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Akt 2 Seite 1-7

Charas:

Noel = Jeune Comte = Njelnitschka = Leons Partner, 19 Jahre

Leon = Michael = Noels Partner = Gabriels Bruder, Dämon

Gabriel = Vincent = Abels Partner, Dämon

Abel = Kuro = Petit Frere = Gabriels Partner, 14 Jahre

[Ganzes Epos lesen]


 

Akt 2 – Mein Dismentis Abel

Morgen. Gabriel liegt im Bett neben Abel. Er hat sich immer noch nicht ganz daran gewöhnt, nachts zu schlafen. Die meiste Zeit vertreibt er sich damit, Abel anzusehen, während Abel vor sich hinschlummert. Abel ist in den letzten Monaten ein wenig gewachsen, hat lesen, schreiben und rechnen gelernt und sich, ebenso wie Gabriel, in den Haushalt in Michaels Schloss in Transilvanien eingefügt. Abel erwacht meist noch vor den ersten Sonnenstrahlen. Anders als bei Noel lässt Abel die Vorhänge vor den Fenstern seines Zimmers nachts nie geschlossen. 
Gabriel: Morgen, Kleiner.
Abel: Guten Morgen, Vincent…

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Abel gähnt und reibt sich die Augen. Dann lächelt er. Überschwänglich knuddelt Gabriel Abel in die Kissen.
Abel: Was hast du denn?
Gabriel: Och, nichts… Bin nur so glücklich, dass ich dich hab‘. Es ist schon mehr als ein Jahr her, seit wir uns kennen…
Abel: Achso?
Gabriel: Ja, dann müsstest du jetzt… 14 sein… oder …? Öh… Sag mal, Abel…
Abel: Hm?
Gabriel: Wir haben deinen Geburtstag gar nicht gefeiert.
Abel: o.o Was ist das?
Gabriel: Was ist was?
Abel: Geburtstag.

Gabriel blickt in große verständnislose Augen, wobei ihm auch nicht ganz eingeht, wie man nicht wissen kann, was ein Geburtstag ist. Für Dämonen ist er nungut nicht wirklich wichtig, aber für Menschen soll er das Ereignis des Jahres sein.
Gabriel: Es ist der Tag, an dem du geboren wurdest. *Wenn ein Mann und eine Biene… nein, halt…*
Abel: Der ist doch schon lange vorbei.
Gabriel: Ja, aber die Menschen feiern ihn jährlich.
Abel: Ich nicht…
Gabriel: Du hast noch nie deinen Geburtstag gefeiert?
Abel: Mh-mh.
Gabriel: *Komisch, ich dachte alle Menschen machen das* Wann hast du denn Geburtstag?
Abel: …
Gabriel: Du weißt es nicht.
Abel: Irgendwann… hat mir die Waisenhausbesitzerin nur gesagt ich wäre jetzt 12 … und dass sie keinen Platz mehr für mich hat.

Abels bisher so fröhliches Gesicht trübt sich ein wenig bei der Erinnerung an dieses Ereignis.
Gabriel: Also, es ist so, dass jeder Mensch an einem Tag geboren wurde und er diesen dann jedes Jahr feiert. Das ist quasi wie ein Ehrentag. Man freut sich darüber, dass dieser Mensch auf der Welt ist.
Gabriel: Michael und ich haben früher oft Menschen beobachtet. Daher weiß ich das. Würdest du denn gerne wissen, wann du Geburtstag hast?
Abel: Wozu denn…?
Gabriel: Naja… ich dachte es würde dir Freude machen, wenn du einen Tag hast, an dem man sich freut, dass du auf der Welt bist.
Abel: Wenn mich die Leute mögen freuen sie sich doch jeden Tag, dass ich da bin…
Gabriel: Aber an dem Tag würdest du Geschenke kriegen und einen Kuchen.

Da Abel weder weiß, was Geschenke, noch was Kuchen sind, fiel seine Reaktion entsprechend unmotiviert aus.
Abel: …du, Vincent?
Gabriel: Hm?
Abel: …Was sind Geschenke? 
Gabriel: *Ich rede hier mit einem Waisenkind…* Geschenke sind Dinge, die du dir wünschst und bekommst, ohne was dafür zu tun. *schnorren quasi*
Abel: …
Gabriel: Du hast noch nie irgendwas besessen, oder?
Abel: Mh-mh.
Gabriel: Und für dich wurde auch noch nie eine Party geschmissen
Abel: …Was ist eine Party?

Langsam gehen Gabriel die Erklärungen aus, aber Abel scheint sich dafür auch nicht wirklich zu interessieren. Er setzt sich auf, streckt seine Ärmchen von sich und gähnt erneut. Gabriel betrachtet Abels Rücken, über den sich langsam das Nachthemd spannt, weil es zu eng wird.
Gabriel: Du bist so groß geworden. Ich glaub‘, wir müssen dir neue Klamotten besorgen. Michael wird das sicher regeln.
Abel: Hm? Warum neue? Ich mag meine Klamotten…
Gabriel: Aber sieh doch. Sie werden dir zu klein. Nicht, dass mich das stört…
Abel: Mich auch nicht.
Gabriel: Aber irgendwann wirst du im Bett frieren
Abel: Sie werden nicht weggeschmissen, bevor sie nicht kaputt sind!

Abel zieht eine Schnute. Gabriel zieht eine Schnute, hebt seine Finger und Abels Nachthemd reißt in Fetzen. Abel klatscht Gabriel seine Hand gegen die Stirn.
Abel: Vincent!! >o<
Gabriel: Was denn?
Abel: Du sollst nicht immer alles kaputt machen! Ò__Ó

Gabriel zieht Abel in seine Arme und auf seinen Schoß.
Gabriel: So gefällst du mir sowieso besser.

Abel wird ein wenig rot.
Gabriel: Du, Abel…
Abel: Hm?
Gabriel: Ich bin froh, dass du geboren wurdest.

Abel lächelt und rubbelt sich die Nase.
Gabriel: Ich will diesen Tag gedenken.
Abel: Ich weiß nur, dass er im Winter ist…
Gabriel: Naja, es ist Winter. Nicht mehr lange, aber immer noch. Nehmen wir doch einfach den heutigen Tag. Dann hast du eben heute Geburtstag. Das müssen wir feiern.
Abel: Nh… Warum denn…?

Gabriel fühlt ein durchdringende Ernüchtern, dass es sinnlos ist, einem Waisenkind das Konzept von verschwenderischer, zielloser Föllerei näher zu bringen. Er startet dennoch einen neuen Versuch.
Gabriel: Weil ich froh bin, dass du geboren wurdest. Sowas feiert man.
Abel: …. ich mag Feiern nicht…
Gabriel: Nicht? Wieso?
Abel: Sie machen mir Angst…
Gabriel: Ach ja? Wieso das denn? Zu laut?

Abel schüttelt den Kopf und will eigentlich darauf hinaus, dass auch öffentliche Hinrichtungen und Hexenverbrennungen gern gefeiert werden. Das sind eher die Festlichkeiten, die er so kennengelernt hat. Bevor Gabriel noch weiter das Wieso-Spiel spielen kann, klopft es. Abel wickelt sich schnell eine Decke um. Gabriel bittet den Besucher herein. Es ist Noel, der das Frühstück bringt.
Noel: Habt ihr Hunger?
Abel: Njelnitschka!! Ich hab‘ Hunger!

Sichtlich mehr über Noels Anwesenheit als über das Essen erfreut kommt Abel seinem großen Bruder entgegen. Noel stellt das Tablett auf einem Nachttisch ab und schließt Abel in die Arme. Sein Blick fällt auf das zerfetzte Nachthemd, dann auf Abel, der auf Gabriel zeigt, dann auf Gabriel, der nur entnervt zurückschmollt, dann wieder auf Abel.
Noel: Ist alles in Ordnung mit dir?
Abel: Alles okay.
Gabriel: Hey! Ich hab‘ nix getan!
Noel: Warum ist das Hemd dann da zerrissen?
Abel: Weil Vincent neue Klamotten für mich will! Dabei sind die alten noch gar nicht kaputt… Naja… Jetzt schon.

Noel seufzt. Diesen dummen Dämonen kann man keine Sekunde aus den Augen lassen. Aber sein Pulslevel ist noch nicht hoch genug für einen Ausbruch. Letztendlich geht seine Arbeit vor.
Noel: Habt ihr noch irgendwo Wäsche, die gewaschen werden muss?
Abel: Alles sauber.
Noel: Ok…

Michael schlingt seine Arme von hinten um Noel. Er hatte eine sehr schöne Nacht und das lässt er jeden anwesenden gern wissen. Spielerisch knabbert er an Noels Ohr.
Noel: Leooooooon!!! Ich muss arbeitäään. 
Michael: Ihr habt euch schon wieder aus dem Bett gestohlen, Jeune Comte..
Noel: Ich versuch nur meinen Job zu machen und dafür muss ich nunmal früh aufstehen.
Michael: Dabei war euer freier Tag doch für heute angeordnet…
Noel: Was? Gar nicht!
Michael: Also ab zurück ins Bett. Wenn du verstehst was ich meine.
Noel: Was?! Wie kommst du denn jetzt darauf?
Gabriel: Interessiert denn niemanden, dass Abel heute Geburtstag hat?

Das Geturtel hört abrupt auf. Noel kämpft sich aus Michaels Armen frei und sieht mit großen Augen zu Abel. Abel wird ein wenig rot im Gesicht. So viel Aufmerksamkeit.
Noel: Du hast heute Geburtstag?
Abel: …nhhh…
Noel: Herzlichen Glückwunsch, Petit Frère. Leon wird dir sicher ’ne Torte backen.
Gabriel: Er will keine Party…
Michael: Aber ein Stück Torte schadet ihm nicht.
Gabriel: Torte ist doch ok, oder Abel?

Abel nickt ein wenig überfordert.
Gabriel: Gut, dann zieh dich an.
Noel: Ich geh noch fix die Wäsche waschen.

Noel sammelt die Nachthemdfetzen auf und verzieht sich in die Waschküche. Abel tappst zum Schrank und zieht sich um, ganz glücklich darüber, dass die Aufmerksamkeit nicht mehr ganz so sehr auf ihm liegt. Gabriel folgt Michael aus dem Zimmer.
Gabriel: Hast Du größere Klamotten für ihn?
Michael: Sicher. Obwohl er so groß geworden ist, wirkt er immer noch sehr niedlich… wie ein Kind.
Gabriel: Mhm. Er ist wunderschön, nich wahr? Meine Dismentis wurden nie so groß.
Michael: Er wird noch viel größer werden, wenn er erwachsen wird.

Gabriel kommt ein Gedanke und er wird etwas ernster. Noel ist mittlerweile 19 Jahre alt, aber sein und Abels Aussehen gleichen sich immer mehr an.
Gabriel: Und Noel?
Michael: Noel nicht. Er wächst nicht mehr, schon seit einer Weile.
Gabriel: Macht dir das denn nichts aus?
Michael: Nein… denn er war vom Wesen her schon immer recht erwachsen… Ich habe ihn nie als richtiges „Kind“ erlebt.
Gabriel: Sich als Kind schon so erwachsen benehmen zu müssen, muss doch ziemlich hart sein.
Michael: An seinen Befehlen damals einem mächtigen Dämon gegenüber, konnte man allerdings erkennen, dass er es nicht ganz verlernt hatte, Kind zu sein. Vermutlich ließ er seinen Groll, seinen Zorn, seinen Trotz nur mir gegenüber raus. Ein Pakt zwingt einen Dämon früher oder später in die Bedienstetenrolle, wenn der Mensch irgendwann versteht, dass der Dämon ihm hörig ist, egal wie schroff sich der Mensch benimmt oder welche unsinnigen Forderungen er stellt.
Gabriel: Aber jetzt trägt er die Bedienstetenklamotten für dich.

Michael verzieht ein wenig das Gesicht.
Michael: Ja… Das muss ich ihm wieder abgewöhnen. Er bleibt nach einer Nacht kaum noch lange im Bett.
Gabriel: Stört es dich etwa?
Michael: Er nimmt die Arbeit so ernst.
Gabriel: Sei doch froh. Er tut das für dich, begleicht seine Schuld von damals, wo er dich zu seinem Paktsklaven gemacht hat. Und sieh es mal so, wenn er es nicht gern tun würde, hätte er es schon längst gelassen.
Michael: Ja… Aber es wäre auch schön, wenn er für mich mal im Bett liegen bleibt…
Gabriel: Dann wirst du ihn wohl ans bett fesseln müssen.
Michael: Das hab‘ ich schon gemacht. Er schafft es trotzdem immer sich irgendwie zu befreien.
Gabriel: Er ist eben aufrichtig in seiner Arbeit. Muss doch nicht schlimm sein.

Die „Geburtstagsfeier“ wird ein ruhiges Zusammensitzen. Die vier schmausen einen von Michaels erstklassig gebackenem Kuchen. Danach geht jeder wieder seiner Wege. Noel ist gerade dabei das Geschirr vom Tisch zu räumen. Er zieht immer wieder die Nase hoch und wischt sich über die Stirn. Michael betrachtet ihn von der Küchentür aus.

Michael: Ihr werdet doch nicht etwa krank, Jeune Comte?
Noel: Wo denkst du ihn? 
Michael: Habt ihr Kopfweh?
Noel: Nein.
Michael: Ich weiß was gegen Kopfweh hilft.

Michael machte nur einen Scherz. Noels schnippische Antworten sagen ihm, dass alles in bester Ordnung ist, doch bemerkt er auch mit ein wenig Sorge, dass Noel immer wackeliger auf den Beinen zu stehen scheint und immer öfter hustet. Er hört auf zu lächeln, geht zu Noel und legt ihm die Hand auf die Stirn.
Noel: Nimm deine Hand da weg, Leon. Ich habe noch ein paar Sachen zu erledigen.
Michael: Aber ihr-

Noel schafft das Geschirr und die restlichen Teller zurück in die Küche. Danach ist nur ein lautes Klirren zu hören.

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