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15 bescheuerte Argumente warum ihr eigentlich auch für umsonst arbeiten könnt

artieklarguemnteMeine lieben Künstler-Kollegen, habt ihr auch schon mal Argumente gehört, warum man euch für eure Arbeit nicht oder weniger bezahlen will? Denkt ihr vielleicht auch, an den Argumenten könnte was dran sein und geht deswegen mit dem Preis runter oder macht es ganz umsonst? Ich hatte vor Kurzen wieder eine Unterhaltung über genau dieses Thema. Mir sind immer mehr Situationen durch die Gedanken gesprungen, in denen Kunden teilweise recht seltsame Vorstellungen der Argumentation hatten, warum sie einen Künstler gerade SO vergüten sollten. Ich erklär euch daher jetzt an 15 „noch NIIIIE“ gehörten und „völlig aus der Luft gegriffenen“ Argumenten von Kunden, warum eure Preise gerechtfertigt sind.

1. „Wir können dir nichts bezahlen, aber diese Arbeit macht sich gut im Lebenslauf.“ – Es macht sich nicht gut, wenn deine zukünftigen Arbeitgeber oder Kunden sehen, dass du deinen eigenen Wert nicht kennst.

2. „Andere Künstler arbeiten auch für so wenig oder sogar gar nichts.“ – Professionelle Künstler nicht. Wenn ein Kunde Arbeit für umsonst will, kann er sich in Foren gern nach Hobbykünstlern umsehen, muss dann aber auch damit leben, dass Hobbykünstler sich nicht an Verträge, Absprachen, Deadlines oder Vorgaben halten müssen. Professionalität kostet Geld. Ende.

3. „Es ist doch nur ein Hobby.“ – Nein, es ist Arbeit, die Zeit, Skill, Geld und Kreativität erfordert. Du arbeitest professionell, du arbeitest nach Verträgen, du hast deine Tätigkeit angemeldet, du zahlst Einkommenssteuer, du arbeitest 8 Stunden am Tag. Es ist KEIN Hobby.

4. „Jeder kann doch malen.“ Nein, nicht jeder hat jahrelang täglich geübt, um so gut zu werden, wie du.

5. „Kannst du das mit deinem Gewissen überhaupt vereinbaren, mich so über den Tisch zu ziehen?“ – Kannst du es mit deinem Gewissen vereinbaren, für einen Preis zu arbeiten, mit dem du weder deine Miete, noch Steuern oder Essen bezahlen kannst?

6. „Ich kann nicht mehr bezahlen, ich habe nicht mehr Geld.“ – Dann kannst du diesen Auftrag nicht annehmen. Niemand hat jemals jemandem ein Auto geschenkt, weil der gesagt hat, er kann es sich nicht leisten.

7. „Ach komm schon, wir sind doch Freunde.“ – Nein, in dem Moment, in dem du einen Auftrag von jemandem bekommst, ist er dein Kunde und du behandelst alle Kunden gleich.

8. „Deine Tante Bertram würde sich so darüber freuen.“ – Deine Tante Bertram freut sich sicher auch darüber, wenn du Erfolg in deinem Beruf hast und den kriegst du nicht, wenn du deine Dienstleistung verschenkst. (Außer es ist wirklich ein Geschenk von dir für Tante Bertram versteht sich.)

9. „Es sind doch nur Skizzen. Die machen nicht viel Aufwand.“ – Doch, auch Skizzen brauchen Zeit. Selbst wenn es nur eine Stunde ist, lass dich bezahlen!

10. „Wieso bezahle ich so viel? Es hat doch nur 10 Minuten gedauert, das Bild zu malen?“ – Nein, es hat Jahre gedauert, dieses Bild zu malen. Man fragt einen Klemptner auch nicht, warum man so viel bezahlt, obwohl der nur 10 Minuten gebraucht hat, um eine Dichtung auszutauschen. Das Wissen, das Können, das Tallent, den Skill hat man nicht einfach so.

11. „Das ist Wucher! Wie können sie so viel verlangen? Das ist niemals ein angemessener Preis!“ – Doch ist er. Du hast ihn festgelegt mit bestem Wissen und Gewissen, du hast bilanziert, was dir dieser Preis finanzieren soll. Du weißt ganz genau, würdest du mit dem Preis weiter runter gehen, verhungerst du und verlierst deine Wohnung.

12. „40 € pro Stunde? Was? Meine Angestellten arbeiten für 15 € die Stunde!“ – Du bist kein Angesteller, die bist Freelancer. Angestellte bekommen Versicherung, Sozialabgaben, Pausen, Urlaub und Krankheitstage bezahlt. Du nicht! Du musst auch diese Ausgaben plus eventuelle Zeiten der Auftragsflaute in deinen Preis einkalkulieren. Kleine Faustregel: 30 € pro Stunde entspricht etwa dem Mindestlohn (8,50 € für Angestellte). 60 € pro Stunde enstpricht etwa einem Durchschnittsgehalt für Leute mit einem Weiterbildungsabschluss.

13. „Das ist mein letztes Wort! Sonst gehe ich zu einem anderen Künstler!“ – Ist ein super alter Verhandlungstrick. Fall nicht drauf rein. Es ist der letzte Strohhalm eines Kunden, zu drohen, zu jemand anderem zu gehen. Du hast deine Preise sorgfältig abgewogen und du verkaufst dich nicht unter Wert. Bleib hart, zeig Selbstbewusstsein. Du lässt dich von niemandem unter den Tisch reden.

14. „Ja, wir können jetzt erstmal nur so wenig bezahlen, aber es kommen noch ganz viele Folgeaufträge, versprochen.“ – Ein Versprechen gehört nicht zu einer Verhandlung. Es gehören Fakten dazu, Verbindlichkeiten. Von Versprechen wirst du nicht satt.

15. „Nein!“ – Ok, bye!

Fazit:

Ihr dürft nie vergessen, dass wenn ihr einem Kunden euer Angebot unterbreitet und euren Preis nennt, dann ist das kein kumpelhaftes Palaver mehr, sondern ein Verkaufsgespräch, ein Verhandlungsgespräch. Ihr befindet euch in diesem Moment in Verhandlung und so, wie der Kunde versuchen wird, euch runterzuhandeln, müsst ihr dagegenhalten. Zeigt er Unverständnis, erklärt ihm freundlich und sachlich, warum ihr euren Preis so gewählt habt. Manchmal wissen es Kunden wirklich nicht und sind dankbar für die Erklärung. Zeigt der Kunde keine Einsicht, lasst ihn gehen. Kunden, die euren Wert nicht zu schätzen wissen, sind eure Mühe und eure Zeit auch nicht wert. Sie werden viel rumnörgeln, sich an keine Deadlines und Absprachen halten, beim bezahlen nochmals versuchen den Preis zu drücken, sie werden keine Dankbarkeit zeigen und im schlimmsten Fall werden sie euch bescheißen und mit dem Preview-Bild bei Nacht und Nebel abhauen. Sie werden weder dankbare Kunden noch Stammkunden, also vergesst sie lieber ganz schnell wieder.

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Kommentare (4)

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    Muffina

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    Finde ich echt gut. Ein zwei dieser Sätze habe ich auch schon von Kunden gehört. Ich Häkeln ja „nur Hobby mäßig“ und nehme kleinere Aufträge an. Und ich muss auch sagen das ich solche Sachen schon gehört habe, aber viele Vergessen auch das es einfach Lebenszeit ist.

    Jede Arbeit ist es Wert bezahlt zu werden und wenn es etwas kostet bedeutet es mehr für viele und sie gehen besser damit um.

    Gott ich laber schon wieder, sorry.
    LG Muffina~

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      HasiAnn

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      Ist ja auch so. Es ist nicht nur Lebenszeit, sondern auch dein Skill. Nicht jeder kann Häkeln und wenn jemand soetwas von dir möchte, weil sich selbst soetwas nicht häkeln kann, dann kann er dich natürlich auch dafür anständig bezahlen.

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    Melanie

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    Halloechen! Ein sehr schöner Beitrag! Ich kann dieses „Mach doch umsonst, geht auch ganz schnell“-Gelabere nicht mehr hören. Es steckt Arbeit darin und Slogans wie „Dann bekommst du mehr Reichweite“ und „Das macht sich gut im Lebenslauf“ sollten verboten werden. Liebe Grüße, Melli

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      HasiAnn

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      Zumal solche Argumente wie „Dann bekommst du mehr Reichweite“ auch völliger Schwachsinn sind. Jemand, der viel Reichweite hat, hat die sich über viel Zeit aufgebaut und weiß, wieviel Arbeit Kunst macht. Der würde eine künstlerische Arbeit sofort zu schätzen wissen, auch mit Geld. Jemand, der einen Künstler nicht bezahlen will aber dann mit ner großen Reichweite prahlt, hat meistens keine.

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