend zieht Noel an Leons Jacke, der versteht sofort und gibt ihm einen Kuss.
Leon: Gabriel ist ganz schön mutig. Aber er scheint diesen Jungen wirklich zu wollen.
Noel: hm… Damals wolltest du aber nur meine Seele. Die Dinge standen damals anders. Und… es sind die Entscheidungen, die einen Menschen zu dem machen, was er ist.
Leon: Wie recht ihr doch habt. Werdet ihr erwachsen?

Grinsend zieht Leon an Noels Wange. Dieser beschwert sich lauthals und fuchtelt Leons Hand weg.
Noel: Aaahhhuuuu! Lass das!!

~*~

Am selben Abend kommt Gabriel etwas unschlüssig zu Leon und Noel ins Schlafzimmer. Noel hat es sich gerade auf Leons Schoß bequem gemacht. Leon lächelt sein übliches höfliches Lächeln, aus dem man nie so ganz schließen kann, was er wirklich denkt. Noel zeigt offen, dass er Gabriels Eindringen weniger begrüßt.
Gabriel: Ähm… entschuldigt bitte…
Leon: Hm? Oh, Gabriel.
Gabriel: Abel ist grad auf der Couch eingeschlafen und ich weiß nicht, wo ich ihn hinbringen soll.
Noel: Zu mir! Er wird bei uns schlafen.

Leon lächelt weiter höflich, doch dem Verzerrungsgrad seiner Mundwinkel zu folge ist er wenig begeistert davon.
Leon: S-such dir ein freies Gästezimmer, dass dir gefällt, für ihn aus.
Gabriel: …. ich… ich dachte da … an mein Zimmer.

Noel springt auf, tritt Leon dabei beinahe seine edelsten Teile weg.
Noel: NIEMALS!!

Leon: Jeune Comte…
Noel: Du lässt deine Finger von ihm!! Wehe, du rührst ihn an!! Nur über meine Leiche!!

Noel ist zwar nur ein Mensch, doch Gabriel wirkt sichtlich eingeschüchtert von dem zeternden Zwerg.
Leon: Jeune Comte.
Noel: Was?!
Leon: Seid nicht zu streng zu ihm. Er hat sich an Abel gebunden.
Noel: Ach ja!! Das is auch noch so eine Sache, über die wir reden müssen, Mister!!

Noel stemmt seine Hände in die Hüfte und beugt sich zu Gabriel, der glatt drei Köpfe größer ist. Leon, nun etwas unruhiger, nimmt Noel an der Schulter.
Leon: Jeune Comte… Lassen wir’s für heute gut sein.
Noel: Aber ich-..!!
Leon: Beruhigt euch. Er wird Abel nicht wehtun.
Gabriel: Danke, Michael.
Leon: Kein Sex heute Nacht mit dem Jungen, okay?
Gabriel: Natürlich.
Leon: Seht ihr?

Leons Beschwichtigungsversuch stößt bei Noel auf taube Ohren. Der Kleine kocht vor Wut. Gabriel nimmt sich schnell Michaels Seegen und sucht das Weite. Er geht den Gang zurück zum Musikzimmer, wo er Abel gelassen hat. Das kleine Kerlchen kommt ihm schon müde und verschlafen entgegen getappst. Gabriel kniet sich gleich zu ihm hinunter.
Abel: Vinceeent…
Gabriel: Hey, Kleiner. Ich dachte du schläfst
Abel: Ich bin aufgewacht…als du weg warst…
Gabriel: Ich bring dich besser ins Bett.

Gabriel nimmt Abel auf den Arm und sucht für ihn nach einem freien Schlafzimmer.

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Er öffnet die Tür entflammt innen die Kerzen in den Halterungen, ohne diese zu berühren. Abel bekommt wieder riesige Augen.
Abel: Wie hast du DAS gemacht??
Gabriel: Nur ein kleiner Zaubertrick. Ich kann noch mehr.
Abel: Wooow. Ich will das auch können!
Gabriel: Ich bring’s dir bei, wenn du älter bist. Für kleine Kinder ist das noch nichts.
Abel: …
Abel: I-ich bin nicht klein!

Sagte der kleine Knirps mit dem weißen Wuschelkopf. Gabriel schmunzelt, hebt Abel auf das Bett und streichelt ihm über die Wange.
Abel: Ich bin nur noch nicht alt!
Gabriel: Ok, du bist nicht klein.

Er geht zum Schrank, sucht darin nach einem kleinen, weißen Schlafhemd, mit dem er zu Abel zurückgeht.
Gabriel: Darf ich dir das hier anziehen?

Abel schaut erst, nickt dann fröhlich. Gabriel knöpft Abels Hemd, das er noch von Noel bekommt hatte, auf, zieht es ihm von den Schultern, betrachtet einige Momente Abels blasse Haut. Sie ist wirklich fast schneeweiß. Vorsichtig und leicht paralysiert streichelt er darüber. Abel fängt plötzlich an zu kichern.
Abel: Das kitzelt…

Gabriel glotzt erst blöd aus der Wäsche. Sowas hat er noch nie gehört. Dann erinnert er sich an Leons Worte „Lachen gleich gut.“ So pieckst er Abel leicht in die Seite, dieser quiekt und kichert gleich wieder. Der Dämon ist nundoch hellauf begeistert von diesem Lachen und kitzelt Abel weiter, der einen regelrechten Lachanfall davon bekommt, welcher wiederrum Gabriel zum Lachen bringt. Er kann sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal so gelacht hat. Und ob überhaupt. Nach einer Weile ist Abel erschöpft. Gabriel hört auf und betrachtet das durchgeschüttelte Bündel mit geröteten Wangen, das sich an ihn kuschelt.
Gabriel: Alles ok?
Abel: Jah~ Aber Kitzeln ist unfair, Vincent…
Gabriel: Du bist ein wirklich wunderschöner Mensch…

Verträumt streichelt Gabriel Abel eine Locke aus dem Gesicht. Abel schaut erst wieder mit großen Augen, lächelt dann vergnügt.
Abel: Du auch.

Gabriel wird blass und schluckt. Abel weiß gar nicht, was er ist? Soll er es ihm sagen? Weiß Abel überhaupt, was Dämonen sind? Soll er es ihm erklären? Würde das etwas ändern? Würde das alles ändern? Unsicher nimmt er Abel in den Arm. Die Wahrheit sollte das beste sein.
Gabriel: Abel…
Abel: Hn?
Gabriel: Es gibt etwas, das du über mich wissen solltest.

Abel guckt für einen Moment ganz erschrocken, fast panisch.
Abel: Aber… a-aber… Du gehst nicht wieder weg, oder…?
Gabriel: Nein.

Etwas beruhigter lässt sich Abel in Gabriels Arme sinken, schließt die Augen und lächelt.
Gabriel: Ich geh nicht mehr weg.
Abel: Das ist gut…
Gabriel: Die Sache ist die… Ich… bin kein Mensch…

Abels fragender Blick ist gerechtfertigt. Er überlegt einige Augenblicke.
Abel: Oh! Oh, ich weiß! Du bist ein Engel, oder??
Gabriel: Ein En-….??

Das ist ja NOCH schlimmer, als wenn Abel ihn für einen Menschen hält.
Abel: Engel. Kennst du nicht? Die haben Flügel und sind totaaaaaaaal schön!
Gabriel: Doch…
Abel: Aber du bist keiner?
Gabriel: Mh-mh…
Abel: Was denn dann?
Gabriel: Ich bin… das Gegenteil… Ich bin ein Dämon…

Abel schaut Gabriel an, aber nicht ängstlich, wie Gabriel angenommen hat, sondern eher verwirrt.
Abel: Hääää… Aber du bist doch gar nicht böse!
Gabriel: Doch… im gewissen Sinne schon.
Abel: Aber du tust mir nicht weh.
Gabriel: Ja und das werd ich auch nie… aber… ich bin dennoch ein Dämon. Ich ernähre mich von menschlichen Seelen. Dafür muss ich Menschen töten…

Abel zeigt immer noch keine Anzeichen von Angst. Er sieht konzentriert in Gabriel Gesicht, mustert seinen tieftraurigen Blick und scheint zu spüren, dass er sich gerade für sich selbst schämt.
Abel: Nicht… …nicht weinen, Vincent.

Er legt seine kleinen Ärmchen um ihn.
Abel: Ich hab‘ dich trotzdem sehr lieb…

Völlig überrascht glotzt Gabriel mit großen Augen den Jüngeren an.
Gabriel: Wa-… Aber… Wieso…?
Abel: Geh nich‘ wieder weg… Alle sind von mir weggegangen, Vincent. Keiner hatte mich lieb…

Gabriel begreift langsam, dass in diesem Jungen genauso viel Schmerz und Einsamkeit angesammelt ist, wie in ihm selbst. Er schließt Abel fest in seine Arme.
Gabriel: Ich geh nie wieder weg. Und ich hab‘ dich lieb, Abel. Sehr.
Abel: Dankeschön…
Gabriel: Außerdem… hab‘ ich schon etwas getan, was uns unzertrennlich macht.
Abel: Ja?

Gabriel dreht sich um, hebt die Haare an seinem Nacken ein wenig hoch, unter den langen schwarzen Haaren ist eine einzelne kleine weiße Locke.
Abel: Das… das ist eine von mir…
Gabriel: Ja… Und du hast eine von mir. Das ist ein Paktzeichen. Man tauscht etwas vom Körper aus und gehört so für immer zusammen.
Abel: Wah, echt?
Gabriel: Als du mir den Namen gegeben hast, haben wir uns aneinander gebunden. Nur so können Mensch und Dämon zusammenbleiben.
Abel: Das ist ja toll!
Gabriel: Du findest das toll??
Abel: Ja!! Das ist wie ein Versprechen, dass du nie, nie, nie wieder weggehst!!

Abel strahlt für das ganze Gesicht, umarmt Gabriel überschwänglich, was beide in die Kissen wirft.
Abel: Danke, danke, danke!!
Gabriel: Ich hab‘ zu danken…

Gabriel streichelt Abel noch eine ganze Weile, bis der Kleine eingeschlafen ist. Er ist so fasziniert von ihm, dass er ihn die ganze Nacht hindurch streichelt und ihn beim Atmen zusieht.

~*~

Der nächste Morgen.

Noel tritt mit dem Fuß die Tür zum Gästezimmer ein und stellt sich breitbeinig in den Rahmen. Eine Adern an seiner Stirn tritt hervor, als er Gabriel und Abel zusammengekuschelt im Bett liegen sieht.
Noel: QU’EEEEEEEEEEST-CEEEEEEEEEEEEE?? WAS HAST DU MIT IHM GEMACHT??

Abel blinzelt müde.
Abel: Nnnhh.. Njelnitschka…?

Noel zerrt Abel von Gabriel weg und hebt ihn aus dem Bett. Das kleine Kerlchen fängt sofort vor Kälte an zu zittern.
Noel: Hat er dir was getan.
Abel: K-kalt!!
Noel: Hat er dich angefasst?
Abel: Nein!!
Noel: Hat er dir weh getan?
Abel: NEIN! Njelnitschka… mir ist kalt…

Noel sieht zornig zu Gabriel, den er verdächtig, etwas mit Abel angestellt zu haben, dass dem Kleinen jetzt so kalt ist.
Noel: Duuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu!
Abel: …lass mich zurück zu Vincent ins Bett.
Noel: Was? Wieso??
Abel: Bei ihm war es ganz warm und weich und kuschlig.
Noel: Grrrrr…

Leon kommt ein wenig ins Zimmer gehastet und hebt Noel hoch.
Leon: Ah~ Jeune Comte.
Noel: Höi!!!
Leon: Jeune Comte, ihr wisst doch, wir haben noch NÄCHTLICH VERPASSTE ARBEIT nachzuholen. *weil ihr ja die ganze Nacht nur Wache halten musstet*

Während Leon den zeternden Noel aus dem Zimmer trägt, setzt sich Gabriel auf und hebt den zitternden Abel zurück ins Bett, kuschelt die noch warme Decke um ihn.
Gabriel: He, Kleiner… Geht’s dir gut?

Abel, der sich wieder beruhigt, drück sich an Gabriel und nickt lächelnd.
Abel: Njelnitschka benimmt sich komisch… Ich glaub‘, er hat mich nicht mehr lieb.
Gabriel: Doch, er hat dich lieb. Deswegen benimmt er sich ja so komisch.
Abel: Aber er schreit ganz viel.
Gabriel: Er sorgt sich nur ein wenig um dich.
Abel: Warum? Hab‘ ich was schlimmes gemacht?
Gabriel: Nein. Er hat Angst, dass das Monster noch in mir sein könnte und dass ich dir wieder weh tue.
Abel: Aber er hat es doch selbst besiegt!
Gabriel: Er hat es nur verjagt. Ich muss selbst dafür sorgen, dass es nicht wiederkommt.
Abel: Schaffst du das?
Gabriel: WIR schaffen das.

Gabriel küsst Abel liebevoll auf die Stirn. Abels Augen werden wieder groß. Er genießt diese Aufmerksamkeit ungemein.
Abel: Mhm!

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Es dauert nicht lange, da ist der kleine Abel wieder eingeschlafen, obwohl schon fast Mittag ist und er kaum etwas gegessen hat. Gabriel legt langsam die Decke über ihn. Abel hat ein wenig das Laken und die Decke schmutzig gemacht. Gabriel beschließt, ihn später zu waschen.

Leon ist in der Küche zugegen, macht einen großen Bottich voll Schlagsoße, als Gabriel zu ihm stößt. Man merkt schnell an Leons grumpeliger Aura, dass er frustriert ist aus diversen Gründen.
Gabriel: Hey, Bruderhe-….
Leon: ………ngh.
Gabriel: Was wird das?
Leon: Ich. Mache. Den. Mitternachtsimbiss.
Gabriel: Um halb zwölf mittags? Du siehst ’n bisschen gestresst aus. Soll ich spöter wiederkommen?
Leon: WER IST HIER GESTRESST?! ICH BIN ÜBERHAUPT NICHT GESTRESST!!

Eine weiße, kleine, sehr haarige Katze schmiegt sich an Leons Bein. Er hebt sie hoch und kuschelt sie an sein Gesicht.
Leon: Jah, wenigstens du liebst mich noch…

Das Kätzchen maunzt leise.
Gabriel: So unausgelastet?
Leon: Er erzählt die ganze Nacht nur davon, dass er Wache halten muss und ich ihn ja nicht ablenken soll.
Gabriel: Wache?!
Leon: Er behauptet nach wie vor du vergreifst dich an Abel.
Gabriel: Nh… Naja… So unrecht hat er damit nicht.
Leon: D-du hast mit ihm-
Gabriel: Nicht ganz wirklich.
Leon: Was dann?
Gabriel: Ich wollte nur seine Wunde heilen. Und hab‘ ihn dabei angefasst. Als er keine Schmerzen mehr hatte… naja… Er ist so süß und flauschig und er riecht nach Tautropfen. Was soll ich denn machen? Er hat gelächelt und sich an mich gekuschelt.

Leon lächelt, während Gabriel voll Freudentaumel auf einen Stuhl sinkt.
Leon: Das freut mich zu hören… Und?… Meinst du, er hat dir vertraut?
Gabriel: Ich denke schon.
Leon: Wow. Du hast sehr viel gelernt von ihm…
Gabriel: Nunja… Ich will mehr. Aber er ist so klein und du kennst mich.
Leon: Hmmm… das stimmt.
Gabriel: Ich weiß nicht, wie weit ich gehen kann. Ich hab‘ das Gefühl, jede Sekunde zerbricht er mir in den Händen.
Leon: Deswegen habe ich bei Noel gewartet bis er älter war.
Gabriel: Ich kann nicht warten.
Leon: Das ist der Punkt. Es kann sein, dass es sehr lange dauert, bis er sich überhaupt daran gewöhnt, sich körperlich so weit zu nähern. Lass ihm Zeit. Irgendwann zeigt er dir, wenn er soweit ist.
Gabriel: Und wenn ich es dann falsch mache?
Leon: Inwiefern?
Gabriel: Ich hab‘ sowas noch nie gemacht und ich will es an Abel nicht ausprobieren.

Leon versteht den Wink mit dem Zaupfahl, versucht ihn aber zu ignorieren und sucht nach etwas, um das Thema zu wechseln. Doch Gabriels Hundeblick macht ihm das nicht gerade leicht.
Leon: I-ich kann dich doch nicht an Noel ranlassen, wenn er nichtmal MICH ranlässt…
Gabriel: Bitteeeeeeeeeee!
Leon: Nggggh… Nicht der Hundeblick…

Gabriel hört nicht auf, seine Augen noch größer und nass-glänzender werden zu lassen. Hinzu kommt noch ein leises Winseln und Leons Wille ward gebrochen.
Leon: I-ist ja gut!! I-ich frag ihn… …er wird dir den Kopf abreißen, wenn du ihm keinen guten Grund nennst… Wie willst du ihm eigentlich erklären, dass du plötzlich so viel mehr wissen willst? Meinst du nicht er wird Lunte riechen?
Gabriel: Ähm… Ich hatte gehofft, dass du ihn überredest.
Leon: Ich… soll ihn dazu überreden, dir Sex mit Abel zu erlauben?
Gabriel: Naaaaaaaain. Du sollst ihn überredet, mir Sex mit ihm zu erlauben.

Leon hört auf, in der Schüssel zu rühren und glotzt seinen Bruder an. Es vergehen Minuten des Schweigens.
Leon: Bruder…!! Siehst du nicht wie frustriert ich bin…??!!

Der jüngere deutet in sein gestresstes Gesicht. Es ist schwer für einen Dämon, einen Menschen zu lieben, ihm aber nicht nah sein zu können, weil dieser es vorzieht, seinen kleinen Bruder vor einem anderen Dämon zu beschützen und die ganze Nacht vor einer Schlafzimmertür Wache zu schieben. Situation frei erfunden. Doch Gabriel lässt sich in einen Stuhl fallen und seufzt resigniert.
Gabriel: Michael… es klingt vielleicht dumm… aber…

~*~

Danke für’s Lesen. Bald geht’s weiter 🙂

~*~

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